Das Spiel zum Wochenende: Full Throttle Remastered

Vollgas

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Nachdem Windows- und macOS-Nutzer bereits mit Biker Ben einen Mord aufklären durften, kommen jetzt endlich auch Linux-Nutzer in den Genuss der überarbeiteten Fassung eines Adventure-Klassikers aus den 1990er Jahren.

In einer nicht ganz so fernen Zukunft schweben nur noch langweilige Autos über die amerikanischen Highways. Zu den wenigen altmodischen Motorradfahrern gehören Ben und seine Gang Polecats. Mit ihren imposanten und chromblitzenden Feuerstühlen brettern sie über den schwarzen Asphalt. Das Leben könnte somit nicht besser sein, wäre da nicht die ziemlich miserable finanzielle Situation der Truppe. In einem einsamen Gasthaus am Highway trifft Ben mit seinen Jungs auf den bereits ziemlich ergrauten Unternehmer Malcolm Corley. Als Inhaber des letzten Herstellers von Motorrädern ist er gerade mit seinem Vizepräsidenten auf dem Weg zur Aktionärsversammlung. Kurzerhand bietet er den Polecats an, ihn werbewirksam auf die Versammlung zu begleiten. Dankend lehnt Ben das Angebot jedoch ab. Nur unwesentlich später wacht Ben mit Kopfschmerzen in einem Müllcontainer auf. Vom Unternehmer und den Polecats fehlt jede Spur.

Spieler haben die Wahl zwischen der aufpolierten Grafik …
Spieler haben die Wahl zwischen der aufpolierten Grafik …

Aufpoliert

Mit dieser Vorgeschichte beginnt das Adventure Full Throttle, hierzulande auch unter der deutschen Übersetzung Vollgas bekannt. Entwickler LucasArts veröffentlichte das Spiel bereits 1995, damals noch für das Betriebssystem MS-DOS. Full Throttle war zudem eines der ersten Adventures, das ausschließlich auf dem neuen Medium CD-ROM erschien, durchgehende Sprachausgabe bot und zudem noch mit einem Soundtrack der Rockband „The Gone Jackals“ aufwarten konnte. Als Projektleiter zeichnete damals Tim Schafer verantwortlich, der jetzt mit seiner Firma Double Fine Arts sein altes Adventure generalüberholt hat.

… und dem rund 20 Jahre alten Original.
… und dem rund 20 Jahre alten Original.

Die Entwickler von Double Fine Arts haben insbesondere die Grafik aufpoliert, die jetzt auch hochauflösende 4K-Bildschirme berücksichtigt. Per Tastendruck lässt sich während des Spiels zwischen der neuen und der originalen Grafik umschalten. Als Bonus können Spieler in fast jeder Szene einen Audio-Kommentar abrufen, in dem Tim Schafer und einige weitere seiner Mitarbeiter Einblick in die Entwicklung geben und witzige Anekdoten erzählen.

Nach einem Klick auf ein Objekt, wie hier dem Benzinkanister, erscheint dieses Menü. Würde man hier jetzt die Maustaste loslassen, würde Ben seinen Mund an den Benzinkanister führen – oder sich weigern.
Nach einem Klick auf ein Objekt, wie hier dem Benzinkanister, erscheint dieses Menü. Würde man hier jetzt die Maustaste loslassen, würde Ben seinen Mund an den Benzinkanister führen – oder sich weigern.

Lenker

Die Steuerung erfolgt wie in anderen Adventures und dem Original üblich: Per Mausklick dirigiert der Spieler den Helden Ben durch die Landschaft. Ein Klick auf einen Gegenstand oder eine Person holt mehrere Symbole auf den Bildschirm. Über die lässt man Ben seine Hände, den Mund, die Augen oder seine Beine benutzen. Abhängig vom Objekt führt der Held dann eine entsprechende Aktion aus. Nutzt man etwa den Mund mit dem Container, würde ihn Ben ablecken. Verknüpft man hingegen das Mund-Symbol mit dem Barkeeper, spricht Ben letztgenannten an. Die Diskussionen selbst laufen dabei nach dem bekannten Multiple-Choice-Prinzip ab.

In den Gesprächen hat man meist mehrere Optionen, die man nacheinander auch durchgehen sollte.
In den Gesprächen hat man meist mehrere Optionen, die man nacheinander auch durchgehen sollte.

Double Fine verkauft Full Throttle Remastered für 15 Euro auf Steam [2], bei Gog.com [3], im Humble Store [4] und bei Itch.io [5]. Eine kopierschutzfreie Fassung gibt es nur bei Gog.com, Itch.io und im Humble Store. Im letztgenannten Online-Shop erhalten Käufer zudem noch einen Key, mit dem sie das Spiel auf Steam freischalten können. In jedem Fall liegt Full Throttle ausschließlich als 32-Bit-Version vor.

Wer in den Optionen die Audio-Kommentare einschaltet, kann in fast jeder Szene per [a] die Erinnerungen von Tim Schafer und den anderen Entwicklern abrufen.
Wer in den Optionen die Audio-Kommentare einschaltet, kann in fast jeder Szene per [a] die Erinnerungen von Tim Schafer und den anderen Entwicklern abrufen.

Fazit

Wie schon bei den überarbeiteten Versionen von Grim Fandango [6] und Day Of The Tentacle [7] haben Tim Schafer und sein Team gute Arbeit geleistet. Die behutsam überarbeitete Grafik bewahrt den Stil und die düstere Atmosphäre, zudem sieht sie auch auf größeren Monitoren zeitgemäß aus. Die spannende und ausgeklügelte Geschichte zieht den Spieler noch immer in den Bann, der rockige Soundtrack der Gruppe „The Gone Jackals“ sorgt für die passende Stimmung. Es gibt jedoch auch ein paar negative Seiten.

Beispiel für eines der Rätsel: In diesem Fall muss Ben in den Schrottplatz einbrechen. Solange er an der Kette zieht, bleibt das Tor geöffnet. Sobald er die Kette loslässt, rauscht das Tor jedoch wieder herunter.
Beispiel für eines der Rätsel: In diesem Fall muss Ben in den Schrottplatz einbrechen. Solange er an der Kette zieht, bleibt das Tor geöffnet. Sobald er die Kette loslässt, rauscht das Tor jedoch wieder herunter.

So bewegen sich die Figuren in der Remastered-Version etwas hölzern. Im Gegenzug heben sich die per Computer generierten Grafiken nicht so deutlich von den handgezeichneten Grafiken ab, wie dies noch in der ursprünglichen Fassung der Fall war. Sie wirken folglich nicht mehr wie Fremdkörper, wodurch die Grafik der Remastered-Version mehr aus einem Guss erscheint. Die häufigen und wiederholten Action-Sequenzen auf dem Bike nerven allerdings immer noch. Das größte Problem kann aber auch die liebevolle Überarbeitung nicht beseitigen: Da sich die wenigen Rätsel im Zweifelsfall schnell per Ausprobieren lösen lassen, flimmert schon nach wenigen Stunden der Abspann über den Bildschirm.

Full Throttle setzt fast durchgehend auf eine düstere Atmosphäre. Größere Distanzen überbrückt man wie hier auf einer Karte.
Full Throttle setzt fast durchgehend auf eine düstere Atmosphäre. Größere Distanzen überbrückt man wie hier auf einer Karte.

In dieser Zeit wird man als Spieler jedoch extrem gut unterhalten und dürfte bei den lockeren Sprüchen von Ben mehrfach die Mundwinkel nach oben gezogen haben. Wer Full Throttle noch nicht kennt und Adventures oder post-apokalyptisch angehauchte Geschichten mag, der kann die 15 Euro beruhigt investieren. Wer das Original besitzt, sollte anhand der Screenshots entscheiden, ob er für diesen Preis zugreift: Das Spiel selbst blieb unverändert, die Audio-Kommentare sind zudem recht kurz gehalten und beschränken sich meist auf Anekdoten. Das Original lässt sich nach wie vor mit der Software ScummVM [8] unter Linux spielen.

Full Throttle Remastered

Bezugsquelle:  http://fullthrottle.doublefine.com/
Entwickler: CoreCode
Lizenz: Kommerziell
Preis: 5,49 Euro
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik, Prozessor ab der Klasse Intel Core 2 Duo mit 2,4 GHz, mindestens 4 GByte Hauptspeicher, Grafikkarte ab der Klasse NVIDIA GeForce GTX 260, AMD/ATI Radeon 4870 HD oder Intel HD 4000 (Grafikkarte und Treiber müssen den Standard OpenGL 3.3 unterstützen)

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