Aus EasyLinux 02/2007

CapiSuite: ISDN-Karte als Faxgerät und Anrufbeantworter nutzen

Faxen machen

ISDN-Karten von AVM nutzen Sie nicht nur für den Internetzugang, sondern auch als Faxgerät und komfortablen Anrufbeantworter – unter Suse Linux sind dafür nur wenige Mausklicks nötig, Mandriva- und Ubuntu-Anwender konfigurieren die CapiSuite von Hand.

Für ISDN-Karten, die CAPI unterstützen (meist AVM-Geräte), gibt es mit dem Programmpaket CapiSuite [1,2] ein mächtiges Tool, das Ihren Linux-PC zum komfortablen Faxgerät und digitalen Anrufbeantworter macht. Sie setzen damit das Unified-Messaging-Prinzip um, denn eingehende Faxe und Anrufe landen als E-Mails mit passenden Attachments (Audio- oder PDF-Dateien) in Ihrer Mailbox.

Damit die CapiSuite funktioniert, benötigen Sie eine unterstützte ISDN-Karte, und Sie müssen diese im CAPI-Modus betreiben: Für einige Karten stehen neben den CAPI-Treibern noch die älteren HiSax-Treiber zur Verfügung, mit denen CapiSuite nicht umgehen kann. Ob Ihre Karte bereits korrekt konfiguriert ist, prüfen Sie über einen Blick in die Systemlogdatei (/var/log/messages; bei Mandriva Linux: /var/log/syslog) – dort sollten Sie Meldungen wie in Abbildung 1 finden, die darauf hinweisen, dass das System die CAPI-Treiber geladen hat (kcapi: Controller 1: … attached).

Abbildung 1: CAPI-Meldungen im Syslog zeigen an, ob der für AVM-Karten benötigte Treiber ("fcpci") korrekt geladen wurde.
Abbildung 1: CAPI-Meldungen im Syslog zeigen an, ob der für AVM-Karten benötigte Treiber („fcpci“) korrekt geladen wurde.

Im Folgenden beschreiben wir zunächst die Einrichtung unter (Open) Suse Linux; Hinweise zur Konfiguration von Mandriva Linux und Ubuntu folgen weiter hinten.

Suse Linux

Die Einrichtung unter Suse Linux 10.1 und OpenSuse 10.2 ist am einfachsten, denn das zentrale Verwaltungstool YaST bietet Module für die Fax- und Anrufbeantworterkonfiguration. Eventuell ist das YaST-Modul nicht installiert, dann müssen Sie über die Softwareverwaltung von YaST die Pakete yast2-phone-services und capisuite nachinstallieren.

In einem ersten Schritt stellen Sie sicher, dass die ISDN-Karte mit den CAPI-Treibern arbeitet. Dazu starten Sie YaST und rufen den Punkt Netzwerkgeräte / ISDN auf. Wählen Sie dort Ihre ISDN-Karte aus und klicken Sie auf Bearbeiten.

Ist unter Treiber die Variante CAPI 2.0 driver ausgewählt (wie in Abbildung 2), können Sie diese Einstellung übernehmen – wenn dort HiSax driver steht, ändern Sie den Wert auf die CAPI-Variante. Übernehmen Sie etwaige Änderungen mit einem Klick auf OK. YaST zeigt einen Hinweis an, dass Sie einen Treiber ohne Quellcode verwenden wollen – klicken Sie die Meldung mit Ja weg. Sie gelangen dann zurück zur ersten Maske, die Sie mit Beenden verlassen.

Abbildung 2: Wichtig ist bei der Konfiguration der ISDN-Karte, dass Sie diese mit dem CAPI-2.0-Treiber nutzen – mit der alternativen Einstellung HiSax ist nur die Interneteinwahl möglich.
Abbildung 2: Wichtig ist bei der Konfiguration der ISDN-Karte, dass Sie diese mit dem CAPI-2.0-Treiber nutzen – mit der alternativen Einstellung HiSax ist nur die Interneteinwahl möglich.

YaST-Faxmodul

Um nun Fax und Anrufbeantworter einzurichten, klicken Sie im YaST-Fenster zunächst auf den Eintrag Fax.

Die Übersicht in der Benutzertabelle ist anfangs leer – dies gilt es nun zu ändern. Klicken Sie dazu auf Hinzufügen. Es erscheint ein kleines Fenster (Abbildung 3), in das Sie verschiedene Daten eintragen:

  • Unter Benutzer wählen Sie aus, an welchen Account das System eingehende Faxe weiterleiten soll. Wollen Sie verschiedenen Benutzern unterschiedliche (Fax-) Rufnummern zuordnen, fangen Sie einfach hier mit dem ersten Benutzer an.
  • Im Feld Faxnummern tragen Sie die Rufnummer ein, auf die Ihr Linux-PC reagieren soll – das ist die Faxnummer, die Sie später veröffentlichen, etwa auf einer Visitenkarte.
  • Das Feld StationID nimmt die Rufnummer auf, die beim Versand von Faxen im oberen Bereich als Teil der Kopfzeile ergänzt wird – üblicherweise ist das die internationale Rufnummer im Format ++49 89 12345, die Ortsvorwahl 0 lässt man dabei weg.
  • Als Kopfzeile ergänzen Sie noch Ihren Namen oder den Ihrer Firma.
  • Das letzte Feld, Aktion, legt fest, was die CapiSuite mit eingehenden Faxen tut: Übernehmen Sie hier die Vorgabe MailAndSave, um sich eingehende Faxe als E-Mail mit PDF-Attachment lokal zustellen zu lassen.
Abbildung 3: Hier tragen Sie für einen Benutzer die Faxinformationen ein.
Abbildung 3: Hier tragen Sie für einen Benutzer die Faxinformationen ein.

Wollen Sie für mehrere Benutzer Faxanschlüsse konfigurieren, wiederholen Sie die Prozedur. Abbildung 4 zeigt ein Beispiel-Setup mit zwei eingerichteten Faxnummern. Verlassen Sie die Übersicht in jedem Fall mit einem Klick auf Beenden, damit YaST Ihre Änderungen speichert.

Abbildung 4: Mehrere Einträge für unterschiedliche Rufnummern: Die Faxfunktion ist flexibel.
Abbildung 4: Mehrere Einträge für unterschiedliche Rufnummern: Die Faxfunktion ist flexibel.

YaST-Anrufbeantworter

Genau so leicht wie ein Faxanschluss ist ein Anrufbeantworter eingerichtet: Der entsprechende Punkt in YaST heißt Netzwerkgeräte / Anrufbeantworter. Wie bei der Faxkonfiguration erscheint eine zunächst leere Benutzertabelle. Auch hier klicken Sie auf Hinzufügen, um einen neuen Eintrag zu erzeugen. Es erscheint ein ähnlicher Dialog wie bei der Faxkonfiguration. Die Bedeutung der Felder Benutzer und Aktion sind mit denen der Faxeinrichtung identisch, unter Telefonnummern geben Sie die Rufnummern an, auf die der Anrufbeantworter reagieren soll.

Über Verzögerung und Dauer bestimmen Sie, nach wie vielen Sekunden der Anrufbeantworter den Anruf entgegennehmen soll (damit Sie auch noch eine Chance haben, ans Telefon zu gehen, sollte dieser Wert nicht zu klein sein) und wie lange Anrufer „auf Band sprechen“ dürfen. Schließlich geben Sie im Feld PIN eine (nur aus Zahlen bestehende) Geheimnummer ein, über die Sie später die Fernabfragefunktion nutzen können: Diese ist sehr komfortabel und lässt Sie sprachmenügeführt neue Anrufe abhören und löschen. Auch hier verlassen Sie die Konfiguration mit einem Klick auf Beenden.

Prinzipiell funktioniert der Empfang von Faxen und Sprachnachrichten bereits – richtig komfortabel wird das Ganze aber erst mit der automatischen Weiterleitung an ein lokales Postfach.

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