Das Spiel zum Wochenende: Exit84

Teleportierender Tastenvirtuose

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Viele Spiele besitzen eine äußerst umständliche Tastatursteuerung. Eine solche nutzt Bhérring Paucar Bonifacio absichtlich in seinem ungewöhnlichen Jump-and-Run-Spiel als Grundlage. Das Ergebnis ist zwar etwas frustrierend, aber auch extrem spaßig und unglaublich genial.

Ein großes schwarzes Loch droht unweigerlich die komplette Galaxie aufzufressen. Glücklicherweise gibt es in der Ferne den Planeten B-84, auf den sich alle Lebewesen zurückziehen könnten. Seine Position im Weltall ist allerdings nur ungefähr bekannt. Da die Zeit drängt, beauftragt der König kurzerhand den Spieler mit der Suche nach B-54.

So funktioniert es: Tippt man die Zeichen BNN ein und drückt die Eingabetaste …
So funktioniert es: Tippt man die Zeichen BNN ein und drückt die Eingabetaste …

Tipp-Ex

Im Jump-and-Run-Spiel Exit84 blickt der Spieler genretypisch von der Seite auf mehrere Plattformen, die wiederum mit zahlreichen fiesen Hindernissen bestückt sind. Dazu zählen spitze Felsen, verschiedene Selbstschussanlagen und herabfallende Kisten. Jede Berührung mit einem Hindernis bedeutet den unweigerlichen Tod des kleinen gelben Pixelhelden. Letztgenannten muss der Spieler einfach nur unbeschadet durch den Parcours zum Ausgang dirigieren. Das ist allerdings nicht ganz so einfach, wie es zunächst aussieht.

… teleportiert sich der Held an die Stelle der Zeichen und es erscheint die nächste Zeichenfolge.
… teleportiert sich der Held an die Stelle der Zeichen und es erscheint die nächste Zeichenfolge.

In Exit84 steuert man den Helden über die Eingabe von kurzen Texten: Zunächst blendet das Spiel an einer Stelle in der Landschaft eine Buchstabenfolge ein. Sobald man die entsprechenden Zeichen über die Tastatur eingetippt und mit der Eingabetaste bestätigt hat, teleportiert sich der Held an die entsprechende Stelle. Erscheint beispielsweise über einer Plattform die Buchstabenfolge ZMR, muss man [z], [m], [r] und [Eingabe] drücken, damit sich der Held auf die Plattform beamt.

Das perfekte Timing ist lebensnotwendig: Hier kommt bereits die grüne Kanonenkugel auf den Helden zugeflogen.
Das perfekte Timing ist lebensnotwendig: Hier kommt bereits die grüne Kanonenkugel auf den Helden zugeflogen.

Flinke Finger

Abhängig von den Hindernissen darf man sich allerdings für die Eingabe nicht beliebig viel Zeit nehmen. So muss man etwa die Zeichenfolge genau in dem Moment abschicken, in dem die Selbstschussanlage am Zielort gerade einmal nicht feuert oder eine rettende Plattform unter den entsprechenden Buchstaben vorbeigleitet.

Alle Eingaben erscheinen in der unteren Eingabezeile – dort allerdings verschlüsselt.
Alle Eingaben erscheinen in der unteren Eingabezeile – dort allerdings verschlüsselt.

Exit84 vertreibt Bhérring Paucar Bonifacio derzeit ausschließlich auf Itch.io [1]. Dort darf man für das Spiel einen beliebigen Preis zahlen. Wer nicht die Katze im Sack kaufen möchte, kann Exit84 sogar komplett kostenlos herunterladen. Dazu klickt man auf die Schaltfläche Download Now und dann den etwas unscheinbaren Link No thanks, just take me to the downloads. Via Download neben Linux lädt man sich dann die entsprechende Datei herunter.

Hier muss man ausnutzen, dass sich der Held immer teleportiert: Um auf die andere Seite zu gelangen, muss man ihn durch möglichst schnelle Eingabe des Buchstabens schneller teleportieren, als er fällt.
Hier muss man ausnutzen, dass sich der Held immer teleportiert: Um auf die andere Seite zu gelangen, muss man ihn durch möglichst schnelle Eingabe des Buchstabens schneller teleportieren, als er fällt.

Das so erhaltene Archiv muss man nur noch entpacken. Besitzer eines 32-Bit-Systems machen dann die Datei exit84.x86 ausführbar, Nutzer von 64-Bit-Systemen hingegen die Datei exit84.x86_64. Das entsprechende Programm muss man anschließend nur noch starten. Die Bedienung ist weitgehend selbsterklärend: Man tippt den Text ein, zu dem der Held springen soll. Um im Hauptmenü ein neues Spiel zu starten, gibt man folglich start ein. Die Dialoge in der Einleitung treibt die Leertaste voran. Das Spiel beendet man jederzeit durch die Eingabe von /quit.

Auch hier würde der Held über den tödlichen Dreiecken materialisieren. Verhindern kann man das nur, indem man die danach auftauchende Buchstabenkombination rasant einhämmert.
Auch hier würde der Held über den tödlichen Dreiecken materialisieren. Verhindern kann man das nur, indem man die danach auftauchende Buchstabenkombination rasant einhämmert.

Fazit

Exit84 ist frustrierend schwierig – und dennoch kommt man von dem Spielchen nicht so schnell los. Schließlich muss diese eine Passage doch noch irgendwie zu schaffen sein. Schlichtweg genial ist die Idee, ein Jump-and-Run-Spiel über Tastaturkommandos zu steuern. Obwohl die Zeichenfolgen extrem intelligent gewählt sind, verknotet man sich aufgrund des Zeitlimits dennoch regelmäßig die Finger. Vielschreiber sind hier eindeutig im Vorteil. Wer Jump-and-Run-Spiele mag, nicht vor der einfachen Pixelgrafik zurückschreckt und in hektischen Situationen die Nerven behält, der sollte Exit84 unbedingt anspielen – und bei Gefallen dem Entwickler ein paar Euro zukommen lassen.

Noch ein Tipp zum Schluss: Wer die Tastatur auf eine englische Belegung umschaltet, erleichtert sich einige Passagen.

Exit84

Bezugsquelle:  https://probhe.itch.io/exit84
Entwickler: Bhérring Paucar Bonifacio
Lizenz: Kommerziell
Preis: Beliebig
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik

Infos

[1] Projekt-Homepage:
https://probhe.itch.io/exit84

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