Das Spiel zum Wochenende: A Golden Wake

Goldene Zeiten?

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Die 1920er Jahre waren in den USA von Glanz, Aufschwung und einem boomenden Immobilienmarkt geprägt. In dieser Zeit siedeln Wadjet Eye Games ihr neues Point-and-Click-Adventure an. Das basiert zwar auf historischen Fakten, ist allerdings nicht ganz so glänzend, wie es der Titel vermuten lässt.

Alfred Banks arbeitet als Immobilienmakler in einer New Yorker Firma. Obwohl der Markt nur wenige gute Häuser hergibt, laufen die Geschäfte für Alfred gut – vielleicht etwas zu gut: Als jemand in der Firma entlassen werden soll, schieben ihm seine neidischen Kollegen einen Diebstahl unter. Alfred Banks wird umgehend im kalten Dezember des Jahres 1921 auf die verschneite Straße gestellt.

A Golden Wake ist ein klassisches Point-and-Click-Adventure: Mit einem Mausklick würde hier Alfred Banks sein Büro in New York betreten.
A Golden Wake ist ein klassisches Point-and-Click-Adventure: Mit einem Mausklick würde hier Alfred Banks sein Büro in New York betreten.

Big Business

Einen Ausweg aus seiner Situation findet Alfred in einer Tageszeitung: Im schönen sonnigen Miami boomt offenbar derzeit der Wohnungsmarkt. Alfred wittert seine Chance und das große Geschäft. Kurzerhand macht er sich auf nach Miami, genauer gesagt ins schöne und noch weitgehend unbebaute Coral Gables. Dort kümmert sich Alfred als Erstes um eine geeignete Arbeitsstelle. Infrage kommt da natürlich nur der größte und einflussreichste Immobilienmakler am Platz. Dummerweise hat der nicht nur eine abweisende Sekretärin, sondern auch erst wieder im nächsten Sommer Zeit für ein Vorstellungsgespräch.

Die Sekretärin lässt Alfred kurzerhand abblitzen. Vielleicht lässt sich aber ihre Arbeit etwas beschleunigen.
Die Sekretärin lässt Alfred kurzerhand abblitzen. Vielleicht lässt sich aber ihre Arbeit etwas beschleunigen.

A Golden Wake ist ein klassisches Point-and-Click-Adventure. Die Entwickler von Wadjet Eye Games setzen dabei bewusst auf eine handgezeichnete Pixelgrafik, die an die legendären Sierra-Adventures erinnert. Die Steuerung ist extrem simpel gehalten: Ein Mauklick in die Landschaft genügt, und schon läuft Alfred dorthin. Mit einem Klick auf einen Gegenstand benutzt ihn Alfred oder steckt ihn ein. Der Inhalt seiner Taschen klappt auf, wenn man mit der Maus an den oberen Rand stößt. Möchte man einen der eingesammelten Gegenstände benutzen, muss man ihn im Inventar anklicken. Das Spiel zeigt dann am unteren linken Bildschirm an, welchen Gegenstand Alfred in der Hand hält. Es genügt ein Klick auf einen anderen Gegenstand oder eine Person, damit Alfred die beiden Objekte kombiniert.

Das Inventar am oberen Bildschirmrand enthält nicht nur die aufgesammelten Objekte, sondern ermöglicht auch Zugriff auf die Spielstände und Einstellungen.
Das Inventar am oberen Bildschirmrand enthält nicht nur die aufgesammelten Objekte, sondern ermöglicht auch Zugriff auf die Spielstände und Einstellungen.

Verkaufsgespräche

Hin und wieder muss Herr Banks andere Personen zum Kauf eines Grundstücks oder andere Taten überreden. In solchen Fällen stellt das Spiel mehrere verschiedene Sätze beziehungsweise Aussagen zur Wahl. Beispielsweise kann Alfred die Wahrheit sagen, lügen oder sich mit einem seichten Witz um eine Antwort drücken. Wie der Gegenüber auf das gewählte Argument reagiert, hängt von seiner Persönlichkeit ab. Einen skeptischen gebildeten Grundstückskäufer sollte man vielleicht nicht mit einem billigen Witz ködern. Ob man richtig gelegen hat, verrät neben der Antwort auch die Mimik der Person. Das Vorgehen wiederholt sich so lange, bis man schließlich die Person überzeugt hat oder aber sich diese von Alfred abwendet. Der Ablauf dieser Gespräche erinnert an die Verhöre des Comic-Adventures „Detective Case and Clown Bot in Murder in the Hotel Lisbon“ [5]. Wer seinen Gegenüber nicht oder nur schlecht einschätzen kann, darf sich vom Spiel helfen lassen. Dieses liefert dann ein Persönlichkeitsprofil der Person.

Mit den passenden Argumenten gilt es, diesen jungen Herren zum Kauf eines Grundstücks zu überreden.
Mit den passenden Argumenten gilt es, diesen jungen Herren zum Kauf eines Grundstücks zu überreden.

Wadjet Eye Games verkaufen ihr Adventure über Steam für 15 Euro [2] sowie Gog.com für 13,39 Euro [3]. Darüber hinaus ist A Golden Wake derzeit Teil des „Humble Weekly Bundle Adventures!“ [4]. Bei dieser Sonderaktion bekommt man für einen frei wählbaren Kaufpreis mehrere Adventure-Spiele. A Golden Wake gibt es allerdings erst dann, wenn man mindestens den von allen bisherigen Käufern bezahlten Durchschnittspreis berappt. Dieser liegt zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels bei knapp unter 5 Dollar und somit weit unter dem Normalpreis auf Steam und Gog.com. Auf ihrer Homepage stellen die Macher zudem eine Demo-Version bereit [1]. Dort muss man nur auf Linux klicken, dann die heruntergeladene Datei ausführbar machen und dann starten.

Über die Landkarte springt man schnell zu den verschiedenen Schauplätzen.
Über die Landkarte springt man schnell zu den verschiedenen Schauplätzen.

Fazit

A Golden Wake wirkt wie ein Produkt vom Fließband: Die Hintergrundgeschichte ist zwar stimmig erzählt, aber recht langweilig und routiniert inszeniert. Die Grafik versetzt den Spieler durchaus in das Amerika der 20er Jahre. Auf großen Monitoren erscheinen die teilweise etwas lieblos aufgebauten Szenen wie ein riesiger Pixelbrei. Schaltet man das Spiel über eine Konfigurationsdatei per Hand in den Fenstermodus, muss man die Gegenstände mit der Lupe suchen. Die Rededuelle sind zwar eine originelle Abwechselung, aber bei Weitem nicht so spaßig inszeniert wie in „Murder in the Hotel Lisbon“.

Gespräche laufen als Multiple-Choice-Fragen ab. Die einzelnen Szenen sind zwar teilweise recht liebevoll gezeichnet, mitunter aber auch karg und steril.
Gespräche laufen als Multiple-Choice-Fragen ab. Die einzelnen Szenen sind zwar teilweise recht liebevoll gezeichnet, mitunter aber auch karg und steril.

Unter dem Strich ist A Golden Wake somit nur ein durchschnittliches Adventure ohne Ecken und Kanten, für das die auf Steam verlangten 15 Euro etwas überhöht erscheinen. Wer Point-and-Click-Adventures mag und nicht vor der Pixelgrafik zurückschreckt, sollte bei einer Rabattaktion wie dem derzeit laufenden Humble Weekly Bundle zuschlagen.

A Golden Wake

Bezugsquelle:  http://www.wadjeteyegames.com/games/golden-wake/
Entwickler: Wadjet Eye Games / Grundislav Games
Lizenz: Kommerziell
Preis: 13,39 Euro (Gog.com) / 15 Euro (Steam)
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik, mindestens 512 MByte Hauptspeicher, Prozessor ab Klasse eines Core 2 Duo mit 2 GHz

Infos

[1] Projekt-Homepage:
http://www.wadjeteyegames.com/games/golden-wake/

[2] Steam:
http://store.steampowered.com/app/307570

[3] Humble Weekly Bundle:
https://www.humblebundle.com/weekly

[4] Gog.com:
http://www.gog.com/game/a_golden_wake

[5] Das Spiel zum Wochenende: Detective Case and Clown Bot in Murder in the Hotel Lisbon, Tim Schürmann: „Heitere Detektivarbeit“, LinuxCommunity, 26.04.2014:
http://www.linux-community.de/Internal/Artikel/Online-Artikel/Das-Spiel-zum-Wochenende-Detective-Case-and-Clown-Bot-in-Murder-in-the-Hotel-Lisbon/%28language%29/ger-DE

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