Aus EasyLinux 01/2011

LXDE und XFCE: Desktop-Alternativen (Seite 4)

LXDEs Dateimanager

PCManFM heißt der Dateimanager von LXDE (Abbildung 7). Der Name ist etwas sperrig und bezieht sich auf den Autor des Programms: PCMan ist der in Chats und Foren benutzte Nickname von Hong Jen Yee. Die Arbeiten am Dateimanager bildeten den Auftakt der LXDE-Entwicklung – die erste Komponente der Desktop-Umgebung war ihr Dateimanager. Seit 2006 hat Hong PCManFM um viele praktische Features erweitert – im direkten Vergleich mit XFCEs Thunar muss letzterer die Segel streichen. PCManFM zeigt bei Bedarf Vorschaubilder an und bietet Tabs für die Arbeit mit mehreren Ordnern. Windows-Umsteiger können ihn sehr gut an die Eigenschaften des Explorers anpassen. Zudem beherrscht er das virtuelle Filesystem gVFS des Gnome-Projekts, das die Grundlage für viele sehr praktische Gimmicks ist. Und obwohl PCManFM wesentlich mehr kann als Thunar, ist er trotzdem noch schneller. Dass er Nautilus und Dolphin ausbootet, versteht sich von selbst. Unter den Dateimanagern ist PCManFM mithin das Non-Plus-Ultra.

Abbildung 7: LXDEs Dateimanager PCManFM ist schnell und doch komfortabel, bietet z. B. die aus Webbrowsern bekannten Reiter für die gleichzeitige Arbeit mit mehreren Verzeichnissen.
Abbildung 7: LXDEs Dateimanager PCManFM ist schnell und doch komfortabel, bietet z. B. die aus Webbrowsern bekannten Reiter für die gleichzeitige Arbeit mit mehreren Verzeichnissen.

Was bietet LXDE noch?

Ein eigenes Icon-Theme gehört zum Lieferumfang: Es hält die Optik des Desktops einheitlich. Auch einen eigenen Texteditor bringt der Desktop mit. Das schon erwähnte „Mousepad“ von XFCE war ursprünglich übrigens ein Fork von LXDEs Leafpad. Inzwischen haben die Entwickler sowohl Mousepad als auch Leafpad komplett neu geschrieben, und sie bieten nun fast identische Features. Ähnliches gilt übrigens auch für das LXDE-Terminal, das ein Fork von XFCEs Terminal ist.

LXDE hat auch in Sachen Multimedia einiges zu bieten. LXine ist eine an den LXDE-Desktop angepasste Oberfläche für die Xine-Videobibliothek, mit der Sie Audio- und Videodateien wiedergeben können. Eine offiziell veröffentlichte Version von LXine gibt es zwar noch nicht, die Distributionen bringen aber schon passende Pakete mit. Der MP3-Player LXMusic ist zusätzlich als Frontend für XMMS 2 verfügbar. XMMS könnte langjährigen Linux-Benutzern noch ein Begriff sein: Es handelt sich um einen Linux-Klon von Winamp, der lange Zeit in der Versenkung verschwunden war. XMMS 2 ist eine völlige Neuentwicklung, die nur wenige Systemressourcen benötigt und trotzdem eine vollständige Jukebox bietet.

Ein paar kleinere Zusatzprogramme wie ein grafisches Archivierungstool geben dem LXDE-Desktop schließlich den letzten Schliff. Ein eigener Display-Manager, der LXDE oder andere Desktop-Umgebungen starten kann und Sie nach dem Systemstart begrüßt, ist auch mit an Bord.

XFCE und LXDE

Beide Desktop verfolgen sehr ähnliche Ziele. Es hat aber den Anschein, als geschehe dies bei LXDE noch etwas zielstrebiger. Dass zwischen den beiden Desktop-Umgebungen viele Ähnlichkeiten bestehen, belegen die vielen Querverbindungen – manche LXDE-Applikation war mal ein XFCE-Tool und umgekehrt.

Sollten Sie LXDE ausprobieren wollen – als Alternative zu KDE und Gnome auf Ihrer Workstation oder als „letzte Chance“ für ältere Hardware –, ist das mit allen üblichen Linux-Distributionen möglich. Ubuntu gibt es unter dem Namen Lubuntu auch als LXDE-Version [6], und bei den übrigen Linux-Distributionen gehört LXDE zumindest zum Paketumfang und lässt sich per Mausklick im Paketmanager schnell installieren.

Beide vorgestellten Desktop-Umgebungen wussten im Test durch sehr hohes Arbeitstempo zu überzeugen; wenn Sie ein paar Stunden lang mit LXDE oder XFCE arbeiten und danach wieder auf KDE oder Gnome zurück wechseln, wird Ihnen manche Wartezeit wie eine halbe Ewigkeit vorkommen. Weil die Programme sehr schonend mit den Ressourcen des Rechners umgehen, profitieren vor allem Besitzer älterer Rechner von den Alternativen zu den großen Projekten.

Die andere Seite der Medaille ist, dass spektakuläre grafische Effekte, wie man sie von KDE kennt, mit XFCE und LXDE nicht zu haben sind. Wenn Sie auf diese Effekte verzichten können, lohnt sich ein Blick über den Tellerrand.

Glossar

Fork

Als Fork bezeichnet man in der Softwarewelt das Kopieren der Entwicklungsdateien eines Programmes, um diese unabhängig von den Autoren des Programms weiterentwickeln zu können.

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1 Kommentar auf "LXDE und XFCE: Desktop-Alternativen"

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Hey also ich kann mich mit Gnome 3 nicht anfreunden.

Wer so wie ich lieber eine schlanke, produktive Oberfläche sucht, hat mit XFCE vielleicht mehr Glück.

Hier eine kleine Anleitung um Gnome gegen XFCE unter Debian zu tauschen:

http://www.webstimme.de/2011/11/12/debian-gnulinux-alternative-zu-gnome-3-xfce-unter-debian-installieren/

Bis denn,

Euer Michael