Aus EasyLinux 02/2010

Bangarang – neuer Mediaplayer für KDE

Big Bang

Wer unter KDE Musik hört, benutzt dazu Amarok, für Videos gibt es Kaffeine. Doch wozu zwei Player benutzen, wenn sich mit dem neuen KDE-4-Programme Bangarang beide Aufgaben lösen lassen?

Bangarang [1] ist ein noch relativ junger Mediaplayer. Der Autor des Programms hat es sich zum Ziel gesetzt, einen möglichst einfachen und benutzerfreundlichen Player zu programmieren, der zudem neue, mit KDE 4 eingeführte Technologien nutzt. So arbeitet Bangarang unter anderem mit dem Dateimanager Dolphin zusammen, um Lieder zu bewerten. Da es sich bei Bangarang um ein noch recht junges Projekt handelt, gibt es erst für wenige Distributionen fertige Pakete, die zudem meist von einer älteren Version stammen. Wir mussten aus Kompatibilitätsgründen deshalb auf passende RPM- und DEB-Pakete auf der Heft-DVD verzichten. Bei der Veröffentlichung dieses Hefts sollten zumindest für Ubuntu 10.04 und OpenSuse 11.2 entsprechende Pakete auf Opendesktop.org [2] bereitstehen.

Erster Eindruck

Das Hauptfenster des KDE-Programms gibt sich in einem eleganten Schwarz mit dem grün-gelben Logo und einer leichten Spiegelung. Traditionelle Menüeinträge bringt Bangarang keine mit, die Bedienung erfolgt weitgehend über einen Wechsel zwischen den Medienlisten und der Ansicht Jetzt spielt unten links. Eine wichtige Rolle spielen auch die kaum sichtbaren Pfeile nach unten, wie im Hauptfenster oben rechts zu sehen.

Starten Sie Bangarang unter Gnome oder einer anderen Desktop-Umgebung, zeigt das Programm einen Warnhinweis an: Sie können dann zwar Musikstücke hören oder Filme anschauen, mangels Nepomuk-Backend lassen sich aber keine Stücke bewerten (Abbildung 1) und Sie können auch keine Metainformationen bearbeiten.

Abbildung 1: Bangarang ist eines der ersten Programme, das stark von der KDE-4-Technik Nepomuk Gebrauch macht. Es arbeitet unter anderen Desktop-Umgebungen deshalb nur mit einem beschränkten Funktionsumfang.
Abbildung 1: Bangarang ist eines der ersten Programme, das stark von der KDE-4-Technik Nepomuk Gebrauch macht. Es arbeitet unter anderen Desktop-Umgebungen deshalb nur mit einem beschränkten Funktionsumfang.

So oder so

Hören Sie nur selten Musik oder schauen sich am Computer Videos an, dann benutzen Sie Bangarang am besten aus dem Dateimanager Dolphin heraus. Hier klicken Sie mit der rechten Maustaste auf die gewünschte Datei und wählen Öffnen mit / Bangarang. Alternativ klicken Sie in Bangarang unten links auf den Eintrag Medienlisten und wählen dann über einen Klick auf Audio bzw. Video zunächst den Typ aus, anschließend landen Sie per Dateien und Ordner / Öffne Audiodatei(en) bzw. Öffne Videodatei(en) zum Dateimanager. Bangarang unterstützt auch die Wiedergabe von Audio-CDs und DVD-Filmen. Das Programm legt dazu automatisch zwei passende Einträge in der KDE-Geräteüberwachung an (Abbildung 2).

Abbildung 2: Bangarang nistet sich in die Geräteüberwachung ein und meldet sich, wenn Sie eine Audio-CD oder einen DVD-Film einlegen.
Abbildung 2: Bangarang nistet sich in die Geräteüberwachung ein und meldet sich, wenn Sie eine Audio-CD oder einen DVD-Film einlegen.

Wer über eine größere Musik- oder Filmsammlung verfügt, ruft anstelle des Eintrages Öffne Audiodatei(en) bzw. Öffne Videodatei(en) den passenden Öffne Ordner mit-Eintrag aus. Das KDE-Programm sucht dann automatisch in sämtlichen Unterverzeichnissen nach passenden Dateien und fügt diese der Sammlung hinzu. Diese Funktion entspricht weitgehend der Sammlungseinrichtung unter Amarok oder Rhythmbox. Je nach Umfang der Musiksammlung dauert dieser Vorgang einige Minuten. Bangarang zeigt unten rechts den aktuellen Status an.

Arbeit mit Playlisten

Als Audio- und Videoplayer unterstützt Bangarang auch gemischte Abspiellisten. Um ein Stück zu einer Playlist hinzuzufügen, müssen Sie es markieren. Dazu halten Sie den Mauszeiger über dem gewünschten Eintrag und klicken dann am Ende der Zeile auf den Haken. Bangarang fügt es zur Playliste hinzu und Sie sehen den Song oder den Film nun mit einem grünen Haken markiert (Abbildung 3). Wechseln Sie anschließend in den Es-Spielt-Modus und klicken sie auf den Play-Button.

Abbildung 3: Um ein Stück an die Wiedergabeliste anzuhängen, klicken Sie in der Infospalte auf den Haken.
Abbildung 3: Um ein Stück an die Wiedergabeliste anzuhängen, klicken Sie in der Infospalte auf den Haken.

Ein anderer Weg führt über das komplette Album. Hier markieren Sie den gewünschten Eintrag komplett mit [Strg]+[A] und wählen danach Auswahl abspielen. In diesem Fall wechselt Bangarang automatisch zum Player-Fenster.

Als minimalistischer Player zeigt Bangarang die Abspielliste in der Grundeinstellung nicht an. Möchten Sie wissen, welches Stück oder welcher Film als nächstes an der Reihe ist, wählen Sie im Player-Fenster oben rechts den Eintrag Abspielliste. Hier legen Sie auch fest, ob Bangarang die Playlist wiederholen soll und ob das KDE-Programm die Stücke in zufälliger Reihenfolge abspielen soll (Abbildung 4).

Abbildung 4: Bangarang beim Playback mit der Cover-Ansicht und der Wiedergabeliste (rechts).
Abbildung 4: Bangarang beim Playback mit der Cover-Ansicht und der Wiedergabeliste (rechts).

Gute Zusammenarbeit

Als KDE-Programm nutzt Bangarang zahlreiche Features der KDE Software Compilation. Das fängt bei der Ton- und Bildwiedergabe an, für die die Software das hauseigene Phonon-System benutzt. Als Benutzer müssen Sie somit keine Einstellungen vornehmen, Bangarang kümmert sich selbst darum.

Starten Sie einen Film, schaltet Bangarang den Rechner automatisch in den Präsentationsmodus um. Das verhindert, dass sich ein Bildschirmschoner einschaltet oder das Powermanagement den Monitor abdunkelt.

Die wahre Stärke des Programms und sein Alleinstellungsmerkmal liegt in der Kooperation mit Nepomuk: Der semantische Desktop merkt sich zum Beispiel die Bewertung von Titeln und wie oft ein Stück gespielt wurde. Diese Informationen stehen so nicht nur Bangarang sondern auch anderen KDE-Programmen zur Verfügung. Zum Ausprobieren bewerten Sie zum Beispiel in Dolphin ein Musikstück mit fünf Sternen, starten danach Bangarang und klicken auf Höchst bewertet. Das Stück sollte sich nun hier befinden. Allerdings liest Bangarang diese Informationen nur beim Start und nur für die über Öffne Ordner mit Audiodateien bereits bekannt gemachten Dateien ein. Sie können allerdings Bangarang jederzeit einen weiteren Ordner hinzufüge, den das Programm dann auch auf semantische Metadaten hin untersucht.

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