Aus EasyLinux 02/2009

Lokales Netzwerk aufbauen

© Sapsiwai, Fotolia

Bin ich schon drin?

Wenn Sie über einen Router mit DHCP ins Internet gehen, können Sie im Handumdrehen ein Heimnetzwerk aufbauen. Was aber tun, wenn Sie eine feste IP-Adresse brauchen?

Wie gelangt eine E-Mail, die jemand aus einem brasilianischen Internet-Café abschickt, binnen weniger Minuten auf den Rechner, der in Ihrem Wohnzimmer steht? Wie kommt die Webseite des brasilianischen Internet-Cafés in den Browser Ihres Privatrechners? Es gibt Bücher mit über tausend Seiten, die sich mit Netzwerktechnik beschäftigen. Wir zeigen auf den nächsten Seiten, wie ein einfaches lokales Netzwerk funktioniert und wie Sie es aufbauen.

Öffentliche IP-Adressen

Vereinfacht gesprochen erhält jeder Rechner, den man direkt über das Internet erreicht, eine individuelle Adresse: die öffentliche IP-Adresse (im Gegensatz zur nur indirekt über das Internet erreichbaren, privaten IP-Adresse – doch dazu später mehr). Die öffentliche IP-Adresse eines Servers, der eine Webseite anbietet, finden Sie schnell heraus: Öffnen Sie eine Konsole ([Alt]+[F2] drücken, konsole eingeben und [Eingabe] drücken) und tippen Sie ping www.easylinux.de. Abbildung 1 zeigt das Ergebnis: Die angezeigte Nummer ist die IP-Adresse (kurz: IP) des Rechners, der die EasyLinux-Webseite anbietet. Sie besteht aus vier 8-Bit-Blöcken (jeder Block kann Werte zwischen 0 und 255 annehmen) und es handelt sich genau genommen um eine IPv4-Adresse (siehe Kasten IPv4 vs. IPv6).

Abbildung 1: Über den Ping-Befehl, den es auf jedem Linux-System gibt, finden Sie die IP-Adresse eines Rechners im Netzwerk heraus.
Abbildung 1: Über den Ping-Befehl, den es auf jedem Linux-System gibt, finden Sie die IP-Adresse eines Rechners im Netzwerk heraus.

IPv4 vs. IPv6

Da es weltweit zu wenig IPv4-Adressen gibt („nur“ vier Milliarden), sollen IPv6-Adressen diese zukünftig ersetzen. Die bestehen aus 8 Blöcken zu je 16 Bit und ermöglichen dadurch die Versorgung mit 2^128 Adressen. In der Praxis kommen aber nach wie vor meist IPv4-Adressen zum Einsatz.

Computer nutzen diese IP-Adressen, um erfolgreich miteinander zu kommunizieren. Für Menschen übersetzen so genannte DNS-Server diese Adressen in vollständige Domainnamen wie etwa www.easylinux.de. Die behält das menschliche Gedächtnis besser, denn wer merkt sich schon die 80.237.227.187. Dabei funktionieren die DNS-Server wie Adressbücher: Sie wissen, welcher Provider welche IP-Adressen vergibt. Umgekehrt heißt das: Die Webseite www.easylinux.de erscheint nur im Browser, wenn Ihr Rechner einen DNS-Server kennt, der den Namen in die korrekte IP-Adresse umwandelt.

Apropos Provider: Wenn Sie mit Ihrem privaten Rechner ins Internet gehen, brauchen Sie auch eine öffentliche IP-Adresse. Allerdings gibt es Unterschiede: Rechner, die sich mit Hilfe eines Telefon- oder DSL-Modems ins Internet einwählen, erhalten meist eine öffentliche IP-Adresse. Sie sind direkt über das Internet zu erreichen. Hängt Ihr Rechner hingegen hinter einem Router mit integriertem DHCP-Server – und von diesem Standardfall gehen wir im folgenden aus – erhält der Router die öffentliche IP-Adresse. Die IPs weist der Provider dabei in der Regel dynamisch zu – bei der nächsten Einwahl ändert sich die Adresse.

An die angeschlossenen Rechner verteilt hingegen der Router per DHCP private IP-Adressen (Abbildung 2), die nur in lokalen Netzwerken gelten. Der dafür meist genutzte Adressbereich reicht von 192.168.0.1 bis 192.168.255.254. Die letzten beiden Blöcke dürfen dabei Werte zwischen 0 und 255 (vorletzter Block) bzw. 1 und 254 (letzter Block) annehmen. Der Router selbst fährt doppelgleisig und verfügt neben der öffentlichen auch über eine private IP-Adresse, die Gateway-Adresse. Damit ist er Teil des Internets und zugleich Teil des lokalen Netzwerks (LAN).

Abbildung 2: Der Router verfügt im Heimnetz meist über zwei IP-Adressen: Eine private und eine öffentliche Adresse.
Abbildung 2: Der Router verfügt im Heimnetz meist über zwei IP-Adressen: Eine private und eine öffentliche Adresse.

Lokale Netzwerke

Ein lokales Netzwerk mit einem DHCP-fähigen Router einzurichten, ist einfach, denn er vergibt IP-Adressen automatisch. Es genügt unter OpenSuse 11.1, Kubuntu 8.10 und Mandriva Linux also, die Rechner per Netzwerkkabel an den Router zu stöpseln, und nach dem Booten haben alle Rechner funktionierende IP-Adressen und bilden ein Netzwerk.

Während viele Router über die MAC-Adresse dafür sorgen, dass die Netzwerkkarte beim nächsten Mal genau dieselbe IP-Adresse erhält, vergeben einige Router – wie auch die Provider – jedes mal eine neue IP. Um den Router zu konfigurieren, genügt es meist, seine Gateway-Adresse in die Adresszeile des Browsers einzugeben. So gelangen Sie zu einem mehr oder weniger übersichtlichen Konfigurationsdialog, das mit dem Router ausgelieferte Handbuch liefert weitere Details.

Tipp

Sie können eine DHCP-Adresse auch aktiv vom DHCP-Server fordern. Öffnen Sie eine Konsole, geben Sie mit Root-Rechten dhclient ein (unter OpenSuse 11.1) bzw. sudo dhclient unter Kubuntu 8.10 (Abbildung 3). Der Server weist Ihnen nun eine neue IP-Adresse zu. Das hilft etwa, wenn der Network Manager nicht läuft oder den Dienst verweigert.

Abbildung 3: Per "dhclient"-Befehl fordern Sie manuell vom DHCP-Server eine private IP-Adresse an.
Abbildung 3: Per „dhclient“-Befehl fordern Sie manuell vom DHCP-Server eine private IP-Adresse an.

Handarbeit

Neben der automatischen Vergabe per DHCP besteht die Möglichkeit, einem lokalen Rechner per Hand eine feste IP-Adresse zuzuweisen. Unter Umständen übernimmt das Ihr Router (aber nicht alle Router beherrschen das). Identifiziert er Ihre Netzwerkkarte anhand ihrer MAC-Adresse, weist er ihr automatisch immer dieselbe IP-Adresse zu. Sie können das oft auch per Hand einstellen: Dazu rufen Sie erneut eine Konsole auf und geben /sbin/ifconfig | grep Hardware ein. Hinter Hardware Adresse sehen Sie eine durch Doppelpunkte separierte Zahl – die MAC-Adresse (Abbildung 4). In der Konfigurationsoberfläche des Routers suchen Sie nach der Möglichkeit, einer MAC- automatisch eine feste IP-Adresse zuzuordnen und tragen die entsprechenden Werte ein. Wie aber sieht die fixe IP aus?

Abbildung 4: Netzwerkkarten und Router lassen sich eindeutig über eine Hardware-Adresse identifizieren, die MAC-Adresse.
Abbildung 4: Netzwerkkarten und Router lassen sich eindeutig über eine Hardware-Adresse identifizieren, die MAC-Adresse.

Daten sammeln

Bevor Sie eine feste IP-Adresse vergeben, sammeln Sie ein paar wichtige Daten zu Ihrem lokalen Netzwerk. Voraussetzung ist, dass Ihre Rechner sich bereits im (DHCP)-Netzwerk befindet – Sie brauchen eine funktionierende Verbindung zum Router. Zunächst bestimmen Sie die Gateway-Adresse des Routers sowie die IP-Adresse des DNS-Servers. Rufen Sie eine Konsole auf und geben Sie den Befehl route -n ein. Die Gateway-Adresse steht unten in der zweiten Spalte (Abbildung 5) – in derselben Zeile muss zudem UG stehen. Die Ausgabe des Befehls verrät zudem in der Spalte Genmask die Subnetzmaske des Netzwerks, die Sie ebenfalls notieren sollten (sie lautet für private Netzwerke meist 255.255.255.0, da sich die Adressen nur im letzten 8-Bit-Block unterscheiden).

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