Kurztest: Belinea o.book 1301

Mega-Schnäppchen

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Das Belinea o.book 1301 ist ein Sub-Notebook mit einem auf 1,3 GHz getakteten Celeron-Prozessor, 1 GByte RAM und 13,3-Zoll-Display. Es wiegt 1,6 kg und ist unheimlich günstig.

Mal ehrlich: Wer kann schon widerstehen, wenn er ein komplett ausgerüstetes Sub-Notebook mit angeblich 8 Stunden Akkulaufzeit und vorinstalliertem Ubuntu zum Preis von 250 Euro vorgesetzt bekommt?

Ein genau solches Gerät bot der Online-Discounter One.de im Februar über seinen Online-Shop zum Verkauf an. Anstelle von 289 Euro kostete der Rechner mit 1 GByte Hauptspeicher, 160 GByte Festplatte und dem erwähnten 13-Zoll-Display mit 1280 x 800 Bildpunkten gerade mal 249 Euro. Da konnte ich einfach nicht mehr widerstehen.

Preis wert

So viel vorweg: Das o.book 1301 ist seinen Preis mehr als wert. Auch wenn One.de das Modell mit dem Single-Core-Celeron zurzeit zu diesem Schnäppchenpreis nicht mehr anbietet (beziehungsweise nur noch mit vorinstalliertem Windows für 100 Euro Aufpreis [1], lohnt sich ein Blick auf die etwas teurere Variante mit Dualcore-Prozessor, 2 GByte RAM und 320 GByte Festplatte [2]. Sie ist zurzeit für 380 Euro mit rotem Cover (S1320) beziehungsweise für 400 Euro in Schwarz (S1330) erhältlich. Da One.de die Preise relativ dynamisch hält, lohnt es sich, die Webseite vor dem Kauf ein paar Tage zu beobachten.

One.de bietet das o.book 1301 mit vorinstalliertem Ubuntu 9.10 an. Nach dem Hochfahren des Rechners erscheint der gewöhnliche OEM-Installationsbildschirm von Ubuntu. Hier legen Sie einen Benutzer an und melden sich danach am System an. Den Desktop hat One.de geringfügig angepasst (Abbildung 1): das Gnome-Panel befindet sich am unteren Bildschirmrand und ein paar zusätzliche Programme befinden sich auch an Bord, darunter das Musikprogramm aTunes.

Abbildung 1: Das o.book mit dem von One.de vorinstallierten Ubuntu-Desktop.
Abbildung 1: Das o.book mit dem von One.de vorinstallierten Ubuntu-Desktop.

Das Powermanagement des Notebooks funktioniert gut, auch wenn sich im System an keiner Stelle ein Hinweis zum Akku oder zu der noch verbleibenden Akku-Laufzeit findet (mehr dazu weiter unten). Der Rechner verfügt an der rechten Seite über zwei USB-Anschlüsse, sowie einen Mikrofon-Eingang und den Kopfhörer Ausgang (Abbildung 2). Daneben befindet sich relativ viel freier Platz, da es den Rechner auch in einer Variante mit CD-/DVD-Laufwerk gibt (Abbildung 3). Seltsamerweise zeigte Ubuntu 9.10 in den Tests im Dateimanager permanent auch ein CD-ROM-Laufwerk an, unter Ubuntu 10.04 trat dieses Problem hingegen nicht auf.

Abbildung 2: Die rechte Seite des o.books mit den Audio-Anschlüssen und den zwei USB-Buchsen.
Abbildung 2: Die rechte Seite des o.books mit den Audio-Anschlüssen und den zwei USB-Buchsen.
Abbildung 3: Ein optisches Laufwerk lässt sich auf Wunsch nachrüsten.
Abbildung 3: Ein optisches Laufwerk lässt sich auf Wunsch nachrüsten.

Auf der linken Seite bringt das o.book 1301 anstelle eines dritten USB-Anschlusses einen PCI-Express-Slot und gleich darunter den Kartenleser mit. Neben einem VGA-Ausgang verfügt das Gerät zudem auch über einen HDMI-Ausgang. Etwas ungünstig liegt die Fast-Ethernet-Buchse: Sie befindet sich gleich neben dem Stecker für das Netzteil.

Abbildung 4: Die linke Seite ist mit dem Kartenleser, PCI-Express, HDMI, VGA und Ethernet gut bestückt.
Abbildung 4: Die linke Seite ist mit dem Kartenleser, PCI-Express, HDMI, VGA und Ethernet gut bestückt.

Das Notebook ist solide verbaut, liegt gut in der Hand und bringt eine im Vergleich zu Netbooks sehr komfortable Tastatur mit. Die Tastatur selbst könnte etwas geschmeidiger sein, die einzelnen Tasten kippen wahlweise ein wenig nach rechts oder links. Das Trackpad mit separaten Tasten für den rechten und linken Mausklick verfügt über einen angenehmen Scrollbereich und Druckpunkt, der Bereich um das Touchpad ist zudem aus gebürstetem Metall, was dem Gerät zu einem noblen Aussehen verhilft, es aber auch anfällig für Fingerabdrücke macht (Abbildung 2).

Abbildung 5: Die Verarbeitung des Touchpads und der Handauflage.
Abbildung 5: Die Verarbeitung des Touchpads und der Handauflage.

Dass das Notebook tatsächlich nur 1,6 kg wiegt, merkt man leider beim Aufklappen. Versucht man, nur den Deckel zu öffnen, kommt die leichte Unterseite mit. Man benötigt somit zum Aufklappen beide Hände. Das spiegelnde Display lässt sich bis zu einem Winkel von rund 140° öffnen. Es ist sehr hell und regelmäßig ausgeleuchtet. Auf Arbeiten bei Tageslicht oder gar bei direkter Sonneneinstrahlung im Garten müssen Sie allerdings verzichten.

Kritikpunkte

Der Akku hält die auf der Homepage angegebenen acht Stunden nicht durch. Selbst bei komplett abgedunkelten Display und 100-prozentiger Untätigkeit macht er nach spätestens sechs, eventuell sechseinhalb Stunden schlapp. Bei einem durchschnittlichen Stromverbrauch von 12 (ohne WLAN) bis 14 Watt (mit WLAN) müsste der Akku für die versprochene Laufzeit rund einen Drittel mehr Leistung bringen. Selbst bei extremstem Stromsparen sinkt der Verbrauch nicht merklich unter 11 Watt. Somit ist bei einer halbwegs aktiven Nutzung spätestens nach fünf bis sechs Stunden der Akku leer. Bei einer durchschnittlichen Nutzung mit Surfen, Musikhören, Bilder betrachten etc. liegt die Akkulaufzeit bei rund viereinhalb Stunden bis fünf Stunden.

Abbildung 6: Ohne WLAN und mit reduzierter Displaybeleuchtung liegt der Stromverbrauch zwischen 11 und 13 Watt. Mit WLAN beträgt er rund 1-2 Watt mehr.
Abbildung 6: Ohne WLAN und mit reduzierter Displaybeleuchtung liegt der Stromverbrauch zwischen 11 und 13 Watt. Mit WLAN beträgt er rund 1-2 Watt mehr.

Dieser Kritikpunkt gilt auch für das vorinstallierte Ubuntu-9.10-System: es zeigte in den ersten Tests überhaupt keinen Akku an. Weder im Panel als Miniprogramm noch über die ACPI-Informationen des Pseudo-Dateisystems /proc ließen sich irgendwelche Informationen zum Akku oder zur Laufzeit entlocken. Die Datei /proc/acpi/batteri/BAT0/info vermeldete schlicht not present. Erst nachdem wir den Rechner mit Ubuntu 10.04 als zusätzlichem Betriebssystem bestückt hatten, erschien auch unter 9.10 ein Akku.

Abbildung 7: Unter idealen Bedingungen erreichen Sie mit dem Rechner eventuell sechs Stunden Akkulaufzeit, wie hier unter Ubuntu 9.10 angezeigt.
Abbildung 7: Unter idealen Bedingungen erreichen Sie mit dem Rechner eventuell sechs Stunden Akkulaufzeit, wie hier unter Ubuntu 9.10 angezeigt.

Die Batterieanzeige arbeitet unter dem allerneuesten Ubuntu nicht korrekt (siehe unten), aber das Powermanagement schaltet den Rechner zur gegebenen Zeit aus oder versetzt ihn in einen der gewählten Ruhezustände.

Laut den Informationen unter /proc/acpi/batteri/BAT0/info von Ubuntu 10.04 soll die Batterie über eine Kapazität von 35092 mAh verfügen, der zuletzt über die normale Aufladung erreichte Zustand liegt aber lediglich bei 20499 mAh. Diese Zahlen sind allerdings mit ziemlicher Sicherheit falsch, obwohl die Diskrepanz in etwa dem Unterschied zwischen den erreichten fünf Stunden Akkulaufzeit und den von One.de versprochenen acht Stunden liegt.

Kleinigkeiten

Sämtliche Schnelltasten funktionieren unter Ubuntu 10.04 ohne manuelles Setup. Allerdings schaltet sich die blaue LED für die WLAN-Anzeige nicht aus. Sie wissen somit nie, ob das WLAN nun eingeschaltet ist oder bloß die LED leuchtet. Diese Probleme treten auch unter dem vorinstallierten Ubuntu 9.10 auf, allerdings funktionieren hier nicht alle Schnelltasten. Testweise installierten wir auf dem o.book auch die aktuelle Entwicklerversion von OpenSuse 11.3 (Milestone 6): Hier lässt sich die LED per Schnelltaste an- und ausschalten, auch ein Entladen des WLAN-Kernelmoduls führt dazu, dass die LED erlischt. Mit aktuellen Kerneln funktioniert somit sämtliche verbaute Hardware ohne manuelles Zutun.

Ein weiteres Problem mit LEDs: Klappen Sie den Display-Deckel zu, versetzt sich das System automatisch in den Suspend-to-Ram-Zustand. Dummerweise befindet sich aber die langsam blinkende LED, die diesen Zustand anzeigt, unter dem Deckel. Sie sehen somit in zugeklappten Zustand nicht, ob das Gerät nun ausgeschaltet ist oder sich nur in einem Ruhezustand befindet. Mit einer zusätzlichen Statusanzeige an der vorderen linken Front ließe sich dieses kleine aber störende Manko leicht beheben.

Obwohl das o.book 1301 von Haus aus sehr leise arbeitet, schaltet sich der Lüfter von Zeit zu Zeit ein. Wann und wie oft er sich zu Wort meldet, hängt von der aktiven Nutzung ab. Da das System im Ruhezustand komplett lautlos arbeitet, macht sich dieses Ein- und Ausschalten relativ unangenehm bemerkbar, ein konstant drehender Lüfter bei niedriger Drehzahl wäre deutlich angenehmer.

Zu guter Letzt bleibt auch noch ein kleines Problem mit dem Akku: Obwohl Ubuntu 10.04 die Entladung korrekt misst und das System bei niedrigen Akku-Zustand automatisch in den Ruhezustand versetzt, scheint sich der Akku nie richtig aufzuladen. Zieht man den Netzstecker, geht das System deshalb davon aus, dass nur noch wenig Energie in der Batterie vorhanden ist und es erscheint ein entsprechender Warnhinweis (Abbildung 8).

Abbildung 8: Da Ubuntu 10.04 den Akku nicht ganz korrekt erkennt, kommt es zu solchen Falschwarnungen.
Abbildung 8: Da Ubuntu 10.04 den Akku nicht ganz korrekt erkennt, kommt es zu solchen Falschwarnungen.

Während eine solche Situation zu Hause in der Regel kaum vorkommt, stören die Fehlermeldungen bei einer schwankenden Stromversorgung, wie sie zum Beispiel im ICE oder anderen Zügen vorkommt enorm, da man die aktive Fehlermeldung zum kritischen Ladezustand immer wieder mit OK bestätigen muss.

Performance

Obwohl das o.book 1301 von der Ausstattung her klar einem Subnotebook entspricht, liegt es durch die relativ langsame Celeron-CPU (ULV 743 mit 1,3 Ghz) von der Leistung her eher im Bereich eines Netbooks. Trotz niedrigerer Taktfrequenz arbeitet es aber schneller als die klassische Atom-N270-CPU, so kommt das o.book beim Konvertieren von WAV-Dateien ins Ogg-Vorbis-Format auf die Rate 10,2, während der N270-Prozessor lediglich mit fünffacher Geschwindigkeit arbeitet.

Auch bei der Grafikleistung hinterlässt das Belinea einen guten Eindruck. Den offiziellen Trailer zum Bourne Ultimatum in H.264 mit einer Auflösung von 1920 x 816 Pixeln spielt es ohne zu ruckeln ab, allerdings handelt es sich dabei um ein HD-Video ohne CABAC.

Für einen HD-Film mit High Profile sind CPU und Grafik nicht genug stark, bei 720p lässt sich das Ergebnis gerade so noch betrachten (mit MPlayer).

Um den erwähnten Bourne-Trailer ins Ogg-Theora-Format umzuwandeln benötigte das o.book in den Tests mit Pitivi 30 Minuten (Abbildung 9), das daraus resultierende Video ließ sich ebenfalls flüssig wiedergeben.

Abbildung 9: Um den 1,5 Minuten langen Trailer aus H.264 nach Ogg Theora umzuwandeln, benötigt das o.book rund 30 Minuten.
Abbildung 9: Um den 1,5 Minuten langen Trailer aus H.264 nach Ogg Theora umzuwandeln, benötigt das o.book rund 30 Minuten.

Selbst bei dieser extrem CPU-intensiven Aufgabe erhitzte sich das Notebook an der Oberfläche kaum spürbar, auch die Geräteunterseite wurde nicht überdurchschnittlich warm, da der Ventilator während des Konvertierungsvorgangs mit konstanter Geschwindigkeit drehte. Der Stromverbrauch lag beim Video-Konvertieren unter Volllast zwischen 15 und 16 Watt.

Fazit

Das o.book bringt zwar rund ein halbes Kilo mehr auf die Waage als ein Netbook mit 10-Zoll-Display, zeigt aber dafür deutlich mehr Bildschirmfläche an und verfügt über eine volle Tastatur. Bei der Leistung kann der ULV-Prozessor gegenüber dem traditionellen Atom N270 ebenfalls punkten. Die Akkulaufzeit ist mit vier bis fünf Stunden absolut in Ordnung, wobei One.de die Werte auf seine Homepage dringend anpassen müsste. Ein besseres Notebook unter 250 Euro finden Sie zurzeit nicht.

Glossar

CABAC

Das Context-based Adaptive Binary Arithmetic Coding sorgt durch verlustfreie Komprimierung von Bilddaten für eine möglichst hohe Qualität in H.264-Videos. Allerdings benötigt man zur Wiedergabe eine entsprechend schnelle CPU bzw. GPU.

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5 Kommentare auf "Kurztest: Belinea o.book 1301"

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Super, man freut sich ja immer wieder, wenn’s mal etwas VERNÜNFTIGES mit vorinstalliertem Linux gibt. Bleibt nur zu hoffen, dass die Firma auch dabei bleibt und nicht wie Dell immer wieder neu anfängt und dann wieder aufgibt.
Weiß jemand eigentlich, warum es vorinstalliertes Linux momentan nur auf Net-/Notebooks gibt und niemand mehr Desktops anbietet?

hier habe ich einen PC mit vorinstalliertem Ubuntu gekauft:
http://www.webplanetcomputer.com

—snipp—
Das spiegelnde Display lässt sich bis zu einem Winkel von rund 140° öffnen. Es ist sehr hell und regelmäßig ausgeleuchtet. Auf Arbeiten bei Tageslicht oder gar bei direkter Sonneneinstrahlung im Garten müssen Sie allerdings verzichten.
—snipp—

Und schon ist jedes Kaufargument ad acta gelegt.
Es geht nicht nur um Garten, oder direkte Sonneneinstrahlung, sondern auch ungünstiges Licht etc…
Schade.
Grüsse

Ich habs jetzt im Sommer in Freien benutzt. Keine Probleme. Bin hochzufrieden, besonders bei diesem Preis! Volle Empfehlung.

Habe eines der letzten dieser Geraete erstanden, Sabayon (KDE) aufgespielt und bin mit der Performance und Problemlosigkeit absolut zufrieden: Mega-Schnaeppchen!

Leider scheint One.de auch unter die Microsoft-Fuchtel zu kommen, es werden nur noch wenige LapTops ohne OS angeboten, und die sind nicht besonders attraktiv. — Schade!