Aus EasyLinux 01/2011

Kubuntu auf die Platte (Seite 2)

Für fortgeschrittene Benutzer interessant sind die Möglichkeiten, über [F4] einen Server und ein Befehlszeilensystem zu installieren bzw. eine OEM-Installation für den Vertrieb. Der Druck auf [F5] fördert einige Optionen zur Barrierefreiheit zu Tage: Eine Bildschirmlupe und Tastaturmodifikationen helfen bei körperlichen Schwierigkeiten mit der Installation.

Schlägt eine Installation fehl, besteht auch immer ein Weg darin, über [F6] verschiedene Kerneloptionen einzusetzen. Diese wählen Sie mit Hilfe der Leertaste aus. Verwenden Sie zum Beispiel nomodeset, wenn Kubuntus Desktop nicht erscheint oder Grafikfehler auftreten. Die Option noacpi hilft mitunter, wenn der Rechner unregelmäßig abstürzt. Das kann ein Fehler in der Energieverwaltung bewirken, die Sie über noacpi oder acpi=off deaktivieren. Über [F6] erreichen Sie zudem eine Option, dank der Kubuntu ausschließlich freie Software installiert, was sicherlich für Vertreter der reinen Lehre interessant ist, die auf Flash und andere proprietäre Programme verzichten können und wollen.

Mehr zu weiteren möglichen Optionen, lernen Sie, indem Sie [F1] und dann [F6] bzw. [F8] drücken. Um Kubuntu mit einer dieser Optionen zu booten, geben Sie den jeweiligen Befehl am Ende der weißen Bootzeile ein, die Sie im unteren Bereich des Bootmenüs sehen, zum Beispiel fb=false.

Folgen Sie dem Installer

In den meisten Fällen wählen Sie – wie weiter oben erwähnt – die Option Start Kubuntu, landen beim Schirm aus Abbildung 3 und ändern hier zunächst die Sprache, indem Sie in dem mit English beschrifteten Reiter den Eintrag Deutsch wählen. Dann testen oder installieren Sie Kubuntu. Im zweiten Fall landen Sie zunächst im Register Vorbereiten (Abbildung 5). Hier prüfen Sie, ob der anvisierte Plattenplatz genügt und setzen gegebenenfalls ein Häkchen bei Drittanbieter-Software installieren, wenn Sie nach der Installation Filme, MP3-Dateien und Flash-Animationen abspielen wollen. Die meisten kommerziellen DVDs lassen sich dann aber noch nicht abspielen. Hierzu müssten Sie die in Deutschland verbotene Bibliothek libdvdcss2 installieren oder einen offiziellen Software-DVD-Player wie LinDVD oder den Fluendo-Player kaufen.

Abbildung 5: Neuerdings lassen sich die grundlegenden Multimedia-Codecs bereits während der Installation auf den Rechner spielen. Das Herunterladen der Updates funktioniert hingegen nicht.
Abbildung 5: Neuerdings lassen sich die grundlegenden Multimedia-Codecs bereits während der Installation auf den Rechner spielen. Das Herunterladen der Updates funktioniert hingegen nicht.

Das Häkchen bei Aktualisierungen während der Installation herunterladen müssen Sie nicht setzen – dieses Feature funktioniert momentan noch nicht. Starten Sie einfach nach der Installation von Kubuntu eine reguläre Systemaktualisierung. Über Vor gelangen Sie zum nächsten Fenster, das den wichtigsten Teil ins Visier nimmt: die Partitionierung (Abbildung 6).

Abbildung 6: Findet Kubuntu bereits andere Systeme auf der Festplatte vor, versucht es, ein wenig Platz von diesen abzuknapsen.
Abbildung 6: Findet Kubuntu bereits andere Systeme auf der Festplatte vor, versucht es, ein wenig Platz von diesen abzuknapsen.

Teilen und Herrschen

Beim Partitionieren konfrontiert Sie der Installer mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Installieren Sie Kubuntu 10.10 auf einem Rechner ohne Betriebssystem, wählen Sie einfach Löschen und das gesamte Medium verwenden. Es handelt sich um den einfachsten Fall und Sie benötigen keine Vorkenntnisse (sollten den Kasten Adressierung von Festplatten aber dennoch lesen). Wollen Sie parallel zu Kubuntu ein Windows installieren, tun Sie letzteres unbedingt zuerst. Sie ersparen sich nicht nur das Defragmentieren, es ist auch wesentlich aufwändiger, Windows im Nachhinein zu installieren. Kubuntu konfiguriert den Bootloader so, dass er auch einen Eintrag für Windows enthält.

Adressierung von Festplatten

Unter Linux bzw. Kubuntu finden Sie keine Laufwerke C: und D:. Hier folgen die Festplatten und Partitionsbezeichnungen einem anderen Schema. Die erste Festplatte, die Kubuntu erkennt, bezeichnet es gewöhnlich mit /dev/sda. Der Name entspringt dem Geräteverzeichnis, über das Kubuntu die Platte anspricht. Linux behandelt alles wie eine Datei, auch Festplatten. Eine zweite Festplatte – und dabei kann es sich auch um einen USB-Stick oder eine externe Festplatte handeln – bekommt die Bezeichnung /dev/sdb, eine dritte heißt /dev/sdc usw.

Die erste primäre Partition auf der ersten Festplatte heißt dementsprechend /dev/sda1. Kubuntu reserviert Gerätebezeichnungen für vier primäre Partitionen (/dev/sda1 bis /dev/sda4), mehr solcher Partitionen darf es auf einer Festplatte nicht geben. Gewöhnlich installiert sich Windows in die erste primäre Partition (/dev/sda1), während Kubuntu logische Partitionen verwendet (hier beginnt die Zählung mit /dev/sda5), die sich innerhalb einer erweiterten Partition befinden (Abbildung 7).

Die Gerätedateien im Verzeichnis /dev hängt Kubuntu dann in sein Wurzelverzeichnis ein, was man „mounten“ nennt. Handelt es sich bei /dev/sda7 um das in eine Partition ausgelagerte Home-Verzeichnis, mountet Kubuntu es beim Systemstart nach /home, wobei man /home dann als Mount Point oder Einhängepunkt bezeichnet. Sie erreichen die so eingehängte Partition ganz normal über den Dateimanager, eben wie ein gewöhnliches Verzeichnis. Externe Festplatten, USB-Sticks und Geräte mit Massenspeicherkarten wie Kameras und MP3-Player platziert Kubuntu gewöhnlich im Verzeichnis /media.

Abbildung 7: Windows sollten Sie immer zuerst und in die erste primäre Partition installieren. Spielen Sie erst dann Kubuntu auf die Festplatte. Es legt automatisch einen Booteintrag für beide Systeme an.
Abbildung 7: Windows sollten Sie immer zuerst und in die erste primäre Partition installieren. Spielen Sie erst dann Kubuntu auf die Festplatte. Es legt automatisch einen Booteintrag für beide Systeme an.

Um Kubuntu auf einen Rechner zu spielen, auf dem bereits ein Windows XP/Vista/7 läuft, benutzen Sie die Option Neben anderen Betriebssystemen installieren. Nimmt Windows diese Festplatte komplett ein (was meist der Fall ist), stellen Sie über einen Schieberegler ein, wie viel freien Platz Kubuntu von der Windows-Partition abzweigt. Kubuntu verwandelt diesen Platz dann in eine eigene Partition und installiert sich in diese. Sichern Sie im Vorfeld die wichtigsten Daten der Windows-Partition. Bei einer Installation kann theoretisch immer etwas schief gehen und Anwender sind oft überfordert, wenn plötzlich der Bootloader weg ist. Zudem müssen Sie Windows im Vorfeld defragmentieren, wie es der Kasten Windows vorbereiten erklärt. Haben Sie das bereits getan, sind keine weiteren Einstellungen nötig. Sie klicken einfach auf Jetzt installieren.

Läuft auf Ihrem Rechner bereits ein anderes Linux, versucht der Installer ebenfalls, ein Stück Platz von der zuletzt angelegten Partition abzuknapsen. Das vorhandene Linux müssen Sie nicht fragmentieren, weil sich die Dateisysteme selbst um die Defragmentierung kümmern. Der Installer zeigt Ihnen dann an, in welche Partition er das neue Kubuntu installiert. Leider erscheinen vorhandene Partitionen nicht mit den Namen der Betriebssysteme, was gerade auf Systemen helfen würde, die mehrere Linux- und Windows-Varianten parallel verwenden.

Windows vorbereiten

Der freie Platz auf einer Windows-Festplatte ist oft nicht wirklich frei. Windows speichert Daten einfach irgendwo auf der Festplatte. Sie defragmentieren diese, um die verteilten Daten möglichst in einem Block anzuordnen, denn dann ist der freie Speicherplatz wirklich frei.

Verwenden Sie eine leere zweite Festplatte, wählen Sie diese im Aufklappmenü des Installers aus (unterhalb von Partitionen manuell festlegen). Gewöhnlich bezeichnet Kubuntu diese Festplatte als /dev/sdb.

Handarbeit

Nutzen Sie ein Windows und haben daneben noch freien, unformatierten Platz auf der ersten Festplatte, schlägt Kubuntu nicht etwa vor, sich in diesen zu installieren. Vielmehr können Sie Kubuntu nur auf die gesamte Festplatte installieren und dabei Windows löschen (Abbildung 8). In diesem Fall müssen Sie selbst Hand anlegen.

Abbildung 8: Zwar gibt es 110 GByte freien Platz, aber Kubuntu ziert sich, diesen zu benutzen. Lieber will es die ganze Platte für sich. Hier hilft nur Handarbeit.
Abbildung 8: Zwar gibt es 110 GByte freien Platz, aber Kubuntu ziert sich, diesen zu benutzen. Lieber will es die ganze Platte für sich. Hier hilft nur Handarbeit.

In solchen Situationen und bei komplizierteren Kombinationen ergibt es generell Sinn, sich für die Option Partitionen manuell festlegen zu entscheiden. Nicht unüblich ist es, zuerst eine logische Partition für den SWAP-Bereich anzulegen, die etwa doppelt so viel Platz erhält, wie Arbeitsspeicher in Ihrem Computer steckt – bei 2 GByte RAM also 4 GByte SWAP. Für die Partition mit dem Dateisystem (Ext4-Formatierung) sollten Sie zwischen 10 und 20 GByte veranschlagen. Diese enthält die installierten Programme und die systemweiten Konfigurations- und Log-Dateien (unter /etc bzw. /var). Eine dritte Partition – die Größte – sollte das Home-Verzeichnis enthalten, in dem sich alle Ihre persönlichen Dateien und die Konfigurationsdateien für den Desktop befinden (Abbildung 9). Auf diese Weise installieren Sie ein neues Kubuntu in die Partition mit dem Dateisystem, ohne die Dateien im Home-Verzeichnis zu gefährden, da diese sich auf einer separaten Partition befinden. Und so legen Sie mit Hilfe des Installers eine Partition an:

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