Sommer-Spezial-Bericht: Toja Drees

Toja, die Toggenburgerin

2

Fünf Freiwillige haben wir im Sommer zum Umstieg auf Linux gebeten und durch ein Gratis-Netbook geködert. Die drei Monate sind nun um. Zeit, Bilanz zu ziehen.

Als Schlussauswertung zu unserem Sommer-Spezial haben wir sämtlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein paar Fragen gestellt. Hier die Antworten von Toja Drees, die sich nach anfänglicher Euphorie und später viel Frust am Ende nun fragt: Linux und ich, oder doch eher ich und Linux?

Die Hardware

Als Preis für den Umstieg erhielten sämtliche Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein Netbook. Dazu meint Toja::

Mein Eee PC 1000 von Ixsoft ist ein süßes, stabiles, akkumäßig tolles Gerät. Jaja, ich weiss, ich mag kleine Knubbelsachen :-). Die Tasten sind groß genug und z.T. mit Mehrfachbelegungen ausgestattet, die mir sehr gefallen haben. Dass der Akku wirklich so viele Stunden reicht ist toll. Es gibt nichts Mühsameres als mitten im Arbeiten, auf einer Zugfahrt etc., wenn der Akku den Geist aufgibt. Die Größe des Eee-PC ist super, er passt in meine Handtasche.

Die Auflösung ist ohne Makel, das Touchpad ist für mich gewöhnungsbedürftig, da unwahrscheinlich sensibel. Das heißt, es hat meistens viel mehr gemacht als nur das was ich wollte. Deshalb habe ich meistens mit einer Maus gearbeitet. Mit dem externen CD/DVD Brenner, den ich natürlich auch extra schmal gekauft habe, damit auch er in meine Handtasche passt, war ich gut ausgestattet. Chatten oder skypen war toll mit der integrierten Kamera und dem integrierten Mikrofon. Ich habe es sehr genossen. Die Qualität der internen Lautsprecher ist ok.

Meine Speicherkarte der Digitalkamera machte keinerlei Schwierigkeiten und wurde sofort erkannt. Meine kabellose Maus von Logitech hat ohne Installation sofort problemlos funktioniert.

Die grafische Oberfläche

Mein Linux heißt Xandros. Ich denke, ich habe eine KDE Oberfläche. Mir war dieses Xandros viel zu spielerisch und einfach. Es hat nette große Symbole für Anwendungen. Doch die meisten dieser Anwendungen habe ich mir nur einmal angeschaut, da sie mich nicht interessierten. Spiele, Mathematik, Chinesisch lernen zum Beispiel. Ich habe versucht, das Advanced Xandros zu installieren. Obwohl ich die Anleitung dazu exakt abgeschrieben habe, passierte leider nichts. Ach doch, das Startmenü, das ich in der Konsole an meine Bedürfnisse anpasste, war danach verschwunden.

Mit OpenOffice zu arbeiten, ist immer wieder ein Vergnügen, auch unter Linux. Es ist anwenderfreundlich und bietet trotzdem viele Möglichkeiten. Gnome habe ich mir installiert, da ich viel mit Fotos arbeite. Ich habe mich schnell darin zurechtgefunden. Das Mühsame war, dass wohl der Arbeitsspeicher vom Eee PC nicht so groß ist und sich das Arbeiten mit mehreren Bildern sehr langsam gestaltete, was mich ziemlich nervte. Nur schon die Mini-Darstellung in der Dateiverwaltung dauerte eine Ewigkeit und erinnerte mich an die Anfangszeiten meines PC-Lebens.

Dafür funktionierte das Internet über WLAN gut, und ich schaute oft TV oder Videos. Naja, außer in der Zeit wo mein Internet allgemein Probleme hatte und ich keine Verbindung hatte.

Toja freut sich über das neue Eee-PC-Netbook von Ixsoft.
Toja freut sich über das neue Eee-PC-Netbook von Ixsoft.

Linux-Tücken

Was macht Windows besser, was ist bei Linux anders, schwieriger, wollten wir von unserer Kandidatin wissen:

Die Dateiverwaltung habe ich bis jetzt nicht durchschaut, was mich nervt, da ich gerne weiss was ich im PC habe und wo ich es finde. Die Bezeichnungen und der Aufbau sind einfach anders als ich es gewohnt bin. Muss mich da wohl selber an der Nase nehmen denke ich. Ich hätte mich mehr damit befassen sollen.

Leider habe ich meinen Canon Drucker nie richtig zum Laufen gebracht, und mein Canon Scanner hat nie einen Laut von sich gegeben unter Linux. Schade, das hiess für mich, dass ich vieles einfach nicht mit Linux machen konnte. Ich muss viel ausdrucken (Formulare, Inserate von meiner Website/Organisation, Korrespondenz mit USA, etc.)., und ich muss viel scannen (Fotos für die Inserate). Trotz verschiedenster Hilfe von der Linux Community und dem runterladen von „passender“ Software schaffte ich es nicht.

Mir fehlte bei Linux so einiges: Ich bin einerseits Jemand, der gerne Neues probiert, und wieder verwirft, wenn es mir nicht gefällt. Andererseits habe ich einfach nicht die Zeit, groß rumzubasteln, damit etwas läuft. Leider kam ich damit mit Linux nicht klar. Ich versuchte zum Beispiel eine Tagebuch Software zu finden, die grafisch schön ist. Online habe ich einige Freeware-Programme gefunden die mir gefielen, aber leider nichts für Linux. Auch die Community konnte mir nicht helfen. Das Gleiche mit der aktuellen Uhrzeit, wo es mir trotz Hilfe nicht gelang, diese zum Laufen zu bringen. Ich finde online viele einfache und dennoch schöne Freeware-Programme für alles Mögliche, aber meistens nur für Windows. Das heißt, die Vielfalt für Windows ist grösser.

Es gelang mir auch nur unter Schwierigkeiten zu verstehen, wie ich neue Software in dieses Linux reinbekomme. Und einiges ging gar nicht. Dann hiess es entweder, dass diese schon in meinem Linux vorhanden ist (aber wo?), oder dass irgend etwas fehlt.

Die Gretchenfrage

Eine der Voraussetzungen für die Teilnahme am Sommer-Spezial war, dass die Kandidaten ausschließlich Linux benutzten. Hier wollten wir nun nachträglich noch die Wahrheit erfahren:

Ich habe in den letzten 3 Monaten mit 2 Systemen arbeiten müssen. Hauptsächlich weil mein Drucker und Scanner nicht ging. Oder wenn ich sehr viele Bilder bearbeiten musste. Auch mein Webdesign habe ich nicht mit Linux gemacht. Mir fehlte einfach die Zeit, mich auch noch in neue Software einarbeiten zu müssen, oder wieder Html zu pauken.

Auch mein Tagebuch, das ich spätestens Ende Jahr fertig haben möchte, habe ich auf Windows gemacht, da die Freeware dazu für Linux nicht gefunden wurde. Ich kann mir vorstellen, mit Linux als Zweitsystem weiter zu arbeiten. Als Hauptarbeitsinstrument bevorzuge ich Windows. Wobei ich voll zufrieden bin mit meinem XP Windows und meinem Office 2000, oder dem Open Office. Es würde mir sehr gefallen, mit Linux weiterzugehen, da es gratis ist, da mir die Philisophie gefällt, das Engagement weltweit. Aber es frisst mir zuviel Zeit um es zu begreifen, oder um schnell ein Programm zu finden, oder sonstige angenehme Features. Vor allem verstehe ich es einfach nicht so, wie ich es möchte, um mich gut zu fühlen.

Ich empfehle das Xandros Anfängern, die einfach arbeiten wollen mit Open Office, oder ins Internet, etc. ganz so, wie es zB. die Symbole im Xandros vorgeben. Anfänger oder Anwender, die nicht mehr wissen wollen, nicht tiefer ins System gehen möchten, die das benutzen wollen was da ist und nicht mehr.

Oder dann denen, die auf Entdeckertour gehen wollen, ausprobieren, sich oft mit dem PC beschäftigen wollen, es mögen mit der Konsole zu arbeiten, dies als gewollte Herausforderung sehen und sich selber immer wieder Neues „dazubasteln“ wollen.
Open Office empfehle ich schon lange allen Anwendern, egal mit welchem Betriebssystem.

Tojas Fazit

Ob es anderen Leuten so geht wie mir und Linux? Ich denke schon. Es wäre wohl leichter mehr von Linux zu verstehen, wenn man Freunde in der Nähe hat, die Linux kennen und Schützenhilfe vor Ort geben können. Obwohl die Linux Community äußerst freundlich, hilfsbereit und voller Wissen war, fehlte mir der Support vor Ort gewaltig.

Es ist einfacher auf den „Download“ Knopf zu drücken online und das Programm ohne viel mehr Wissen installiert werden kann.
Es ist spassig, wie viel und wie einfach man neue Software/Freeware findet für Windows und diese ohne grossen Aufwand installieren und benutzen kann.

Es schreckt ab, eine schwarze Konsole zu haben und wie ein Affe am Berg davorzusitzen, nicht wissend was nun zu machen ist – und wenn man etwas macht – was nun passiert.

Es schreckt auch etwas ab, im Linux Forum zu lesen. Ich kam mir schon sehr beschränkt vor bei dem vielen Wissen der Community, und auch den vielen Fachbegriffen, die mir so geläufig waren wir chinesisch. Und ich sie trotz immer neuen Anläufen nur zu einem ganz kleinen Teil so wirklich verstand.

ABER – ich bin Euch sehr dankbar, dass Ihr mir die Gelegenheit gegeben habt, in Linux reinzuschnuppern. Ein Privileg, das ich ohne Euch nicht gewagt hätte. Ich danke Euch für Eure Unterstützung, für Eure vielen guten Tips, für die Zeit die Ihr Euch genommen habt um mir zu helfen. Und natürlich auch für den süssen Eee PC (schmunzel, ich nenne ihn manchmal auch meinen knuffigen Eee PC, was aber beides natürlich total unprofessionell tönt). Ich danke Marcel für den netten Empfang in München und seine Unterstützung. Und werde sicher immer mal wieder in der Community reinschauen, auch wenn mein Leben nur zu einem Teil von Pinguinen bevölkert ist.

Hinterlasse einen Kommentar

2 Kommentare auf "Sommer-Spezial-Bericht: Toja Drees"

  E-Mail Benachrichtigung  
Neuste Älteste Beste Bewertung
Benachrichtige mich zu:

Leider habe ich dieselben schlechten Erfahrungen mit Xandros gemacht.

Man nehme Ubuntu 9.10 oder Suse Linux. Dann kann man sicher sein das der Drucker und Scanner geht, die Dateiverwaltung spitze ist und auch durch
intelligente Paketverwaltung alles mit einem Klick installiert wird.

Es fehlt bei den Windows Benutzern das verständnis für andere Abläufe als diese die Windows ihnen bietet. Meistens beherschen Sie noch nicht einmal Windows richtig. und wenn die Software streikt kauft man sich eben mal einen neuen PC…

Ich bin jedenfalls froh das ich meinen PC durch Linux lenken und verstehen kann…Mit Windows kam ich nie richtig klar…(ehm. Amiga User =)

Das Xandros am eee-pc ist auch so toll beim nachrüsten.
Ein Kunde von mir wollte das ich seinen Pentax Drucker zum laufen bringe – der ist extra Linux kompatibel. Den Treiber hätte man aber kompilieren müssen – was am eee-pc nicht geht. Als ich Ihm den Kostenvoranschlag für Download des SDK, Kompilierung der Treiber, überspielen im Xandros inkl. einrichten und Testen vorgelegt habe meinter er: „Danke, so teuer war der Drucker nicht. Ich kauf den neuen, wo der Treiber schon im Xandros drinnen ist.“

So ähnlich, wird es einen wohl auch gehen wenn man dann andere Software nachrüsten möchte.