Aus EasyLinux 01/2011

Tipps und Tricks zu Knoppix und Ubuntu

Knoppix und Ubuntu

Ubuntu und Knoppix basieren auf der Linux-Distribution Debian – wir verraten Tricks und Kniffe, welche die Arbeit auf diesen Systemen angenehmer machen.

Tipp: „/etc/apt/sources.list“: Was steckt drin?

Die Datei /etc/apt/sources.list ist der Dreh- und Angelpunkt des Paketmanagements unter Ubuntu und anderen Debian-basierten Distributionen. Hier stehen die so genannten Repositorys, die Paketquellen, aus denen die Distribution neue Software bezieht. Als Quellen sind entweder lokale Datenträger (CDs/DVDs, Verzeichnisse auf dem eigenen Rechner) oder Internetadressen (HTTP- und FTP-Server) erlaubt. Jeder Eintrag für eine Quelle steht in einer eigenen Zeile.

Die Reihenfolge, in der die Repositorys aufgelistet sind, spielt durchaus eine Rolle: Paketmanager, wie Synaptic, KPackgeKit und auch die Kommadozeilentools APT und Aptitude, arbeiten die Liste von oben nach unten ab. Dabei überprüfen die Programme, welche Versionsnummer die gesuchte Software trägt und wählen dann die Quelle mit der aktuellsten Fassung aus.

Lokale Quellen wie CDs und DVDs (oder auch ein eigener Mirror) sollten daher ganz oben in /etc/apt/sources.list stehen. Auf diese Weise installiert der Paketmanager in der Voreinstellung aus dieser Quelle (und schont damit Ihre Bandbreite) und weicht nur dann auf ein Repository im Internet aus, wenn dort eine neuere Version des Pakets liegt. Das Listing „sources.list“ für Maverick Meerkat zeigt eine Beispielkonfigurationsdatei mit Einträgen für eine CD (auf dem Testrechner haben wir damals die Alphaversion der Distribution eingesetzt) und drei Servern im Internet.

Listing 1

„sources.list“ für Maverick Meerkat

deb cdrom:[Ubuntu-Netbook 10.10 _Maverick Meerkat_ - Alpha i386 (20100803.1)]/ maverick main restricted
deb http://de.archive.ubuntu.com/ubuntu/ maverick main restricted universe multiverse
deb http://de.archive.ubuntu.com/ubuntu/ maverick-updates main restricted universe multiverse
deb http://security.ubuntu.com/ubuntu maverick-security main restricted universe multiverse

Tipp: Format der Einträge in „sources.list“

Wie Listing 1 zeigt, folgen die einzelnen Einträge für die Repositorys einem festen Schema und haben den folgenden Aufbau:

Typ URI Distribution [Komponente1] [Komponente2...]

Im ersten Feld Typ steht entweder deb (Binärpakete) oder deb-src (Quellcodepakete, benötigt man, um selbst Pakete zu bauen oder Programme zu kompilieren). Danach folgt ein Eintrag für den so genannten URI. Die Abkürzung steht für Uniform Resource Identifier – der URI gibt das Basisverzeichnis der Distribution an. Listing 1 zeigt ein Beispiel für zwei HTTP-Server (http://de.archive.ubuntu.com und http://security.ubuntu.com/) und für eine CD (cdrom:[Ubuntu-Netbook …). Alternativ sind die folgenden URI-Typen erlaubt: ftp (FTP-Server), file (lokales oder ein über das Netzwerk eingebundenes Verzeichnis) oder copy (genau wie file für lokale Quelle, Pakete landen aber vor der Installation im Zwischenspeicher /var/cache/apt/archives).

Das Feld Distribution gibt die verwendete Ubuntu-Version an und teilt darüber hinaus in einzelne Archive auf:

  • maverick: Das Hauptarchiv der Distribution; einmal veröffentlicht, ändern die Entwickler nichts mehr an den hier liegenden Paketen. Sie fügen keine neuen hinzu, aktualisieren keine und entfernen auch keine Komponenten. Sicherheitsaktualisierungen und Fehlerkorrekturen haben eigene Archive.
  • maverick-updates: Das ist das Archiv für aktualisierte Pakete. Hier landen nur fehlerbereinigte Pakete – allerdings sind die behobenen Fehler nicht gravierend oder gar sicherheitsrelevant. Eine Installation dieser Pakete ist nicht zwingend erforderlich, schadet allerdings auch nicht.
  • maverick-security: Dieses Archiv enthält die Sicherheitsaktualisierungen. Hier befinden sich Pakete, bei denen die Entwickler gravierende Fehler und Sicherheitslücken korrigiert haben – es sind keine Pakete mit neuen Features und Funktionen. Dieses Archiv sollten Sie zusätzlich zum Hauptarchiv in jedem Fall eintragen, um Ihr System sicher zu halten.
  • maverick-backports: Hier landen aktualisierte Programmversionen, die aus der kommenden Ubuntu-Version stammen, also zurückportiert wurden. Am besten installieren Sie nur einzelne Komponenten aus dieser Quelle, und zwar Pakete, bei denen Sie wirklich eine aktuellere Version benötigen. Bei Ubuntus halbjährlichem Release-Zyklus müssen Sie sowieso nicht lange auf neue Versionen warten, und die Pakete im Hauptarchiv sind in der Regel besser getestet.

Als Letztes folgen optionale Komponenten, welche die Bereiche der Distribution genauer definieren. Einzelne Angaben schreiben Sie einfach durch Leerzeichen getrennt hintereinander. Erlaubt sind hier Einträge für

  • main (Pakete entsprechen den Ubuntu-Lizenzanforderungen und erhalten technische Unterstützung und rechtzeitige Sicherheitspatches),
  • restricted (Software steht nicht unter einer geeigneten freien Lizenz und kann daher nicht in main landen, Ubuntu unterstützt und pflegt sie aber dennoch),
  • universe (zahlreiche freie Programme, die aber unabhängig von ihrer Lizenz keine offizielle Unterstützung haben) und
  • multiverse (Software ohne Unterstützung vom Ubuntu-Team, die außerdem lizenzrechtlichen Einschränkungen unterliegt).

Tipp: Um einzelne Quellen temporär abzuschalten, müssen Sie die entsprechende Zeile nicht entfernen. Stellen Sie einfach ein Rautezeichen (#) an den Zeilenanfang, um den Eintrag auszukommentieren und damit auf den Status „inaktiv“ zu schalten.

Tipp: „sources.list“ per Webinterface erstellen

Bevor Sie die Paketquellendatei verändern, empfiehlt sich immer ein Backup des Originals. Geht dieses verloren und haben Sie die Datei /etc/apt/sources.list so verändert, dass das Paketmanagement nicht mehr funktioniert, können Sie natürlich auf den Webseiten des Ubuntu-Teams nachschauen, eine Suchmaschine anwerfen oder Ähnliches. Eine Alternative bietet ein Online-Generator für diese Datei [1].

In dem Ubuntu Sources List Generator wählen Sie im ersten Drop-down-Menü Ihr Land aus (Select your country), danach die verwendete Ubuntu-Distribution (Select your release). Praktisch: Hinter den einzelnen Versionen steht jeweils, wie lange sie noch unterstützt werden (Abbildung 1). Danach klicken Sie im Bereich Ubuntu Branches die benötigten Komponenten an, zum Beispiel main, restricted usw. Setzen Sie außerdem Häkchen bei den gewünschten Ubuntu Updates. Es folgt eine lange Liste von Partner-Repositorys, Drittanbietern und inoffiziellen Quellen, die nicht zur offiziellen Distribution gehören. Experimentierfreudige Benutzer mit einem Testsystem finden hier allerhand Interessantes – für Produktivsysteme sind die Quellen jedoch mit Vorsicht zu genießen. Blättern Sie ganz ans Ende der Seite und klicken Sie abschließend auf Generate List, um die Datei sources.list zu erstellen. Die kopieren Sie dann in das Verzeichnis /etc/apt/, wofür Sie Root-Rechte benötigen – verwenden Sie z. B. das Kommando

$ sudo cp /tmp/sources.list /etc/apt/

falls Sie die Datei im Ordner /tmp/ gespeichert haben.

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