Spiele zum Wochendende: Die Gewinner des Blender Game Contest 2010

Drei kleine Blender

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Das quelloffene 3D-Grafik-Programm Blender enthält eine eigene Spiele-Engine, die schon das viel beachtete Yo Frankie! antrieb. Was sich sonst noch mit ihr anstellen lässt, zeigen die eindrucksvollen Gewinner des diesjährigen Blender Game Contest.

Die Teilnehmer musste ein kleines Spiel entwickeln, das jedoch mehr bieten sollte, als einfache Ballerorgien. Als Basis diente Blender 2.49b und die freie Bullet Physik-Engine [3],[4]. Dessen Hauptentwickler spendierte zudem die Preise: Der Gewinner durfte sich über 500 US Dollar und eine PSP Go freuen. Abgabeschluss war im Februar 2010, die von der Community gewählten Sieger standen am 14. März fest [1].

Link It!

Der dritte Platz und somit immerhin noch 50 Dollar Preisgeld gingen an Link It! von Dominik Klooz. In seinem Knobelspiel muss man einen Ball von einer Startrampe zu einer Zielkiste leiten. Dazu zeichnet man mit der Maus Linien in die Landschaft, über die dann der Ball rollt. Dieses Unterfangen erschweren hydraulische Stempel, Mauern und andere fiese Hindernisse. Das süchtig machende Spielprinzip erinnert an eine Mischung aus Crazy Machines und Crayon Physics [6].

Abbildung 1: In Link It! muss das Runde in das Eckige (rechts unten).
Abbildung 1: In Link It! muss das Runde in das Eckige (rechts unten).

Cargo

100 Dollar für den zweiten Platz erhielt die Truppe um Alex Fraser für Cargo. In diesem Geschicklichkeitsspiel übernimmt der Spieler die Rolle einer Schnecke, die ausgeraubt wurde. Um ihr Hab und Gut zurück zu bekommen, schleimt sie sich durch einen Hindernisparcours. Wie jede Schnecke kann sie sich in ihr Haus zurück ziehen und so Abhänge herunterrollen. Darüber hinaus haftet sie mit ihrem Schleim an Decken und Wänden, ein Oben und Unten gibt es somit nicht mehr. Diese Eigenschaft führt zu interessanten Puzzlen, nicht selten verliert man als Spieler dabei aber auch die Orientierung.

Cargo befindet sich allerdings noch in einem frühen Entwicklungsstadium. Laut Projektseite umfasst die zum Wettbewerb eingereichte Version nur eine kleinen Ausschnitt des geplanten Hauptspiels.

Abbildung 2: Die Schnecke muss in Cargo über das Wasser. Taucht sie zu lange unter, ist ihr der Spieltod gewiss.
Abbildung 2: Die Schnecke muss in Cargo über das Wasser. Taucht sie zu lange unter, ist ihr der Spieltod gewiss.

Lucy and the time machine

Den ersten Platz errang Lucy and the time machine von Vitor Balbio und Bernardo F. Hasselmann. Es versetzt den Spieler in eine Parallelwelt, die mittelalterliches Ambiente mit weit entwickelten (Dampf-)Maschinen und Fantasy-Elementen mischt. Hauptdarstellerin ist die kleine Lucy, Tochter eines berühmten Erfinders. Zusammen mit einem kleinen fliegenden Robotergehilfen geht sie auf die Suche nach einer gestohlenen Zeitmaschine.

Das Spiel selbst ist ein klassisches Jump and Run im 3D-Gewand. Ähnlich wie SuperTux [5] steuert man Lucy durch eine horizontal scrollende Landschaft, springt über Hindernisse und löst kleine, physikalische Rätsel.

Die wunderschöne Grafik darf man allerdings nur mit einer möglichst aktuellen Grafikkarte bewundern. Auf unserem Testrechner mit einer älteren NVidia 7600-Karte erhielten wir nur ein ruckelndes, farbloses Etwas wie in Abbildung 3. Immerhin findet man ein Video auf YouTube: http://www.youtube.com/watch?v=bf8YbCdSh8M

Ähnlich wie bei Cargo existiert von Lucy and the time machine derzeit nur eine Demo-Version. Wann das komplett fertige Spiel erscheint und ob es kostenlose erhältlich sein wird, ist derzeit noch unbekannt.

Abbildung 3: Erscheint Lucy and the time machine derart farbarm, sollte man zunächst den Grafikkartentreiber aktualisieren. Hilft auch das nichts, muss eine neuere Grafikkarte her.
Abbildung 3: Erscheint Lucy and the time machine derart farbarm, sollte man zunächst den Grafikkartentreiber aktualisieren. Hilft auch das nichts, muss eine neuere Grafikkarte her.

Blendende Startbedingungen

Die Inbetriebnahme der Spiele ist recht einfach: Nachdem man sichergestellt hat, dass die 3D-Beschleunigung der Grafikkarte funktioniert, spielt man über den hauseigenen Paketmanager Blender in mindestens Version 2.49b ein. Anschließend lädt man von der Blender Game Contest-Homepage [1] das Archiv des jeweiligen Spiels herunter und entpackt es. Heraus purzelt eine auf .blend endende Datei. Diese öffnet man nun in Blender oder ruft sie in einem Terminalfenster direkt auf:

blender Dungeon.blend

startet beispielsweise Cargo.

Sollte das Spiel nicht auf Anhieb starten, sondern ein merkwürdig defekt wirkender Schirm erscheinen, hilft ein Druck auf die Taste [P].

Die Steuerung im Spiel erfolgt unterschiedlich: Die Schnecke in Cargo kriecht über die Pfeiltasten, Lucy läuft per [D] vorwärts und springt mit der Leertaste. Eine Linie in Link it! sprüht man bei gedrückter linken Maustaste, die rechte radiert die Zeichnung wieder weg.

Fazit

Die Qualität der eingereichten Spiele überrascht und beeindruckt. Das gilt nicht nur für die Gewinner, auch unter den übrigen Teilnehmern findet man interessante Werke (im Bereich Contestants with game download). Auch die Wettbewerbe aus den Vorjahren sind einen Blick wert [7],[8]. Bleibt nur zu Wünschen, dass Cargo und Lucy and the time machine recht bald in einer Vollversion erscheinen.

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