Aus EasyLinux 02/2008

Audiodateien mit Audacity nachbearbeiten

Aufpoliert

Speziell Aufnahmen von analogen Quellen bedürfen oft der Restauration. Audacity bringt alle wichtigen Funktionen mit, um die Musik alternden Vinylschätzchen aufzupeppen.

Diverse Störgeräusche, speziell bei digitalisierten Plattenaufnahmen, trüben den Hörgenuss zuweilen beträchtlich. Hier gilt es, nachträglich Hand anzulegen und die Datei von störenden Klangartefakten zu befreien. Mit ein bisschen Mühe und den richtigen Tricks klingt das Ergebnis im Anschluss oft deutlich besser als das Original.

Prädestiniert für diese Arbeit ist der multifunktionale Audio-Editor Audacity [1]. Er enthält nicht nur diverse Filterwerkzeuge, sondern auch Ein- und Ausblendregler, Funktionen zum Aufteilen von Audiodateien und vieles mehr.

Erste Schritte

Der Artikel bezieht sich auf Version 1.3.3 bzw. 1.3.4 von Audacity. Diese installieren Sie über die Heft-DVD, auf der Sie auch eine detaillierte Anleitung dazu finden. Nach der Installation erreichen Sie das Programm im K-Menü unterMultimedia / Bearbeitung / Audacity Sound Editor.

Um Audacity optimal zum Nachbearbeiten von Audidateien vorzubreiten, gilt es zunächst, einige Einstellungen zu verändern. Öffnen Sie dazu über Edit / Preferences… das Konfigurationsfenster des Programms. Zum Anpassen der Sprache wechseln Sie darin auf Interface und wählen aus dem Drop-down-Menü den Eintrag Deutsch. Nach einem Neustart erscheint Audacity in deutscher Sprache. Öffnen Sie danach erneut das Einstellungsfenster und setzen Sie den Wert Effekt vorhören auf 10. Möchten Sie zukünftig Effekteinstellungen ausprobieren, spielt der Klick auf Vorhören das Stück anstelle der voreingestellten drei jetzt zehn Sekunden lang an.

Einen Überblick über das Arbeiten mit Audacity geben Ihnen das auf der DVD im Verzeichnis /programme/andere/audacity/ enthaltene Handbuch im PDF-Format sowie der EasyLinux-Artikel „Mut zum Schnitt“ [2]. Um ein optimales Resultat zu erzielen, halten Sie die im Artikel vorgegebene Bearbeitunsgreihenfolge ein, da andernfalls unangenehme Störeffekte und Wechselwirkungen auftreten können.

Ausgeknackst

Zu den unangenehmsten Begleiterscheinungen von Schallplattenaufnahmen zählen zweifellos statische Knackser sowie Kratzer, die den Hörgenuss beträchtlich trüben. Gerade bei leisen Passagen dominieren sie teilweise das Musikgeschehen. Um diese Artefakte zu eliminieren, markieren Sie zuerst die Sequenz, die Sie bearbeiten möchten. Klicken Sie dazu auf Auswahlwerkzeug (Icon mit stilisiertem Cursor) und danach auf eine beliebige Stelle im Audio-Editorfenster. Ziehen Sie im Anschluss mit gedrückter linker Maustaste den Markierungsbalken nach links oder rechts über den gewünschten Bereich. Möchten Sie die komplette Datei anwählen, drücken Sie [Strg]+[A] oder doppelklicken Sie auf die Tonspur.

Über den Menüpunkt Effekt… / Klick Filter… öffnen Sie den Filter zum Entfernen der Knackser. Er enthält die Konfigurationsparameter Schwellwert einstellen und Maximale Klicklänge. Während Sie mit dem Schwellwert festlegen, ab welcher Lautstärke der Filter anspricht, stellen Sie mit der maximalen Klicklänge ein, wie lange ein Peak maximal dauern darf, damit ihn das Tool als Störung wahrnimmt. Je höher Sie diesen Wert einstellen, desto mehr Fehler erkennt der Filter. Allerdings wächst damit auch das Risiko, dass er auch zur Musik gehörende Passagen erfasst und herausfiltert. Um das Ergebnis besser zu hören, testen Sie den Filter zunächst an leisen Passagen oder Titelpausen. Ein Klick auf Vorhören präsentiert Ihnen das Ergebnis. Sind Sie damit zufrieden, klicken Sie auf OK, um den Filter anzuwenden. Mit der Rückgängig-Funktion ([Strg]+[Z]) stellen Sie bei Nichtgefallen die Ursprungszustand wieder her.

Brummen ausfiltern

Gerade preisgünstigere Plattenspieler fügen der Musik noch eine ganze Menge hausgemachter Störgeräusche hinzu. Dazu gehört das so genannte Rumpeln, das vom Antrieb des Plattentellers stammt. Diese Signale bewegen sich üblicherweise im Bereich von unter 50 Hertz. Eine weitere gefährliche Störquelle sind tieffrequente Schwingungen im Bereich unter 20 Hertz. Sie entstehen durch eine akustische Rückkopplung zwischen Lautsprecher und Plattenspieler, werden vom menschlichen Ohr nicht wahrgenommen, lenken aber den Basslautsprecher extrem aus. Diese Infraschallstörungen treten n nur auf, wenn Sie während der Aufnahme das Signal gleichzeitig wiedergeben. Um die Audiodatei auf solche Störquellen hin zu untersuchen, starten Sie die Frequenzanalyse über Analyse / Frequenzanalyse (Abbildung 1).

Abbildung 1: Deutlich zu erkennen: Das typische Rumpeln bei etwa 13 Hertz im Frequenzgang, das vor allem preisgünstige Plattenspieler produzieren. Diese unhörbaren Frequenzen belasten Tieftöner sowie Verstärker und verwässern darüber hinaus das Klangbild.
Abbildung 1: Deutlich zu erkennen: Das typische Rumpeln bei etwa 13 Hertz im Frequenzgang, das vor allem preisgünstige Plattenspieler produzieren. Diese unhörbaren Frequenzen belasten Tieftöner sowie Verstärker und verwässern darüber hinaus das Klangbild.

Zeigt sich auch bei Ihren Aufnahmen dieser typische Buckel, filtern Sie ihn mit dem Hochpassfilter (Effekt / Plugins 1-15 / High Pass Filter) aus. Die dabei wichtigen Eckwerte sind zum einen Rolloff [dB per Octave], mit dem Sie die Flankensteilheit des Filters einstellen, und zum anderen Cutoff frequenzy [Hz], mit der Sie festlegen, ab welcher Frequenz abwärts der Filter wirkt. Um das Tool als Subsonic-Filter einzusetzen, wählen Sie als Frequenz einen Wert zwischen 25 und 30 Dezibel und eine Flankensteilheit von 18 bis 24 Dezibel.

Manche Aufnahmen trüben auch sehr hochfrequente Störgeräusche. Hier hilft der Tiefpassfilter, der spiegelbildlich zum Hochpassfilter arbeitet, aber Frequenzen oberhalb des angegebenen Werts absenkt.

Rauschen unterdrücken

Als wichtigster Schritt der Restaurationsmaßnahmen entfernen Sie das bei Analogaufnahmen häufig auftretende Hintergrundrauschen. Es verteilt sich über das komplette Frequenzspektrum und stellt eine echte Herausforderung für jeden Filter dar, da es extrem schwierig ist, das Nutzsignal vom Rauschen zu trennen. Audacity bietet dafür einen Filter (Abbildung 2), den Sie über Effekt / Rauschentfernung… starten.

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