Aus EasyLinux 01/2011

Software-News (Seite 2)

Als erstes sticht die in weiten Teilen neu gefasste Optik von Firefox 4 ins Auge. Unverkennbar schauten sich die Programmmierer dabei das eine oder andere Detail beim Konkurrenten Google Chrome ab: So verschwand beispielsweise die sperrige Menüleiste, übr die Sie bisher einen großen Teil der Einstellungen erreichten. An ihre Stelle trat ein Konfigurationsmenü, das Sie per Klick auf einen Button links oben im Firefox-Hauptfenster auf den Bildschirm holen. Chrome funktioniert ganz ähnlich; auch hier erreichen Sie das Hauptmenü per Button. Durch das Verbannen der Menüleiste wirkt der neue Mozilla-Browser 4 deutlich aufgeräumter.

Das Firefox-Hauptfenster zeigt in der Standard-Konfiguration lediglich die Adressleiste, das Suchmaschinen-Feld, Buttons für Vor- und Zurückspringen sowie einen Home– und Lesezeichen-Button. Optional blenden Sie die Contributor-Toolbar ein, die Icons und Lesezeichen von Drittherstellern enthält. Ein Rechtsklick mit der Maus im Bereich um die Adressleiste herum öffnet die Funktion. Hier versteckt sich auch der Schalter, um Tabs über oder unter der Adressleiste anzuzeigen (Abbildung 1). In der Standardeinstellung steht diese darüber – ein weiterer Wink in Richtung Google Chrome. Wer das Look & Feel von Firefox 3 bevorzugt, verschiebt die Tabulatoren per Mausklick wieder unter die Menüleiste.

Abbildung 1: Firefox 4.0 erlaubt es, die Tabs oberhalb der Adressleiste zu positionieren.
Abbildung 1: Firefox 4.0 erlaubt es, die Tabs oberhalb der Adressleiste zu positionieren.

Tabs

Die Entwickler spendierten den Tabs eine Gruppierungsfunktion. Konkret bedeutet das, dass Sie Ihre Tabs manuell nach eigenen Kategorien sortieren und auf einer Art virtuellen „Schreibtisch“ in Firefox verwalten. Die Funktion erreichen Sie über das Symbol Tabs gruppieren ganz rechts von der Adresszeile. Wenn Sie Tab-Gruppen verwenden, zeigt Firefox nur die Tabs im Hauptfenster an, die zur jeweiligen Gruppe gehören. Auf dem Desktop für Tabulatoren erstellen Sie durch das Aufziehen eines Vierecks mit dem Mauszeiger eine neue Gruppe, der Sie einzelne Fenster zuweisen. Durch unterschiedliche Größen der Bereiche erzeugen Sie eine optische Priorisierung („groß“ = „wichtig“, „klein“ = „weniger wichtig“).

HTML 5

Obwohl er bisher kaum in Browsern zum Einsatz kam, bietet HTML 5 sehr viele Vorteile gegenüber der Vorgängerversion: Er ist auf das Verwenden moderner Medien, etwa Filme oder Musik ausgelegt und kennt sogar sein eigenes Standard-Videoformat. Spreizkonstruktionen wie Flash-Videos, die lediglich ein echtes Video in einem einem Video-Player einbetten, dürften dank HTML 5 bald der Vergangenheit angehören. Firefox 4 bringt Bewegung in die HTML-5-Verbreitung, denn der Browser unterstützt den Standard vollständig – inklusive des HTML-5-Video-Formats WebM. Auf Basis von HTML 5 implementiert Firefox 4 auch die Programmierschnittstelle WebGL. Sie ermöglicht es Webseiten, direkt im Browser 3D-Grafiken darzustellen. Zusätzlich zu HTML 5 unterstützt Firefox auch CSS 3 und bietet so Webdesignern neue Möglichkeiten beim Gestalten von Webseiten.

HTML 5 enthält auch im Hinblick auf Formulare (beispielsweise das typische Adressformular bei Internet-Bestellungen) wichtige Neuerungen. Sie macht es Webentwicklern wesentlich einfacher, Formulare zu programmieren. Sie profitieren daran vor allem, weil Formulare für Sie „intelligenter“ erscheinen: Gleich benannte Felder versieht der Browser auf Wunsch über verschiedene Websites hinweg mit den selben Daten. Zwar fehlt Firefox 4.0 in der RC-Version noch die entsprechende Funktion, allerdings dürfte es nicht mehr lange dauern, bis die Entwickler sie integrieren.

Synchronisieren

Firefox 4 bringt ein kleines Werkzeug mit, mit dem Sie Lesezeichen, die Browser-History und sogar Informationen über offene Tabs zentral auf einem Mozilla-Server namens Firefox Sync speichern. Richten Sie den Abgleich auf zwei Rechnern ein, gestattet es Ihnen die Synchronisation, beide Browser auf dem gleichen Zustand zu halten und deren Zustand, beispielsweise nach einer Neuinstallation wiederherzustellen. Der Dienst lehnt sich in Idee wie Umsetzung offensichtlich wieder an Google an, denn Chromium enthält in der aktuellen Version eine ähnliche Funktion.

Ein neuer Add-On-Manager

Mit Plug-ins erweitern Sie den Browser nach Ihren Vorstellungen. Um der Masse der Zusatzapplikationen Herr zu werden spendierten die Firefox-Entwickler der Version 4.0 einen neuen Add-On-Manager (Abbildung 2). Der öffnet sich nun nicht mehr als Mini-Fenster, das beinahe wie ein Fremdkörper wirkt, sondern als eigener Tab mit Abschnitten für verschiedene Bereiche, unter anderem Aussehen, Funktionen sowie Plug-ins. Ein Klick auf Add-ons suchen führt in einen Add-on-Store, aus dem heraus Sie die gewünschten Zusatzfunktionen per Mausklick installieren.

Abbildung 2: Der neue Add-on-Manager von Firefox wirkt nicht nur optisch deutlich ansprechender als der alte, sondern bringt auch neue Funktionen mit.
Abbildung 2: Der neue Add-on-Manager von Firefox wirkt nicht nur optisch deutlich ansprechender als der alte, sondern bringt auch neue Funktionen mit.

Kleinvieh

Als weitere Änderungen zur Vorgängerversion enthält Firefox 4 das Audio-Framework, das den HTML5-Audio-Befehl für Firefox implementiert. Das ermöglicht es Webdesignern, Geräusche und Musik dynamisch als gestaltendes Element einzusetzen, ohne beispielsweise auf Flash oder zurückzugreifen. Auch in Sachen Privatsphäre legten die Entwickler nach: Der Browser schützt seine Nutzer noch besser vor Phishing-Angriffen, als die Vorgängerversion. Um die Stabilität zu erhöhen schufen die Entwickler eine Funktion, die den Crash von Firefox verhindert, wenn Add-ons für Adobes Flash, Apples QuickTime oder auch für Microsofts Silverlight abstürzen. Firefox zeigt dann eine Fehlermeldung die zum Reload der Seite auffordert, und startet das Add-on neu. Zu guterletzt wartet Firefox mit nativem SVG-Support auf: Skalierbare Vektorgrafiken zeigt er in Zukunft ohne Umwege direkt an.

Tempo, tempo

Wie wirken sich die genannten Neuerungen auf die Performance aus? Kritiker mäklen seit langem an, dass aus dem einst schlanken Firefox-Kern ein aufgeblähter Haufen Code wurde, dessen Spezialität vor allem darin liegt, möglichst viel Arbeitsspeicher und CPU-Leistung zu benutzen. Wer glaubt, dass Firefox in der neuen Version diese Tradition fortsetzt täuscht sich – zumindest nach den Worten der Firefox-Entwicklern: Die wollen nämlich bei Benchmarks Performance-Verbesserungen von bis zu 500 Prozent gemessen haben. Ganz so extrem fällt der Unterschied im Alltag nicht aus, allerdings wirkt Version 4 tatsächlich schneller, als der Vorgänger. Das macht sich besonders bei alltäglichen Aufgaben wie dem Öffnen eines neuen Tabulators oder einer Seite bemerkbar. Darüber hinaus benötigt der neue Firefox auf dem Testsystem wesentlich weniger Hauptspeicher als der Vorgänger.

Das meint die Redaktion

Firefox 4 bringt elementare Verbesserungen hinsichtlich diverser Funktionen sowie in der Performance mit. Durch die Kombination interessanter Features des Google-Browsers – insbesondere der nutzerfreundlichen Oberfläche – mit den Stärken von Firefox entstand ein wirklich guter Browser, der sogar bei der Performance überzeugt.

In diesem Test kam eine Vorserienversion von Firefox zum Einsatz, die sich aber als sehr stabil erwies.

EasyLinux 01/2011 KAUFEN
EINZELNE AUSGABE Print-Ausgaben Digitale Ausgaben
ABONNEMENTS Print-Abos Digitales Abo
TABLET & SMARTPHONE APPS
Deutschland

Hinterlasse einen Kommentar

  E-Mail Benachrichtigung  
Benachrichtige mich zu: