Aus EasyLinux 01/2011

Kniffe, die Sie kennen sollten

© LNM AG

Linux-Tipps

Auf den nächsten vier Seiten erfahren Sie, wie Sie Windows-Festplatten permanent einhängen, virtuelle Maschinen restlos entfernen, Firefox resistent gegen Skripte machen und verschiedene Signaturen in Thunderbird verwenden.

Tipp: X-Server neu starten

Erleidet die grafische Oberfläche von Linux eine Bewegungsstarre und tut sich auf dem Desktop nichts mehr, half traditionell die Tastenkombination [Strg]+[Alt]+[Entf] dabei, den X-Server neu zu starten. Das wurde jedoch von den Kernel-Entwicklern geändert, um versehentliche Abschüsse desselben einzuschränken. Nun gibt es eine neue Kombination, die denselben Zweck erfüllt: [Alt]+[Druck]+[K]. Diese ist zwar weniger einprägsam als die alte Kombination, erledigt die Aufgabe aber auch.

Tipp: Rechner schnell ausschalten

Den Ausschaltknopf erreichen Sie unter Kubuntu und OpenSuse unter anderem über das Startmenü – es gibt aber noch einen eleganteren Weg, um die Icons zu erreichen, über die Sie sich vom Rechner abmelden und diesen abschalten bzw. neu starten. Drücken Sie kurz den physikalischen Ein- und Ausschaltknopf Ihres Rechners, erscheint das erwähnte Menü sofort auf dem Bildschirm (Abbildung 1). Der KDE-Desktop lässt Ihnen dann 30 Sekunden Zeit, um eine Wahl zu treffen. Versäumen Sie das, meldet der Rechner Sie automatisch vom Desktop ab.

Abbildung 1: Der Ausschaltknopf am Rechner bringt Sie schnell ins Menü, über das Sie Ihre Arbeitssitzung beenden oder den Rechner herunterfahren.
Abbildung 1: Der Ausschaltknopf am Rechner bringt Sie schnell ins Menü, über das Sie Ihre Arbeitssitzung beenden oder den Rechner herunterfahren.

Tipp: Windows-Partition einhängen

Falls Sie OpenSuse oder Kubuntu parallel mit einem Windows auf dem Rechner verwenden, greifen Sie recht einfach auf die Daten der Windows-Partition zu. Das setzt voraus, dass Sie diese nicht mit Bitkeeper verschlüsseln.

Nach dem Booten von OpenSuse oder Kubuntu rufen Sie einfach den Dateimanager Konqueror auf. Der listet im Normalfall auf der linken Seite die mit Windows besiedelte Plattenpartition auf. Ein einfacher Klick auf den Eintrag und die Eingabe des Benutzerpassworts genügen, um die Partition in das Dateisystem einzuhängen – gewöhnlich in das Verzeichnis /media. Im Ordner Users finden Sie dann Ihre Benutzerdaten, fügen neue Dateien hinzu und kopieren alte auf Ihren Linux-Rechner.

Um die Windows-Partition dauerhaft und automatisch einzubinden, nehmen Sie einen operativen Eingriff in der Datei /etc/fstab vor. Dazu brauchen Sie die UUID der Festplatte. Gewöhnlich befindet sich Windows auf der ersten Festplatte.

  1. Identifizieren Sie die UUID der Windows-Partition und das von ihr verwendete Dateisystem, indem Sie zunächst [Alt]+[F2] und konsole eingeben, um eine Konsole zu öffnen.
  2. Befindet sich Windows in der ersten Partition der Festplatte, heißt die passende Gerätebezeichnung unter Linux /dev/sda1. Um die UUID zu ermitteln, geben Sie nun unter Kubuntu sudo blkid /dev/sda1 ein (Abbildung 2) und unter OpenSuse 11.2/11.3 sudo /sbin/blkid /dev/sda1. Sie kopieren dann die lange Zahl innerhalb der Anführungszeichen über [Strg]+[C] oder Bearbeiten / Kopieren.

    Abbildung 2: Geben Sie den Befehl "blkid" ein, um die UUID einer Festplatte oder Partition zu erfahren. Diese lassen sich anhand der recht langen Zahlen eindeutig identifizieren.
    Abbildung 2: Geben Sie den Befehl „blkid“ ein, um die UUID einer Festplatte oder Partition zu erfahren. Diese lassen sich anhand der recht langen Zahlen eindeutig identifizieren.
  3. Drücken Sie nun [Alt]+[F2] und geben Sie kdesu kate ein, um KDEs Editor mit Root-Rechten aufzurufen.
  4. Öffnen Sie im Editor die Datei /etc/fstab (Abbildung 3) und tragen Sie die folgende Zeile ein

    UUID=uuid  /media/disk  ntfs  rw,auto,users,nls=utf8,umask=007,gid=46  0  0
    
    Abbildung 3: Um die Windows-Partition nicht bei jedem Hochfahren erneut per Hand zu mounten, hilft ein Eintrag in der Datei "/etc/fstab". OpenSuse macht das übrigens automatisch, wenn es ein installiertes Windows entdeckt.
    Abbildung 3: Um die Windows-Partition nicht bei jedem Hochfahren erneut per Hand zu mounten, hilft ein Eintrag in der Datei „/etc/fstab“. OpenSuse macht das übrigens automatisch, wenn es ein installiertes Windows entdeckt.

    wobei Sie uuid durch die ermittelte UUID und /media/disk gegebenenfalls durch einen anderen Einhängepunkt im System ersetzen. Das hier angebenene Verzeichnis muss vorhanden sein.

  5. Für OpenSuse 11.2/11.3 lautet der Eintrag ähnlich:

    /dev/disk/by-uuid/UUID /media/disk  ntfs-3g   users,gid=users,fmask=133,dmask=022,locale=de_DE.UTF-8 0 0
    

    Auch hier muss das Verzeichnis /media/disk existieren, und UUID ersetzen Sie durch die UUID der Partition.

Speichern Sie die Änderungen und schließen Sie Kate. Das System bindet die Windows-Partition beim nächsten Booten automatisch ein. Bei ntfs handelt es sich um das im zweiten Schritt ermittelte Dateisystem, unter OpenSuse weist ntfs-3g auf das Kernel-Kodul hin, das NTFS-Dateisysteme verwaltet. Im Abschnitt am Ende sorgen Sie dafür, dass Linux die Festplatte automatisch (auto) les- und schreibbar einbindet (rw).

Neben dem automatischen Mounten können Sie den Zugriff im laufenden Betrieb auch wieder unterbinden oder erneut erlauben, indem Sie den Befehl umount /media/disk bzw. mount /media/disk eingeben – das klappt auch mit den Rechten normaler Anwender (users) und nicht nur mit Root-Rechten.

Die Zeichenkodierung (für die Darstellung der Dateinamen) setzen Sie auf UTF-8 (Kubuntu: nls=utf8, OpenSuse: locale=de_DE.UTF-8). Über umask=007 (Kubuntu), eine spezielle Option für Windows-Dateisysteme bzw. fmask=133,dmask=022 (OpenSuse), setzen Sie die Zugriffsrechte für die Dateien auf der Partition. Bleibt noch die Option gid=46, mit der Sie die Windows-Dateien der Gruppe plugdev zuordnen, deren Mitglieder auf externe Geräte zugreifen können. OpenSuse schlägt sie hingegen der Gruppe users zu, in der die gewöhnlichen Anwender automatisch landen.

Tipp: Thunderbird 3: Automatische Anrede ändern

Senden Sie mit Thunderbird 3 eine E-Mail, fügt die Software automatisch die Zeile Am Datum Uhrzeit schrieb Adressat: ein, wobei es Datum, Uhrzeit und Adressat durch die passenden Werte ersetzt. Wollen Sie diesen Satz ändern, begeben Sie sich zunächst in die Einstellungen und rufen Sie die Konfiguration von Thunderbird auf. Wählen Sie Bearbeiten / Einstellungen und klicken Sie im Register Erweitert / Allgemein auf den Button Konfiguration bearbeiten. Bestätigen Sie im Browserfenster per Mausklick die Aussage Ich werde vorsichtig sein, versprochen!, landen Sie im Konfigurationseditor. Geben Sie in die Zeile Filter den Begriff mailnews.reply ein, erscheinen die Komponenten, aus denen Thunderbird die Antwort bastelt. Hier ändern Sie einige Parameter. Machen Sie zum Beispiel in der Zeile mailnews.reply_header_authorwrote per Doppelklick aus dem schrieb %s ein Hallo %s. Dann löschen Sie die Werte in den Zeilen mailnews.reply_header_ondate und mailnews.reply_header_separator und verwandeln abschließend das : in der Zeile mailnews.reply_header_colon in ein ,. Antworten Sie nun auf eine E-Mail von Hans Meyer, steht dort Hallo Hans Meyer, und Sie schließen Ihren Antworttext einfach an. Ein Nachteil hat die Methode: Schreiben Sie an mehrere Personen, bezieht sich die Anrede nur auf eine von diesen.

Tipp: Thunderbird: Mehrere Signaturen

Sind Sie im Internet zugleich als Privatperson, als Vorsitzender des Taubernzüchtervereins und als Vorstandsvorsitzender der Vaporware AG unterwegs, möchten Sie das womöglich durch verschiedene Signaturen in Ihren verschickten E-Mails ausdrücken. Die Erweiterung Signature Switch hilft Ihnen, die Signatur nach Bedarf zu wechseln.

EasyLinux 01/2011 KAUFEN
EINZELNE AUSGABE Print-Ausgaben Digitale Ausgaben
ABONNEMENTS Print-Abos Digitales Abo
TABLET & SMARTPHONE APPS
Deutschland

Hinterlasse einen Kommentar

1 Kommentar auf "Kniffe, die Sie kennen sollten"

  E-Mail Benachrichtigung  
Neuste Älteste Beste Bewertung
Benachrichtige mich zu:

Den X-Server startete man traditionell per [Ctrl]+[Alt]+[Backspace] neu…

Grüße,
J