Das Spiel zum Wochenende: Fragments of Euclid

Hallo, Herr Escher!

0

Im erfolgreichen Knobelspiel Portal muss man über Zimmerdecken und Wände aus einem Forschungskomplex flüchten. Antoine Zanuttini treibt das noch auf die Spitze und steckt den Spieler in eine Zeichnung von M.C. Escher.

Im Denkspiel Fragments of Euclid steht der Spieler zu Beginn vor einer Treppe. Diese führt weiter an der Wand lang, über die Decke, bis zu einem Ausgang, der schräg an der Wand hängt. Die komplette Szene wirkt, als wäre sie geradewegs aus einer der berühmten Zeichnungen des Künstlers M.C. Escher entsprungen. Wie der Spieler hier hingekommen ist und wie er vor allem aus dieser Zeichnung wieder heraus kommt, muss er mit ordentlich Gehirnschmalz und einem guten Orientierungssinn selbst herausfinden.

Zu Beginn des Spiels steht man einfach nur vor einer Treppe. Blickt man jedoch …
Zu Beginn des Spiels steht man einfach nur vor einer Treppe. Blickt man jedoch …

Durchgedreht

Bei der Flucht helfen vor allem die Ausgänge: Durchschreitet man eine von ihnen, steht man plötzlich auf einer Wand oder klebt an der Zimmerdecke. Dort kann man dann wiederum über die zuvor nicht erreichbare Treppe zum nächsten Ausgang weiterlaufen. Bei der Orientierung helfen neben markanten Objekten im Raum auch die Muster der Tapeten und Gemälde, deren Pfeile beispielsweise immer in die gleiche Richtung zeigen. Auf diese Weise lassen sich Wege zum eigentlichen Ausgang finden, der dann wiederum zum nächsten Raum führt.

… nach oben, zeigt der Raum seine wirre Architektur.
… nach oben, zeigt der Raum seine wirre Architektur.

In einigen Räumen findet man blaue Würfel. Diese lassen sich per Mausklick aufheben und an anderer Stelle wieder ablegen – beispielsweise auf einer blauen Bodenplatte, die dann eine bis dato verschlossene Tür öffnet. Welche Tür eine Bodenplatte aktiviert, verdeutlicht ein Stromkabel, das von der Bodenplatte bis zum versperrten Durchgang führt. Sobald man die Bodenplatte aktiviert, leuchtet das Kabel blau auf und zeigt so den weiteren Weg an.

Platziert man den blauen Würfel auf der Bodenplatte, öffnet sich die Tür. Bleibt nur noch die Frage, wie man dort oben hin kommt.
Platziert man den blauen Würfel auf der Bodenplatte, öffnet sich die Tür. Bleibt nur noch die Frage, wie man dort oben hin kommt.

Alles umsonst

Im Laufe des Spiels meldet sich immer mal wieder eine Person per Textnachricht zur Wort. Diese teilweise sarkastischen Meldungen scheinen vom Schöpfer der Welt zu stammen. Er hat sich neben den Türen und der verwirrenden Architektur ganz offenbar noch ein paar weitere Gemeinheiten ausgedacht. So sollte man keinem Durchgang trauen.

Läuft man durch eine Tür ...
Läuft man durch eine Tür …

Fragments of Euclid ist die Weiterentwicklung des Spiels Non Euclidean Room [2]. Letztgenanntes programmierte Antoine Zanuttini im Rahmen des Wettbewerbs Ludum Dare. Die Teilnehmer müssen dabei innerhalb eines Wochenendes ein komplettes Spiel entwickeln. In einem Blog-Beitrag beschreibt Antoine Zanuttini, wie die Entwicklung verlief und wie er auf die Idee zum Spiel kam [3].

… läuft man plötzlich auf der Wand des gleichen Raums entlang. (Achten Sie auf die Wand mit den Pfeilen.)
… läuft man plötzlich auf der Wand des gleichen Raums entlang. (Achten Sie auf die Wand mit den Pfeilen.)

Die überarbeitete Fassung namens Fragments of Euclid vertreibt der Entwickler ausschließlich auf Itch.io [1]. Dort kann man für das Spiel zahlen, was man möchte. Knauserige Spieler dürfen es sogar komplett kostenlos herunterladen. Dazu klickt man einfach auf Download Now und folgt dann dem Link No thanks, just take me to the downloads. Das Knobelspiel liegt sowohl in einer 32-, als auch einer 64-Bit-Fassung vor. In der Zukunft möchte Antoine Zanuttini sein Spiel noch um zusätzliche Inhalte erweitern.

Im weiteren Verlauf werden die Puzzel anspruchsvoller. Hier gibt es nur eine Box, aber mehrere Bodenplatten.
Im weiteren Verlauf werden die Puzzel anspruchsvoller. Hier gibt es nur eine Box, aber mehrere Bodenplatten.

Fazit

Fragments of Euclid foltert den Orientierungssinn des Spielers. Genau das macht jedoch erstaunlich viel Spaß – insbesondere nachdem sich das Gehirn an die Architektur gewöhnt hat. Da es kein Zeitlimit oder gefährliche Passagen gibt, kann man in Ruhe knobeln und verschiedene Dinge ausprobieren. Das Spiel speichert den Fortschritt automatisch und wer sich in den verwinkelten Treppen verloren hat, kehrt über die Taste [r] schnell wieder zum Eingang des Raumes zurück.

Auch die Architektur verdreht immer mehr die Hirnwindungen.
Auch die Architektur verdreht immer mehr die Hirnwindungen.

Die Umgebung wirkt wie eine schwarz-weiße Bleistiftzeichnung, was zur Atmosphäre beiträgt und den Eindruck einer M.C. Escher-Zeichnung verstärkt. Standardmäßig lässt Fragments of Euclid dabei die Striche und Schraffuren „zittern“. Dies verleiht den ansonsten recht sterilen Räumen zwar etwas Lebendigkeit, sie wirken dadurch aber auch recht unruhig. Bei empfindlichen Spielern könnte das Zittern zudem Kopfschmerzen auslösen. Wen das Zittern stört, sollte es daher umgehend in den Optionen des Spiels abschalten.

Manchmal läuft man (scheinbar) im Kreis.
Manchmal läuft man (scheinbar) im Kreis.

Wer 3D-Knobelspiele wie Portal, Q.U.B.E. [4] oder Antichamber [5] mag, sollte Fragements of Euclid umgehend herunterladen und bei Gefallen das Spiel kaufen. Bleibt zu hoffen, dass Antoine Zanuttini das Spiel noch erweitert: Nach den nur rund 60 Minuten Spielzeit bekommt man Lust auf mehr.

Fragments of Euclid

Bezugsquelle:  https://nusan.itch.io/fragments-of-euclid
Entwickler: Antoine Zanuttini (NuSan)
Lizenz: Kommerziell
Preis: Beliebig wählbar
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik

Infos

[1] Projekt-Homepage:
https://nusan.itch.io/fragments-of-euclid

[2] Prototyp:
https://nusan.itch.io/non-euclidean-room

[3] Non Euclidean Room – Postmortem:
http://ludumdare.com/compo/2016/12/23/non-euclidean-room-postmortem/

[4] Das Spiel zum Wochenende: Q.U.B.E: Director’s Cut, Tim Schürmann: „Klotz-Puzzle“, LinuxCommunity, 03.10.2015:
http://www.linux-community.de/Internal/Artikel/Online-Artikel/Das-Spiel-zum-Wochenende-Q.U.B.E-Director-s-Cut/(language)/ger-DE

[5] Das Spiel zum Wochenende: Antichamber, Tim Schürmann: „Optische Täuschung“, LinuxCommunity, 24.05.2014:
http://www.linux-community.de/Internal/Artikel/Online-Artikel/Das-Spiel-zum-Wochenende-Antichamber/(language)/ger-DE

Hinterlasse einen Kommentar

  E-Mail Benachrichtigung  
Benachrichtige mich zu: