Aus EasyLinux 02/2008

Blogs lesen, schreiben und verbreiten

Füttern erlaubt

Bloggen geht auch unter Linux. Welche Tools es hier gibt, um zu bloggen, die Texte bequem zugänglich zu machen und die virtuellen Logbücher anderer Menschen zu lesen, zeigt dieser Artikel.

Als Journalisten, die ständig über Neuigkeiten berichten, nutzen auch wir – die Redakteure von EasyLinux – häufig Blogs. Die interessantesten Entwicklungen posaunen Firmen und Open-Source-Projekte nicht unbedingt über ihre Marketing-Leute in die Welt hinaus. Sie verstecken sich vielmehr in unscheinbaren Blogeinträgen von Mitarbeitern.

Blogs gibt es nicht nur im Computerbereich: Egal welches Hobby Sie haben, jemand wird im Internet darüber schreiben. Gerade Linux-Nutzer leben von den zahllosen, im Netz verstreuten Tipps und Tricks für das freie Betriebssystem. Wie Sie diese Quellen anzapfen oder Ihre eigenen Erfahrungen mit Linux weitergeben und welche Tools Ihnen dabei helfen, schildert dieser Artikel.

Die Blogosphäre

Der Begriff Blogosphäre ist nun Jahre alt und bezeichnet die Gesamtheit der Weblogs und ihre Verbindungen zueinander. Bei den einzelnen Weblogs („Blog“ ist eine Kurzform von „Weblog“) handelt es sich, um öffentliche Logbücher. Das unterscheidet sie von Tagebüchern, die Menschen meist nur für sich selbst schreiben. Das regelmäßige Ergänzen dieser Weblogs um neue Texte heißt Bloggen. Blogs bestehen nicht nur aus Texten, sondern enthalten mittlerweile auch Bilder, Videos und Audiodateien.

Im Laufe der Jahre haben sich verschiedene Blog-Typen herauskristallisiert: Über Corporate Blogs (die mitunter nur im internen Netzwerk funktionieren) tauschen sich Mitarbeiter in großen Firmen untereinander aus. So erfährt Mitarbeiter Schmitz etwa, was der Kollege nebenan eigentlich so treibt und dass die Kollegin aus Zimmer 314 gerade in Australien Urlaub macht.

Watchblogs funktionieren so ähnlich, befinden sich aber meist außerhalb einer Firma oder eines Projekts und begleiten dessen Entwicklung. Sie haben den Ruf, unabhängig und meist kritisch zu berichten. Bildblog [1] ist ein bekanntes Beispiel, und Groklaw [2] verfolgt seit Jahren die Gerichtsprozesse um die angeblichen Rechte der Firma SCO am Linux-Quellcode.

Nicht zuletzt gibt es Metablogs. Sie veröffentlichen keine eigenen Beiträge, sondern verweisen lediglich auf andere Blogs, die sich mit einem bestimmten Thema beschäftigen. Auch die so genannten Planets fallen in diese Kategorie: Sie bündeln die Einträge in Blogs, die Entwickler eines bestimmten Projekts schreiben. Beispiele dafür sind die Planets der Projekte OpenSuse [3] (Abbildung 1) und Ubuntu [4].

Abbildung 1: Planet Suse versammelt die Blog-Einträge verschiedener OpenSuse-Entwickler unter einem gemeinsamen Dach.
Abbildung 1: Planet Suse versammelt die Blog-Einträge verschiedener OpenSuse-Entwickler unter einem gemeinsamen Dach.

Bloggen erscheint auf den ersten Blick höchst demokratisch: Jeder kann seine Meinung der gesamten Welt mitteilen und so eine offene Diskussion beginnen. Tatsächlich gibt es aber eine Reihe von Hindernissen, die Nutzergruppen vom Bloggen ausschließen. Da wären die ökonomischen Voraussetzungen: In Gegenden ohne Internet oder mit sehr teuren Zugängen gibt es nur wenige Blogs und Blogger – etwa in weiten Teilen Afrikas. Ein zweites Hindernis ist die politische Zensur: Nicht nur in Staaten wie Ägypten und China landen Blogger noch regelmäßig im Gefängnis, wenn der Regierung ihre Meinung nicht passt. Nicht zuletzt gibt es technische Hindernisse, um die es in diesem Artikel geht. Auch das Bloggen setzt ein wenig technisches Wissen voraus.

Easy Blogging

Die einfachste und schnellste Möglichkeit, ein eigenes Blog zu starten, bieten vorgefertigte Blogs von Blogdienstleistern wie Blogger.com [5], LiveJournal [6] oder WordPress [7]. Um dort ein Blog anzulegen, benötigen Sie lediglich einen Computer mit Internetanschluss und einen Browser. Sie rufen etwa die Adresse http://de.wordpress.com (Abbildung 2) auf, registrieren sich, melden sich mit Ihren neuen Login-Daten an und posten sofort Beiträge. In recht engen Grenzen können Sie diese Blogs auch Ihren optischen Vorlieben anpassen, Computerkenntnisse benötigen Sie kaum. Die Texte geben Sie über einen recht komfortablen Editor ein, der wie eine Textverarbeitung funktioniert: Um etwa ein Wort fett anzuzeigen, markieren Sie es und klicken auf ein kleines Icon mit einem fetten B (Abbildung 3). Die meisten Online-Services bieten Ihnen zudem die Möglichkeit, eigene Bilder und manchmal sogar Videos einzufügen. Vorgefertigte Blogs haben aber auch Nachteile: Die Blogger müssen sich stets neu einloggen. Erweiterungen schaffen Abhilfe.

Abbildung 2: Über die Webseite "wordpress.com" treten Sie in wenigen Minuten mit einem eigenen Blog der Blogosphäre bei.
Abbildung 2: Über die Webseite „wordpress.com“ treten Sie in wenigen Minuten mit einem eigenen Blog der Blogosphäre bei.
Abbildung 3: Ein What-you-see-is-what-you-get-Editor (WYSIWYG) macht es leicht, die eigenen Einträge zu formatieren.
Abbildung 3: Ein What-you-see-is-what-you-get-Editor (WYSIWYG) macht es leicht, die eigenen Einträge zu formatieren.

Browser-Erweiterungen

Firefox-Nutzer erleichtern sich mit den Erweiterungen Scribefire [8] und Deepest Sender [9] den Blogging-Alltag. Die Add-ons klinken sich in den Browser ein und füttern Ihr Online-Blog automatisch. Per Mausklick erreichen Sie die Erweiterung jederzeit schnell und schreiben, wenn Ihnen gerade etwas einfällt.

Um eine Erweiterung zu installieren, besuchen Sie die Projekt-Webseite und klicken auf den grünen Link, auf dem Installieren steht und dann auf den Knopf Jetzt installieren. Nach einem Neustart des Browsers können Sie die Erweiterung nutzen: Für Scribefire erscheint beispielsweise ein kleines oranges Icon in der Fußleiste. Klicken Sie darauf, legt sich ein Eingabefenster über das halbe Browserfenster (Abbildung 4). Dort geben Sie den Text ein und klicken dann auf Publish to „Ihr Blogname“, um ihn zu veröffentlichen. Vorher müssen Sie der Erweiterung noch mitteilen, wo Sie Ihr Blog betreiben. Das funktioniert über den Add-Button im Reiter Blogs. Ein Wizard begleitet Sie beim Einrichten des Blogs und fragt unter anderem die Internet-Adresse Ihres Weblogs bei WordPress oder Blogger ab. Ein weiterer Klick auf das orangene Icon lässt das Eingabefeld wieder in der Fußleiste verschwinden. Kleiner Nachteil: Scribefire redet nur Englisch.

Das tut auch die Erweiterung Deepest Sender, über die Sie ebenfalls zahlreiche Online-Blogs füttern können. Auch sie bringt einen WYSIWYG-Editor mit, der es erlaubt, die eigenen Eingaben recht einfach zu bearbeiten. Allerdings ist die Erweiterung weniger gut integriert. Scribefire lässt sich intuitiver und einfacher bedienen und meldet Sie zudem automatisch bei den Online-Diensten an, was Deepest Sender nur auf eine ausdrückliche Aufforderung hin tut.

Abbildung 4: Scribefire ist eine Erweiterung für Firefox mit der Sie per Mausklick eine Oberfläche aufrufen, über die Sie Ihr Blog betanken.
Abbildung 4: Scribefire ist eine Erweiterung für Firefox mit der Sie per Mausklick eine Oberfläche aufrufen, über die Sie Ihr Blog betanken.

Manche Anwender nutzen nicht nur einen Dienst, sondern gleich zehn oder mehr. Diese Kommunikationswunder dürfte der so genannte „Social Browser“ Flock [10] interessieren: Er basiert auf Mozilla und orientiert sich speziell an den Bedürfnissen von Vollzeit-Bloggern und Web-2.0-Nutzern.

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