Im Test: Fit-PC2 von Compulab

Fit-PC2: Minirechner mit Atom Z530 und Poulsbo-Grafik

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Im Rahmen unserer Sommer-Spezial-Aktion bekamen wir einen Fit-PC2 gesponsort, den wir vor der Gewinnverteilung unter die Lupe nahmen.

Der kleine Fit-PC ist nicht einmal so groß wie zwei Schachteln Zigaretten und passt dank entsprechender Normbohrungen an die Rückseite jedes beliebigen TFT-Monitors. Trotz der sehr kleinen Abmessungen von 11 x 10 x 2,5 Zentimetern verfügt der Rechner über zwei USB-Anschlüsse an der Front und sogar vier an der Rückseite. Ein Mini-SD-Kartenleser sorgt für die Datenübertragung von Fotoapparaten, Mobiltelefonen oder MP3-Playern. Die Kommunikation mit der Außenwelt findet über die Ethernet-Buchse oder das integrierte WLAN-Modul statt. Dank HDMI-Ausgang lassen sich auch aktuelle Bildschirme über den Rechner betreiben.

Hartes Innenleben

Im Innern des Fit-PC2 werkelt je nach Modell eine Atom-Z530- oder eine Atom-Z510-CPU von Intel, die auf 1,6 GHz (Z530) beziehungsweise 1,1 GHz getaktet ist. Der Rechner verfügt über 1 GByte RAM (nicht erweiterbar) und zwei Speicherslots: den Mini-SD-Kartenleser sowie eine interne 2,5-Zoll-SATA-Festplatte. Unter Volllast zieht der Rechner rund 9 Watt Leistung.

Echt klein: der Fit-PC ist kleiner als eine Doppel-CD-Hülle.
Echt klein: der Fit-PC ist kleiner als eine Doppel-CD-Hülle.

Die Besonderheit am stromsparenden Rechner besteht in der Grafikeinheit. Hier kommt der Intel-Chipsatz GMA500 mit dem Codenamen Poulsbo zum Einsatz, der für Videos im H.264-Format volle Hardwarebeschleunigung bietet und über die HDMI-Schnittstelle Auflösungen bis zu 1920 x 1080 Bildpunkten unterstützt (Full-HD).

Bei dieser Hardwarekomponente liegt denn auch der Hund begraben. Der Linux-Treiber für den Poulsbo-Chipsatz entstand bei Dell, als diese für das Mini12 einen passenden Treiber benötigten. Außer Ubuntu bietet zurzeit kaum eine Distribution einen passenden Treiber dazu an, ohne Grafikbeschleunigung macht der ansonsten aber eher schwache Rechner nicht richtig Spaß. Zudem handelt es sich beim aktuellen Intel-Code um einen Closed-Source-Treiber. Die Chancen, dass sich die Situation mit zukünftigen Linux-Versionen verbessert, stehen somit eher schlecht. Der gleiche Chipsatz befindet sich auch im Netbook MSI Wind U115, so dass die folgenden Informationen mit kleinen Änderungen auch für den Mini12 von Dell und das MSI-Netbook gelten.

Ubuntu, OpenSuse, Fedora

Wenn Sie den Rechner direkt auf der Homepage von Compulab bestellen, kommt die Linux-Variante für rund 400 US-Dollar mit vorinstalliertem Ubuntu 8.04. Im Fit-PC2-Wiki findet sich aber auch eine Anleitung, wie Sie Ubuntu 9.04 installieren. Compulab stellt dazu ein passendes Repository bereit, welches unter anderem einen angepassten Kernel, den X.org-Treiber und eine spezielle MPlayer-Version (mplayer-vaapi) enthält. Für die Installation richten Sie Ubuntu 9.04 von einem USB-Stick oder einem externen Laufwerk ein und ergänzen die Datei /etc/apt/sources.list um die folgenden zwei Zeilen

deb http://fit-pc2.com/download/ubuntu/dists/jaunty binary/
deb-src http://fit-pc2.com/download/ubuntu/dists/jaunty source/

Danach installieren Sie den neuen Kernel, X-Treiber, MPlayer und entfernen die nicht mehr benötigten Komponenten. Die einzelnen Schritte im Detail listet das Fit-PC2-Forum auf. Laut Forumseintrag arbeitet Ubuntu 9.04 allerdings etwas langsamer als der Vorgänger 8.04. Besitzen Sie ein Modell mit WLAN-Anschluss, finden Sie im PPA-Repo von Markus Heberling Debian-Pakete für den Realtek 3090-Chipsatz. Unser Testgerät kam ohne WLAN-Anschluss.

Auch OpenSuse 11.1 lässt sich mit entsprechenden Repositories relativ problemlos in Betrieb nehmen. Hier fügen Sie nach der Installation das für das Netbook MSI Wind U115 gedachte Repository von Algraf hinzu und installieren danach das Paket xorg-x11-driver-video-psb. Es zieht automatisch das passende Kernel-Modulpaket mit sich. Anschließend wechseln Sie mit init 3 in den Textmodus und richten die grafische Oberfläche über den Befehl sax2 -r -m 0=psb ein.

Der geschlossene Poulsbo-Treiber von Intel macht's möglich: Flüssige HD-Wiedergabe bei einem Stromverbrauch unter 10 Watt.
Der geschlossene Poulsbo-Treiber von Intel macht’s möglich: Flüssige HD-Wiedergabe bei einem Stromverbrauch unter 10 Watt.

Für Fedora 11 gibt es ein passendes Repository von Adam Will. Sie richten es über den Befehl rpm -Uvh http://adamwill.fedorapeople.org/poulsbo/i586/poulsbo-repository-release-11-1.noarch.rpm ein und installieren danach das Paket xorg-x11-drv-psb. Es zieht Abhängigkeiten aus dem RPM-Fusion-Repository nach. Falls noch nicht aktiviert, schalten Sie deshalb das RPM-Fusion-Repo frei. In unseren Tests mussten wir zudem noch mit Yum das Paket kernel-devel und den dazu passenden Kernel einspielen, da der Fit-PC2 nur mit dem Default-Kernel zusammenarbeitet, nicht mit der PAE-Version. Für das Setup der grafischen Oberfläche laden Sie entweder die xorg.conf-Datei für Ubuntu 9.04 von Compulab herunter oder ändern von Hand den Driver-Eintrag im Abschnitt Devices zu

Driver "psb"

Eine einfache Konfigurationsdatei für einen Dualhead-Betrieb mit einem Sony Vaio P finden Sie auf der Homepage von Adam Will. In unseren Tests gelang es mit dem Poulsbo-Treiber allerdings nicht, den X-Server des Fit-PC2 zu starten.

Nach den Tests mit OpenSuse, Fedora 11 und Ubuntu 9.04 entschlossen wir uns, unserer Sommer-Spezial-Kandidatin Kubuntu 9.04 zu installieren.

Performance

Die Stärke des Fit-PC2 liegt klar nicht in der CPU-Performance. Der Kleine brachte es mit dem auf 1,6 GHz getakteten Atom Z530 beim Umwandeln von WAV-Dateien ins OGG-Vorbis-Format nur auf den Faktor 4,0 und liegt damit hinter der gleich schnellen Atom N270 zurück, die es immerhin auf einen Faktor 5,5 bringt. Zum Vergleich: aktuelle Vierkernprozessoren erreichen Werte über 40. Die Sternstunde des Fit-PC2 schlägt hingegen bei der Videowiedergabe. Hier spielt der Rechner ruckelfrei Videos von 720p ab und geht auch bei 1080p noch nicht in die Knie. Das alles bei einem Stromverbrauch von 8 bis 9 Watt. Unter Ubuntu funktioniert auch der Suspend-to-RAM und der Reboot zuverlässig. Bei den Tests mit Fedora und OpenSuse blieb der Rechner manchmal hänge, ein Neustart war nur über den Ausschaltknopf möglich. Fedora 11 und OpenSuse 11.1 zeigten zudem zeitweise Hänger, wie wenn sich das System schlafengelegt hätte, wenn man weder den Mauszeiger bewegte noch die Maus nutzte.

Vierfaches OGG-Encoding gehört nicht gerade zu den Spitzenleistungen...
Vierfaches OGG-Encoding gehört nicht gerade zu den Spitzenleistungen…

Fazit

Der Fit-PC2 hinterlässt einen gespaltenen Eindruck: Ein kleiner Lüfter würde dem Gerät gut tun. So erhitzte sich der Minirechner in den Tests gerade bei der Installation deutlich mehr als nur handwarm, im Sommer an einem TFT-Bildschirm montiert nicht die optimale Lösung. Für Linux-Nutzer stellt der Poulsbo-Grafikchipsatz das größte Problem dar. Die Treiber befinden sich in einem schlechten Zustand und haben zurzeit kaum Chancen, in den Kernel integriert zu werden. Somit ist der Nutzer auf eine Distribution angewiesen, die passende Pakete mitbringt. Andererseits bietet die Firma hinter dem Fit-PC2 ? Compulab ? selbst Abbilddateien und Installationsanleitungen für Ubuntu 8.04 und 9.04 an, so dass zumindest der Ubuntu-Support mittelfristig gesichert ist. Die Videowiedergabe mit dem Poulsbo-Treiber ist bei dem Stromverbrauch schlicht sensationell. Wer mit dem Gedanken spielt, den Fit-PC2 zu kaufen, sollte in jedem Fall Ubuntu mögen. Andere Distributionen arbeiten nur sehr zäh mit dem kleinen PC zusammen.

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1 Kommentar auf "Im Test: Fit-PC2 von Compulab"

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habe auch einen von http://www.pcgreen.de
also ich hab mir ein dual-boot mit windows xp als zweit distri eingerichtet – das läuft auch total flüssig.
bin mal gespantn auf den RC von 9.10 mit der neuen intel unterstützung