Das Spiel zu Ostern: The Dark Mod

Meisterdieb

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Ein alter Osterbrauch verlangt es, unter der heißen Frühlingssonne im heimischen Garten nach Eiern zu suchen. Warum nicht lieber stattdessen in einem kostenlosen und äußerst gelungenen Schleichspiel ein paar wertvolle Klunker im kühlen Schatten aufspüren?

Ende der 1990er Jahre erschien das Schleichspiel „Thief: The Dark Project“. In der Rolle eines durchtrainierten Diebs musste der Spieler möglichst lautlos mittelalterliche Gebäude heimsuchen, ausrauben und sich dabei möglichst nicht erwischen lassen. Der virtuelle Beutezug fand binnen kürzester Zeit so viele Anhänger, dass Hersteller Eidos Interactive noch weitere Teile auf den Markt warf. Mit der dritten Fortsetzung aus dem Jahr 2004 waren jedoch viele Fans nicht mehr zufrieden. Aus Frust begannen einige von ihnen kurzerhand ein eigenes Thief-Spiel zu entwickeln.

Um bei seinen Beutezügen nicht erwischt zu werden, sollte man sich in The Dark Mod möglichst im Dunkeln halten und den Wachen aus dem Weg gehen.
Um bei seinen Beutezügen nicht erwischt zu werden, sollte man sich in The Dark Mod möglichst im Dunkeln halten und den Wachen aus dem Weg gehen.

Handgemacht

In ihrem The Dark Mod getauften Klon schlüpft der Spieler in die Rolle eines namenlosen Meisterdiebs. In zahlreichen Missionen muss er zu nächtlicher Stunde die Bewohner mittelalterlicher Gebäude um ihre Wertgegenstände erleichtern. So gilt es etwa ein Herrenhaus leerzuräumen, aus einer Kirche eine Reliquie zu stehlen oder gar auf einem Luftschiff die Büchse der Pandora zu mopsen.

Die Münzen auf dem Tisch schreien geradezu danach, vom Spieler eingesteckt zu werden.
Die Münzen auf dem Tisch schreien geradezu danach, vom Spieler eingesteckt zu werden.

Der beste Freund des Spielers ist dabei die Dunkelheit. Nur wer die Schatten geschickt ausnutzt, kann unbemerkt an den mitunter recht zahlreichen Wachen vorbei schleichen. Wird der Spieler dennoch einmal entdeckt, sollte er möglichst schnell fliehen. Zwar besitzt der Dieb auch einen Knüppel und ein Schwert, zwei oder mehr gleichzeitig angreifenden Wachen ist er jedoch wie im echten Leben meist unterlegen.

Wer entdeckt wird, hat in der Regel kaum eine Überlebenschance.
Wer entdeckt wird, hat in der Regel kaum eine Überlebenschance.

Leisetreter

Der angehende Meisterdieb bleibt daher besser im Dunklen, sucht andere Wege oder löscht die Fackeln und somit das Licht. Letzteres funktioniert mit gezielt abgeschossenen Wasserpfeilen, die man allerdings erst einmal finden oder zu Beginn des Beutezuges käuflich erwerben muss. Kommt man dennoch nicht umhin, eine Person auszuschalten, sollte man sie entweder von hinten niederschlagen oder aus der Ferne mit einem Breitkopfpfeil erledigen. In jedem Fall muss man die Leiche möglichst schnell verschwinden lassen: Stolpert ein Kollege bei seinem Rundgang über den toten Körper, schlägt er umgehend Alarm.

Idealerweise schleicht man sich von hinten unbemerkt an Personen heran schlägt sie dann mit dem Knüppel bewusstlos.
Idealerweise schleicht man sich von hinten unbemerkt an Personen heran schlägt sie dann mit dem Knüppel bewusstlos.

Auch jedes Geräusch macht eine Wache auf den Dieb aufmerksam. Man sollte folglich möglichst leise durch die Gänge schleichen. Auf Bodenbelägen aus Metall oder Fliesen ist das jedoch gar nicht so einfach. Abhilfe schaffen Moospfeile, die nach dem Auftreffen einen teppichartigen Belag hinterlassen.

Mit den wertvollen Wasserpfeilen lassen sich solche Fackeln ausschießen.
Mit den wertvollen Wasserpfeilen lassen sich solche Fackeln ausschießen.

Viele wertvolle Gegenstände lagern hinter verriegelten Türen und in abgeschlossenen Truhen. Hier bleibt nur, den passenden Schlüssel zu finden oder mit einem Dietrich das Schloss zu knacken. The Dark Project kennt dabei zwei Schlosstypen, die sich jeweils nur mit dem passenden Dietrich öffnen lassen. Letzteres wiederum geschieht in einem kleinen Minispiel, bei dem man auf ein passendes Geräusch achten muss.

Schlösser knackt man mit einem Dietrich ausschließlich nach Gehör.
Schlösser knackt man mit einem Dietrich ausschließlich nach Gehör.

Einstieg in die Unterwelt

Wie der Name The Dark Mod andeutet, war das Spiel ursprünglich eine Erweiterung für das Actionspiel Doom 3. Seit der Version 2.0 ist The Dark Mod jedoch ein eigenständiges Spiel, das man kostenlos auf der Projekt-Homepage herunterladen kann [1]. Die Linux-Version liegt allerdings derzeit nur als 32-Bit-Fassung vor, dessen Installation zudem in zwei Teilen abläuft: Zunächst wechselt man auf die Download-Seite unter [3]. Dort klickt man im Abschnitt Install TDM on Linux auf den gelb hervorgehobenen Link TDM Updater. Man erhält jetzt ein ZIP-Archiv, das man auf der Festplatte entpackt. Jetzt öffnet man ein Terminal-Fenster, in dem man die Datei tdm_update.linux ausführbar macht:

chmod +x tdm_update.linux

und das so entstandene Programm aufruft:

./tdm_update.linux

Jetzt startet ein Assistent, der das eigentliche Spiel aus dem Internet herunterlädt. Dabei wandern fast 2,4 GByte über die Leitung, was zudem selbst mit einer VDSL-Anbindung bis zu einer Stunde dauern kann. Anschließend kann man das eigentliche Spiel starten:

./thedarkmod.x86

Im Hauptmenü sollte man zunächst in die Einstellungen wechseln. Dort stellt wechselt man auf die deutsche Sprache und stellt eine passende Auflösung ein. Zudem sollte man sich die Tastaturbelegung gut einprägen.

Über die Tasten [q] und [e] kann man um die Ecke linsen.
Über die Tasten [q] und [e] kann man um die Ecke linsen.

Missionarisch

Anders als Thief bietet The Dark Mod keine durchgehende Geschichte. Stattdessen gibt es nur einzelne Missionen, die von unterschiedlichen Fans stammen. Von Haus aus liegt The Dark Mod nur eine dieser Missionen sowie eine Trainingsarena bei. Nachschub findet man auf der Homepage des Projekts im Bereich Missions. Jede Mission kommt als Datei mit der Endung .pk4, die man einfach in den Unterordner fms kopiert. Das Spiel kann allerdings immer nur genau eine Mission anbieten. Aus diesem Grund führt der Menüpunkt Neue Mission zu einem etwas merkwürdig aufgebauten Untermenü: Auf der rechte Seite wählt man eine Mission aus und lässt sie dann links unten Installieren. The Dark Mod startet sich jetzt einmal selbst neu. Damit hat man die ausgesuchte Mission zur „aktuellen“ gemacht. Diese wiederum lässt sich anschließend im Bildschirm hinter Neue Mission links oben starten.

In dieser Bar könnten sich neben Bierflaschen auch Heiltränke finden lassen.
In dieser Bar könnten sich neben Bierflaschen auch Heiltränke finden lassen.

Fazit

Wer die Spiele der Thief-Reihe kennt, dürfte sich in The Dark Mod sofort heimisch fühlen. Alle Neueinsteiger benötigen allerdings Experimentiergeist und den Willen, sich einzuarbeiten. Bis die zahlreichen Tastenkürzel erlernt sind, dürfte einige Zeit vergehen. Anders als in den originalen Thief-Spielen gibt es keine einführenden Missionen, sondern nur eine Trainingsarena, die den Spieler häufig sich selbst überlässt. Apropos Missionen: Deren Qualität und Schwierigkeitsgrad schwankt stark. Eine Auswahlhilfe bietet ein entsprechender Thread im offiziellen Forum [4].

Über den Dächern der Stadt wird man nicht so schnell entdeckt, wie auf der Straße.
Über den Dächern der Stadt wird man nicht so schnell entdeckt, wie auf der Straße.

In jedem Fall ist es beachtlich, was die Thief-Fans hier in ihrer Freizeit auf die Beine gestellt haben: Die Grafik kann zwar mit Top-Shootern nicht mithalten, bietet aber für ein kostenloses Spiel eine beachtliche Qualität. Die Intelligenz der Wachen ist bereits recht beachtlich, mit dem nächsten Update auf die Version 2.02 soll es hier zudem weitere Verbesserungen geben. Wer Schleichspiele mag, sollte The Dark Mod unbedingt ausprobieren – und gleich genug freie Zeit einplanen.

The Dark Mod

Bezugsquelle: http://www.thedarkmod.com
Entwickler: The Dark Mod Team
Lizenz: Programmcode: GPL v3, Grafik und Audio: Creative Commons Attribution-Noncommercial-Share Alike 3.0
Preis: Kostenlos
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik

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