7 Gründe, warum Linux-Nutzer dem Start von Windows 7 gelassen entgegensehen können

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Seit gestern ist es offiziell: Zum Weihnachtsgeschäft soll das neue Windows 7 in den Regalen stehen. Aus Open-Source-Sicht wird sich dadurch kaum etwas ändern.

1. Windows wird weiter Marktanteile verlieren

Microsoft wird mit der neuen Windows-Version keinen Boden gegenüber Linux gut machen. Dafür besitzt das Betriebssystem aus Redmond schlicht einen zu hohen Marktanteil. Zudem bietet das neue Windows Linux-Nutzern keinen Anreiz, auf das Microsoft-Betriebssystem zu wechseln. Denn auch wenn Windows 7 das beste Windows wäre, das die Welt je gesehen hat, bleibt es Closed Source.

Die Qualität von Windows ändert nichts daran, dass Nutzer zu Linux und freier Software wechseln, sie wirkt sich höchstens auf die Geschwindigkeit dieses Vorgangs aus. Mit Windows 7 ändern sich höchstens die Prozentwerte innerhalb der einzelnen Windows-Versionen, der Windows-Marktanteil insgesamt wird weiter schrumpfen.

2. Kaum neue Features

Hieß es früher noch oft, dass sich die Linux-Hacker sämtliche Ideen bei Microsoft gestohlen hätten, fällt beim Durchblättern der Neuigkeiten von Windows 7 auf, dass das Betriebssystem kaum neue Features mitbringt. Für die meisten Desktop-Effekte habe ich als KDE-4-Nutzer nur ein Lächeln übrig. Auch dass das im Explorer integrierte Brennprogramm nun endlich mit ISO-Abbilddateien klar kommt, sehe ich als klares Indiz dafür, dass Windows-7-Nutzern das Brennen einer Ubuntu-CD noch einfacher machen soll. Zudem verzichtet die neue Version auf einen Haufen Zusatzprogramme, die bei Vista zum Standardumfang gehörten.

3. Die Welt braucht keine Tablet-PCs

Zu einem der hervorgehobenen Features der neuen Windows-Version gehört der Touchscreen und Touch-Gesten-Support im Stil des iPhones. Seit über 10 Jahren hält Microsoft am Konzept des Tablet-PCs fest (früher unter dem Namen Windows for Pen Computers) und hat den Unterschied zwischen einem Computer, mit dem man arbeiten, E-Mails schreiben oder chatten möchte und einem Smart-Phone noch nicht verstanden. Die jetzt Revertibles genannten Netbooks mit Touchscreen und die Touchscreen-Desktops werden ebenso schnell aus dem Netbook-Markt verschwinden wie die Tablet-PCs, da sich der Stift bzw. Finger zwar für viele Dinge sehr gut als Eingabegerät eignet, aber eben nicht für alle.

4. Hardware-Anforderungen immer noch zu hoch

Obwohl das neue Windows offiziell Netbook-tauglich ist, sind die Hardware-Anforderungen immer noch deutlich zu hoch geschraubt. Auch wenn hierzulande neue Rechner kaum unter 1 GByte RAM verfügen, läuft doch noch so manches Notebook mit 512 MByte oder 786. Windows 7 will aber mindestens 1 GByte, die 64-Bit-Version will sogar 2 GByte RAM. Auch in puncto Plattenplatz haben die Redmonder kaum Besserung gezeigt: Mindestens 16 GByte groß muss eine Partition für die Installation von Windows 7 sein. Linux-Installationen sind da deutlich bescheidener.

5. Starter Edition für Dummies

Am offensichtlichsten fällt der Unterschied zwischen einem Open-Source- und einem Closed-Source-Betriebssystem dann auf, wenn Features — obwohl eigentlich vorhanden — durch quasi beliebig festgelegte Kriterien ausgeschaltet werden. So soll die günstigste Variante des neuen Windows gleichzeitig höchstens drei Anwendungen erlauben. Bei genauerem Hinschauen fällt jedoch auf, dass zahlreiche Windows-eigenen Programme von dieser Regelung ausgenommen sind, darunter der Dateimanager, die Systemsteuerung und die meisten kleineren Tools. Witzigerweise soll sich in der Starter Edition auch das Hintergrundbild nicht ändern lassen, auch Desktop-Effekte gibt es erst ab der . drittgünstigsten Variante. Jeder von Microsoft für Dumm verkaufte Kunde ist ein potentieller Linux-Nutzer.

6. Je mehr verschiedene Windows-Versionen, desto besser

Im besten Fall schlägt das neue Windows 7 wie eine Bombe ein und innerhalb von sechs Monaten gelingt es Microsoft sämtliche Vista und XP-Rechner in Windows-7-Maschinen zu konvertieren. An diesen kühnen Traum denkt nicht einmal Microsoft. Die neue Windows-Version wird — wenn sie gut ist — zweifellos einige Kunden zum Umstieg bewegen und durch die zahlreichen mit Windows 7 vorinstallierten Rechner wird der Marktanteil von Windows 7 schnell auf über zehn Prozent ansteigen. Doch ob das neue Windows die kritische Hürde von 50 Prozent knacken kann, wage ich zu bezweifeln. Im (aus Microsoft-Sicht) schlimmsten Fall zählen wir 2011 ein Drittel XP-Rechner, ein knappes Drittel Vista-Rechner und ein gutes Drittel Windows-7-Maschinen (plus ein paar NT-Versionen). Das erhöht die Kosten beim Support und erschwert die Treiber-Entwicklung. Im Browser-Wettstreit zwischen Firefox und MSIE war das Bild einmal ähnlich, heute ist Firefox nahe daran, alle Versionen des Internet Explorers zusammen unter die 50-Prozent-Marke zu drängen oder hat dies teilweise sogar bereits geschafft.

Zudem bringt Windows 7 einen Kompatibilitätsmodus für Windows XP mit. Dieser wird noch für viel Verwirrung sorgen, da der Modus nur in der Professional- und der Ultimate-Version zur Verfügung steht. Die eigentliche Kompatibilität wird dadurch erreicht, dass Windows XP hardwarebeschleunigt in einer virtuellen Maschine läuft (Windows Virtual PC). Das wiederum setzt einen Rechner mit Intel Vanderpool, oder Pacifica von AMD voraus.

7. Microsoft setzt keine Standards mehr

Bei der Markteinführung von Windows XP konnte Microsoft praktisch tun und lassen was es wollte. Arbeitete ein Programm nicht mit Windows XP zusammen, wurde es so lange modifiziert, bis das „Teamwork“ klappte. Allzu oft wurden dabei auch von den Hardware-Herstellern Standards verletzt oder umgangen. Die Zeiten, in denen Microsoft Standards setzte, sind zum Glück vorbei. Auch wenn die Firma mit der ISO-Zertifizierung von Office Open XML noch einen (letzten großen) Lobbyachtungserfolg erzielte, geht die Software-Welt klar in Richtung offene Standards und verzichtet auch immer mehr auf DRM, einem Lieblingsspielzeug von Microsoft (und Apple).

Die Standards setzen heute die Community und das Web — zwei Züge, die für Microsoft schon längst abgefahren sind.

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10 Kommentare auf "7 Gründe, warum Linux-Nutzer dem Start von Windows 7 gelassen entgegensehen können"

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Guter Artikel, sachlich und inhaltlich vollkommen korrekt. Allerdings werden die meisten Leute wohl doch auf Windows 7 umsteigen, weil sie sich (leider) einfach zu sehr an Windows gewöhnt haben und nicht bereit sind, sich umzustellen oder sich nach Alternativen umzusehen. Schon jetzt findet man in diversen Internetforen viele Fragen zu Windows 7, u.a. auch von solchen Nutzern, die es sich bereits heruntergeladen haben. Linux muss noch etwas mehr Anstrengungen unternehmen, damit die breite Masse auf Linux aufmerksam wird und erkennt, daß der Umstieg auf Linux nicht so schwierig ist, wie viele immer noch denken. Auch ich habe über 1 Jahr… Mehr »
Auch ich habe lange gebraucht um von Windofs auf Linux umzusteigen. Das ganze begann vor ca. 3 Jahren, aus heutiger Sicht muss ich sagen, das sich Linux, welche Distri auch immer, sehr gut enwickelt. Ich liebe es für seine Einfachheit und die Schnelligkeit beim Sicherheitsleck stopfen. Leider denken auch bei uns noch zu viele Leute Windows sei das Allheilmittel (der Fairness halber: Linux ist es auch nicht, noch nicht!), das liegt aber weniger an der Community, als an den Hardwareherstellern und den Sofwarekonzernen, die immer noch den Windowsjüngern hinterher rennen. Das es geht beweisen SUN und Co.! Wir haben bei… Mehr »

Da es erstaunlicherweise keine Probleme bei der Umstellung gab, vermute ich mal ganz stark, dass es dort keine Nutzer mit den vergünstigten Produkten von … gemäß Enterprise Select Verträgen gab, z.B. deren Office Produkt nur zum Medienpreis.
Mit Austieg einer Firma aus einem solchen Vertrag verlieren diese Lizenzen Ihre Gültigkeit. Beim nächsten Update mit Lizenzprüfung ist es dann vorbei mit der günstigen Nutzung zu Hause auf dem Privatrechner.

Selbst auf aktueller Hardware fühlt sich Windows 7 merklich zäh an. Ich finde es auch, so wie Vista, unübersichtlich. Wer sich auskennt, wird damit klar kommen – aber warum, wenn es auch einfacher geht. Auf der Festplatte nimmt es übrigens keine 16, sondern „nur“ 8 GB ein 😉

Meine Kollegen, alles Windows-Anhänger, wollen trotzdem nichts mit Linux zu tun haben – sie kenne es halt nicht anders und wissen daher nicht, was ihnen entgeht.

Andreas

Vista war für MS ein respektabler Reinfall (auch wenn sie natürlich das Gegenteil behaupten und mit Zahlen untermauern die reihenweise Vista XP downgrades verschweigen …). Es war ein derartiger Reinfall, daß nicht nur XP von den Totgesagten wiederbelebt wurde und bis zur Einführung von Windows 7 unterstützt wird, sondern Windows 7 sogar noch so eifrig entwickelt wurde, dass es vor Zeitplan veröffentlicht wird.

Und was hat das Vista Debakel für Linux marktanteilsmäßig gebracht? Nix. Ob nun der Umkehrschluss, das (ein gelungenes?) Windows 7 für den Linux Marktanteil keine Auswirkungen hat deswegen erlaubt ist, finde ich fraglich.

Dazu sollte man noch sagen das dieser XP Modus angeblich 15GB benötigt. Also 16 bzw 20 GB fürs System und nochmals 15 GB für XP Modus.

Das Klassische Menü ist auch verschwunden aus Windows 7 was wohl mehr Admine nerven wird als normalos.

egal, wie gut oder schlecht eine neues Windows wird. Es ist mir auch egal, welche Marktanteile Linux hat. Wer sich mit dem Zeug aus Redmond herumaergern will, soll es machen, was geht mich das an?

In den letzten Jahren wurde immer deutlicher, dass MS die Qualität seiner Systeme verbessern muss. Das kann doch nur von Vorteil sein, auch für Linux, Apple und Co. Linux, Apple und all die anderen haben es geschafft einen Wettbewerb bei den Betriebssystemen aufzubauen. MS muss Windows besser machen, sonst wandern die Kunden ab zu anderen Systemen, die im Bedienkomfort längst aufgeholt haben. Linux muss noch besser werden, um seine User zu halten und auch neue zu gewinnen. Im Endeffekt wird es aber darauf hinauslaufen, dass die Computerbesitzer sich das Betriebssystem wählen können, dass am ehesten zu ihnen passt. Alle Systeme… Mehr »
Es ist immer noch nicht einfach, einen PC zu bekommen, auf dem noch kein Windows zwangsweise installiert ist. Als ich vor 15 Jahren meinen ersten PC kaufte wußte ich nicht den Unterschied zwischen Intel und Microsoft und war froh, daß eine Software drauf war. Den Unterschied zwischen Betriebssystem und Programmen kannte ich auch nicht. So gehts es wahrscheinlich vielen Anfängern. Meinen jetzigen PC ohne Betriebssystem bekam ich so: In der Nähe hat ein Türke und sein Bruder eine Firma, wo man einen PC nach eigenen Wünschen zusammenbauen lassen kann, und ein Autoreifengeschäft. Seine erste Frage: Was möchten Sie machen? Keine… Mehr »
Immer wieder fallen in solchen Foren Sätze wie: „Linux muss sich mehr Mühe geben, die Benutzer anzusprechen“ usw. Dazu gibt es aus Sicht eines Linux-Admins folgendes zu bedenken: – Linux ist schon seit vielen Jahren „besser“ als Windows, hat mehr Features, unterstützt viel mehr Hardware (trotz mangelhafter Unterstützung seitens der Hersteller) und lässt sich auch einfacher installieren (sogar ganz bescheiden neben anderen OS’e). Was nützt das? Praktisch nichts, denn der normale Benutzer erwartet ein vorinstalliertes Betriebssystem und hat keinerlei Neugier, ein alternatives OS auszuprobieren resp. schlichtweg Angst davor. – Wer ist denn „Linux“? Wir alle sind Linux, also wenn Ihr… Mehr »