Free/Open-Source-NAS und Small Business Server im Schnelltest

Schlankes NAS statt dickem Server

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Wer zuhause oder im kleinen bis mittelständischen Unternehmen einen File- oder Small-Business-Server aufsetzen will, sollte sich die zahlreichen verfügbaren Free-/Open-Source-NAS/SBS ansehen.

Gründe für den Einsatz gibt es zahlreiche: Meist soll dazu vorhandene, stromsparende oder ältere Hardware eingesetzt werden, gelegentlich steht auch die Realisierung kundenspezifischer Lösungen im Fokus. Auch Open Source oder geringe Kosten sind oft ein Killer-Kriterium. Viele Anwender nutzen auch heterogene Systeme und wollen ihre zentralen Daten nicht auf proprietären Systemen speichern.

Meine Anforderung: Einen freies NAS / Small Business Server selbst zu bauen, um bei diversen Leuten den vorhandenen Win-XP-Server oder Windows Home Server zu ersetzen in einer Umgebung, in der sonst nur Windows-Clients existieren. Es werden spezialisierte Linux-/FreeBSD-Distributionen getestet, die dennoch frei verfügbar sind. Zu jedem System bietet der Hersteller Dienstleistungen an, die Sie über das eine oder andere Hindernis hieven, das bei Ihnen speziell auftreten kann. Ich habe bei jedem NAS/SBS getestet, ob neben Windows XP auch über den SMB-Konnector von Mac OS 10.6 (Intel) auf das System zugegriffen werden kann, dies hat in allen Fällen funktioniert. Die angepeilte Useranzahl ist 3-25. Ein einfach zu administierender File-Server ist Bedingung, ein Print-Server ist erwünscht. Die Administration muss komfortabel über ein Web-Frontend möglich sein.

Da ich keine Lust zum Putzen meiner Wohnung hatte, habe ich mir mal viel Zeit genommen und alle folgenden Systeme der Reihe nach heruntergeladen, auf dem Testsystem installiert und auf meine Bedürfnisse getestet. Es wurde für den Server ein NVIDIA MCP67-basierendes Board mit Athlon64 X2 4400+ verwendet. Als Basis-Festplatte für das Grundsystem wurde eine eine 64-GByte-SATA-MLC-SSD Verwendet, auch das DVD-Laufwerk war eine SATA-Version. Die zusätzlichen Storage-Festplatten (zwei mal je 320 GByte im angepeilten RAID-1-Verbund) wurden altmodisch über 80-pol IDE angebunden — das muss ja schliesslich auch gehen. Arbeitsspeicher (Shared mit Onboard-Grafikkarte) war 2 GByte. Diese Hardware-Kombination wurde gewählt, weil sie gerade hier herumgestanden ist, einen weiteren Grund gab es nicht. Ausserdem stellt das einen guten Durchschnitt in meinen Augen dar, der funktionieren muss.

Im Kurztest müssen sich beweisen: OpenFiler, FreeNAS, CryptoNAS, Eisfair, SME Server, eBox und ClearOS.

NAS (OpenFiler, FreeNAS)

Beide NAS-Systeme sind dafür ausgelegt, auf einem relativ schwachen Prozessor zu laufen, und das Basis-System soll auf einem kleinen Flash-Laufwerk Platz haben. Danach können über die Web-Oberfläche beliebige Laufwerke über USB, IDE/SATA oder iSCSI hinzugefügt und zu Volume Gruppen kombiniert werden. Will man das auf einem klassischen PC installieren, muss dieser Umstand berücksichtigt werden, z. B. ist eine kleine SSD für das System und 2 grosse Platten für das Software-RAID1 vorzusehen. AD/LDAP-Anbindung ist selbstverständlich möglich, ebenso Einbindung in fast jedes komplexe heterogene Netzwerk-Szenario. Daher sind auch umfanreiche Konfigurationsmöglichkeiten vorhanden, die den Einsteiger schnell überfordern. Das Forum hilft jedoch in allen Fällen weiter. FreeNAS ist FreeBSD-basierend, deshalb hat man evtl. Treiberprobleme beispielsweise mit externen Gigabit-Netzwerkkarten, wie ich erfuhr, im Gegensatz zum Linux-basierenden OpenFiler. Diesen Umstand gilt es zu überprüfen. Mit dem vorhandenen Test-System funktionierte jedoch alles. Print-Server ist erstmal nicht dabei, kann aber eventuell integriert werden. Beide Systeme erledigen die ihnen zugedachten Aufgaben sehr gut. Lediglich die insgesamte Transfer-Leistung über das Netzwerk soll bei diversen kommerziellen NAS höher sein, wäre in meinem Fall aber kein K.O.-Kriterium. Das OpenFiler ISO ist 315 MB groß, FreeNAS 72 MB.

OpenFiler Web-Frontend
OpenFiler Web-Frontend
FreeNAS Benutzerinterface
FreeNAS Benutzerinterface

CryptoNAS

Hierbei handelt es sich um ein NAS mit Verschlüsselung per LUKS, Volumes müssen erst über das Web-Frontend freigeschaltet werden. Ich hatte Probleme mit der Installation auf dem beschriebenen AMD-System, es fehlen scheinbar die Chipsatz-Treiber für die Festplatten. Die Distribution ist allem Anschein nach nur für diesen speziellen Anwendungsfall geeignet, die Hardware sollte deshalb genau ausgewählt werden. Vom System verschlüsselte (USB-)Platten können auch ohne CryptoNAS mit LUKS an einem normalen Linux-System entschlüsselt und genutzt werden. Insgesamt eine gute Grund-Idee für sensible Daten und zum Schutz der Privatsphäre, was gerade heutzutage immer wichtiger wird. Die Download-Größe des ISOs ist 69 MB.

Eisfair

Das System kann (fast) alles: File-Server, Print-Server, Interaktion mit fli4l und vieles mehr. Die Installation braucht kaum Plattenplatz, insgesamt hat das System einen sehr minimalistischen Ansatz, Pakete werden im .tgz-Format angeboten. Eine Administration über Web-Oberfläche ist nicht möglich, alles muss über die Kommandozeile in für den versierten Linux-Admin ungewöhnlichen Menüs erledigt werden. Eisfair fällt deshalb für mich flach, es ist wohl primär für sehr spezielle Anwendungsfälle zu gebrauchen. Theoretisch wäre es aber für den vorliegenden Einsatzzweck geeignet, denn es ist — mit etwas Bastelei — nahezu jedwedes Szenario damit realisierbar. Es gibt eine begeisterte Entwickler-Community mit vielen Hobbyisten, die damit erstaunliche Lösungen basteln. Die ISO-Datei misst 95 MB.

Eisfairs eigenwillige CLI-Menüs
Eisfairs eigenwillige CLI-Menüs

SME Server

Die Installation ist gut gestaltet und einfach. Es gibt ein schönes Web-frontend mit allen wichtigen Möglichkeiten. Die Distirbutions-Grundlage ist Redhat/Fedora, ein Druckserver ist möglich, ein Mail Server enthalten. Aber: „On SME Server, file shares are called i-bays (information bays), and each i-bay consists out of three folders: cgi-bin, files, and html. Into the files folder you put all files/documents that you want to share with others – these files will be accessible over Samba (e.g. in the windows Explorer).“ Dabei haben sich die Entwickler sicher etwas gedacht, es läuft aber mit meinen Anforderungen auseinander. Dieses Verhalten konnte man jedoch mit Logon-Skripten so umbiegen dass es über das Netzwerk wie normale Netzlaufwerke aussieht. Ansonsten bietet SME Server ein sehr umfangreiches Feature-Set, beispielsweise PPTP und Remote Access. ISO: 649 MB.

Die "iBays" von SME Server
Die „iBays“ von SME Server

eBox

Debian-/Ubuntu basierend werden die für mich geforderten Funktionen wie File- und Print-Server realisiert. Die Installation verlief problemlos, die Administration über Web-Frontend für alle Komponenten eines Linux-Server ist vorhanden, ebenso Firewall, PPTP und Remote Access. Die Menüs der Web-Oberfläche sind logisch und intuitiv strukturiert. Sämtliche CUPS-Druckertreiber sind integriert, E-Mail-Server und diverse Groupware-Funktionen sind vorhanden — sollte man das in Zukunft einmal brauchen. eBox ist im Moment mein klarer Favorit für die geforderte Aufgabe, ich habe keine Kritik-Punkte. Größe: 631 MB.

Das Dashboard von eBox
Das Dashboard von eBox

ClearOS

Im Installer haben die Entwickler den Langsam-Formatierer standardmäßig aktiviert. So dauert die Formatierung des 300-Gbyte-Dateisystems eine halbe Stunde – wer ClearOS installieren will, sollte ich schlau machen, ob dies vor der Installation irgendwo deaktivierbar ist. Nach der Grund-Installation sieht der Anwender eine browserähnliche grafische Konfiguration, die als einzige von allen Systemen auch in Deutsch verfügbar ist. Es gibt sehr umfangreiche Möglichkeiten, ClearOS hat den höchsten Funktionsumfang aller getesteten Systeme. Für meinen jetzigen gewünschten Einsatzzweck ganz klarer Overkill, aber man weiss ja nie, was die Zukunft bringt. Ohne Anleitung/Support ist eine ClearOS-Einrichtung jedoch nicht zu bewältigen. Das Sytem ist mit 699 herunterzuladenden MBs für das ISO-Image wie zu erwarten war die Speicher-Sau im Kurztest. Leider konnte ich ClearOS nicht umfangreicher testen, es war doch schon spät, der interessierte User muss das für sich selbst evaluieren.

Fazit

Im NAS-/SBS-Bereich gibt es mittlerweile genug angepasste Linux/BSD-Lösungen, mit denen man je nach Anwendungsfall zum geeigneten Ergebnis kommen kann. Der Griff zum proprietären System ist nur noch selten nötig. Aus dem Füllhorn der aufgezeigten Lösungen kann der Anwender sich die geeignetste Distribution frei herauspicken.

Systeme, die nicht beachtet wurden

Hier noch die Distributionen, die ich aufgrund des Anforderungsprofils von vornherein ausgeschlossen habe:

Standard-Debian/Ubuntu mit Samba-Server und CUPS sowie Webmin
So etwas kann sich jeder schnell selber aufsetzen, mir ging es jedoch um die Spezialisierung auf den gewünschten Einsatzzweck sowie eine angepasste WEB-GUI.

Nexenta-NAS mit ZFS
ZFS ist wohl nur bei vorhandenem Arbeitsspeicher von 4 GB und einer angepeilten Storage-Größe von 8 TB sinnvoll — deshalb wurde es in diesem Vergleich ausgelassen, darüberhinaus verfüge ich nicht über entsprechende OpenSolaris-Kenntnisse.

NSLU2-Lösungen
In der Tat erfreut sich das NSLU2 grosser Beliebtheit im Home-Bereich. Jedoch denke ich nicht, dass sich das System im Dauerbetrieb mit geschätzt 10 Benutzern und 2 externen USB-Festplatten entsprechend performant verhält — gerne lasse ich mich jedoch eines Besseren belehren.

Links zu den Projekten

Die jeweiligen Howtoforge-Anleitungen sind wichtig — ohne sie schafft der Anwender oft nicht einmal die Installation

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1 Kommentar auf "Free/Open-Source-NAS und Small Business Server im Schnelltest"

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Nexenta ZFS – Server
hat in etwa die gleichen Hardware-Vorraussetzungen wie Ubuntu, also Arbeitsspeicher ab 1GB und Systemplatte (auch USB-Stick) ab 4 GB. Nexenta ist ja auch quasi Ubuntu mit Opensolaris Kernel.

Was Datensicherheit, Handling und Erweiterbarkeit des Datenpools, Vermeiden von schleichenden Speicherfehlern („Datenrost“) , Windows ACL’s aber auch anderes wie z.B. ISCSI (z.B. für Apples Time-machine) angeht, spielt Opensolaris und damit auch Nexenta in einer komplett anderen Liga und ist den anderen in vielen Punkten Jahre voraus. Von der OS-Installation geht es sicher so einfach wie Ubuntu, anderes wie z.B. den SMB-Server aufsetzen, geht sogar erheblich einfacher.

Setup: http://193.196.158.121/napp-it.pdf
Testinstallation: http://www.napp-it.org/pop.html

gea