Das Spiel zum Wochenende: Pathological

Explosive Knickerbahn

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Bereits 1991 ließen zahlreiche Spieler kleine gefärbte Murmeln in Metallteller kullern. Schuld war das Knobel- und Geschicklichkeitsspiel Logical. Linux-Nutzer dürfen in einem weitgehend originalgetreuen Klon dem fesselnden Spielprinzip frönen.

Auch in Pathological laufen bunte Kugeln über Metallrinnen zu grauen Tellern. Diese fangen die Kügelchen in kleinen Mulden ein. Konnte der Spieler vier gleichfarbige Kugeln in sie leiten, explodiert der komplette Teller. Wurden auf diese Weise alle Teller gesprengt, erscheint die nächste Knickerbahn.

Abbildung 1: Gesprengte Teller sind glücklicherweise weiterhin funktionsfähig.
Abbildung 1: Gesprengte Teller sind glücklicherweise weiterhin funktionsfähig.

Drehwurm

Die Kugeln speist das Spiel aus einem Magazin auf der rechten Seite des Bildschirms nacheinander in das System ein. Die erste Kugel rollt am oberen Rand entlang, bis sie irgendwo in eine freie Mulde der angeschlossenen Teller plumpst. Anschließend geht direkt die nächste Kugel auf Reisen.

Über einen gezielten Klick mit der rechten Maustaste darf der Spieler einen Teller drehen, ein Linksklick auf eine eingefangene Kugel holt sie aus ihrer Mulde wieder heraus – weitere Einflussmöglichkeiten gibt es nicht.

Abbildung 2: Spätestens der zwölfte Level ist nicht mehr in nur einem Anlauf zu schaffen.
Abbildung 2: Spätestens der zwölfte Level ist nicht mehr in nur einem Anlauf zu schaffen.

Druckmittel

Dem Spieler sitzt zudem ständig die Zeit im Nacken. So bleiben ihm nur wenige Sekunden, die aus dem Magazin gefeuerte Kugel in einem der Teller unterzubringen. Wie viel genau, verrät der langsam schwindende, blaue Balken auf der linken Fensterseite. Zusätzlich läuft am oberen Rand gnadenlos die Spielzeit ab. Um im ersten Level alle Teller zu sprengen, erhält der Spieler noch generöse 10 Minuten, später steht wesentlich weniger Zeit zur Verfügung. Sollte eine der beiden Uhren ablaufen, verliert man eines von insgesamt drei Leben und der Level beginnt von vorne.

Darüber hinaus verkraften die Rinnen nur eine bestimmte Anzahl gleichzeitig laufender Kugeln. Ist diese Grenze überschritten, geben die Teller keine Kugeln mehr ab. Wie viele von Ihnen eine Verstopfung verursachen würden, zeigt die Zahl links oben in der Ecke an: Die erste Ziffer nennt die gerade frei laufenden Kugeln, die nach dem Schrägstrich die maximal möglichen.

Spießrutenlauf

Für weitere Abwechslung sorgen in höheren Level Spezialelemente. So gibt es beispielsweise fiese Puffer, die eine Kugel so lange festhalten, bis sie eine andere hinaus stößt. Einbahnstraßen lassen Kugeln in nur eine bestimmte Richtung laufen und Filter ausschließlich bestimmte Farben passieren. Malkästen wiederum färben die durchlaufende Kugel bunt, während sie der Totenkopf schreddert.

Eine besondere Bedeutung haben die so genannten Trigger und Stoplight-Symbole. Sie geben vor, in welcher Reihenfolge man die Teller mit welchen Farben zu bestücken hat. Das Stoplight in Form einer Ampel legt die Farben fest, mit denen man die ersten drei Teller komplettieren muss. Ist beispielsweise die oberste Farbe des Stoplight Rot, so muss man den ersten Teller mit roten Kugeln in die Luft jagen. Der Trigger ist noch etwas gemeiner. Er gibt die exakte Belegung vor, mit der man seinen ersten Teller sprengen muss. Alle weiteren Spezialelemente nennt die How to Play-Seite auf der Pathological Homepage [1].

Bastelspaß

Für gesprengte Teller und ausgetrickste Spezialelemente beziehungsweise erfüllte Auflagen, vergibt das Pathological Punkte. Die besten Spieler merkt sich eine Highscore-Liste. Dies motiviert, selbst bekannte Level noch einmal zu lösen.

Wer alle von ihnen durchgespielt hat, darf schließlich seine eigenen Level erstellen. Dazu öffnet man mit einem Texteditor die Datei all-boards im Unterverzeichnis circuit des Pathological-Spieleordners (im Fall von Ubuntu lautet dieser /usr/share/games/pathological). In ihr sind alle Karten enthalten, am Anfang findet sich eine kurze Einführung in den Aufbau. Auf der Pathological Homepage steht zudem ein Archiv mit den 25 besten, von Fans erstellen Leveln bereit.

Pathological liegt allen gängigen Distributionen bei und lässt sich mit wenigen Handgriffen über den hauseigenen Paketmanager installieren.

Fazit

Die Grafik ist einfach und zweckmäßig, bleibt aber noch hinter dem Fast 20 Jahre alten Vorbild [2] zurück. So färbt Pathological explodierte Teller lediglich schwarz und zeigt keine hübsche Animation. Das Spielprinzip übertrugen die Entwickler jedoch unverändert ins 21. Jahrhundert. Seine Beschreibung klingt vermutlich zunächst etwas wirr, erschließt sich aber nach den ersten Spielminuten sofort und entwickelt dann schnell ein hohes Suchtpotential. Die Level der freien Neuauflage stimmen nicht ganz mit denen aus Logical überein, sind aber dennoch fordernd und durchweg fair. Der Schwierigkeitsgrad steigt langsam an, so dass auch Einsteiger schnell mit dem etwas ungewöhnlichen Spielprinzip warm werden. Bis die 50 Level gelöst sind, dürften mehrere Stunden vergehen.

Pathological-Details

Bezugsquelle: http://pathological.sourceforge.net
Lizenz: GPL v2
Preis: kostenlos
Voraussetzungen: Halbwegs aktuelle Linux-Distribution

Infos

[1] Projekt-Homepage: http://pathological.sourceforge.net

[2] Video des Vorbildes Logical: http://www.youtube.com/watch?v=9Tpj7qZcgQ8

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