Flamewars KDE vs. KDE

15.05.2009 15:16

Wer kennt sie nicht, die Flamewars KDE vs. Gnome, seit Jahren liebevoll gepflegt. Wer KDE liebt mag Gnome meist gar nicht und umgekehrt. Best Flamewar 2009 wird aber ein anderer: KDE3 vs. KDE4.

Warum polarisiert KDE4 so stark, warum wird diese Debatte so emotional geführt? Bei sidux (basiert auf debian unstable) wird KDE4 seit 5 Wochen per dist-upgrade installiert. Im sidux Forum spriessen seitdem die Threads um KDE4 aus dem Boden. Einige davon amüsant bis sehr nervig: Tenor: Ich will mein KDE3 wiederhaben. Egal wie oft ich antworte: KDE3 ist in unstable und sehr bald auch in testing mausetot [RIP] und mit vertretbarem Aufwand nicht zurückzuholen und selbst dann unsupportbar, der nächste Poster will trotzdem KDE3 zurück

Desktopumgebungen scheinen mehr zu sein als sonstiger Code. Ich verstehe Leute die sagen, ihre Arbeitsweise, in Jahren ausgefeilt, sei zum Teufel. Also bedarf es Zeit und Mühe den Workflow wieder herzustellen. Versüsst wird dies aber doch durch ein meiner Meinung nach sehr gefälliges Erscheinungsbild, viele neue Techniken im Hintergrund (akonadi, nepomuk) die zugegebenermaßen ihr Potential erst noch entfalten müssen. Ich freu mich drauf.

Ich kann nicht verstehen dass User behaupten KDE4 sei eine Fehlentwicklung und zum Scheitern verurteilt. Ebensowenig verstehe ich die Behauptung es sei zum produktiven Arbeiten viel zu fehlerhaft. Wäre ich dieser Annahme würde ich mir eine andere Desktopumgebung suchen.

Im Großen und Ganzen bemängele ich dass viel zu viel und auf falschem Niveau gemeckert wird anstatt fleissig Bugreports zu schreiben und gewiss zu sein das KDE4 das beste KDE aller Zeiten wird. In diesem Sinne, bitte lasst uns den richtigen Baum anbellen.


Kommentare
Es wird immer alles besser ...
Ajit (unangemeldet), Donnerstag, 09. Juli 2009 09:01:18
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Ich habe auf einem PC auf 2 Platten Debian SID und Debian STABLE, und damit KDE4 und KDE3. Klar ist KDE4 auf unstable, es ist aber extrem schwerfällig, langsam und nicht mehr so schön klar wie KDE3. Surfen geht allerdings schnell. Meine Internetseiten kann ich damit nicht mehr machen, weil Quanta nicht mehr zur Verfügung steht. Also, wenn's "um die Wurst" geht, nehme ich KDE3.

In den 1950er Jahren gab es einmal einen Mercedes 180 Diesel mit einem Verbrauch von 6L/100km und einer Laufleistung von locker 600 000 km. Wenn man den weiterentwickelt hätte ... Mann o Mann, was für ein Auto wäre das heute! Aber nein, man hat alles über den Haufen geworfen, hat rostende Spritfresser mit kurzer Lebensdauer gebaut. Die Qualität des Mercedes 180 Diesel hat man bis heute nicht mehr erreicht!

Ist das ein Prinzip? Kommt ab einem gewissen Punkt eine Degeneration? Wenn ja, sollte man dies analysieren und gegensteuern. Es kostet sonst immer wieder so viele menschliche Anstrengungen ... und wir könnten es uns doch wirklich besser gehen lassen.


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Niemand sieht den Anwender.
Gunter Kühne (unangemeldet), Dienstag, 30. Juni 2009 15:48:19
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Ich muss gestehen das ich mich erstmal auf KDE4 gefreut habe ( ja ich kannte es nur vom Hörensagen)
doch dann auch bitter enttäuscht war.
Mich als Anwender interessieren Schnittstellen, die Art der Programmierung u.s.w. eigentlich überhaut nicht.
Was ich möchte ist ein benutzbarer Desktop.
ob nun mit oder ohne 3 D Funktionalität ist erstmal Zweitrangig.
Leider funktioniert KDE 4 eben nicht wie erwartet.
DVB-s Karten die unter KDE3 Kaffeine jahrelang sang und klanglos gearbeitet haben funktionieren nicht mehr.
Kaffeine kann kein DVB-S mehr. Einige Programme die man liebgewinnen hat gibt es gar nicht mehr.
Selbst Amarok ist mächtig kastriert und die Oberfläche lässt sich nicht so wie früher einrichten.( Viele Funktionen sind nicht oder noch nicht dokumentiert oder man findet sie einfach nicht weil auch das Bedienkonzept geändert wurde.
Da wundert ihr euch wenn geade Anwender noch dazu wen sie eventuell älter sind oder Fremdsprachen nicht gut beherrschen sich KDE 3 zurückwünschen??

Bei KDE 3 war alles ausgereift es funktionierte ohne abzustürzen.
Bei KDE 4 gibt es kaum ein Programm was sich ohne absturz beenden lässt. und Rückverfolgung funktioniert auch nicht, weil die Pakete wahrscheinlich falsch gebaut ( abhängigkeiten) sind und sich meist gar nicht installieren lassen.
Es ist möglich das in KDE 4 viel Potenzial steckt, aber beurteilen kann ich es nicht, und bei mir funktioniert es mehr Schlecht als Recht.
Mann hätte doch noch ne weile Zweigleisig weiterfahren sollen.
Aber manche ink. auch ich, hoffen das es doch noch jemanden gibt der eventuell nen fork macht. :)
Gruß
MFG
G.K.




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Auch ein Problem der Distributoren
Christof Kälin, Sonntag, 24. Mai 2009 16:26:26
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Ich habe mich bewusst aus den Flame-Foren rausgehalten, um mir selber ein Bild zu machen (vor über einem Jahr). Jeder der etwas davon versteht, erkennt das Potenzial, das in den neuen Schnittstellen steckt. Die Problematik, das Benutzer sich nicht bewusst sind, wieviel Arbeit noch getan werden muss, wurde durch das zu frühe Erscheinen in den Mainstream-Distros wie z.B. Fedora verstärkt. Die Benutzer dort senden kaum Bug-Reports ein, und wenn doch, so fehlen ihnen nützliche Backtraces (keine Debug-Symbole)
Dies kann nur durch die Distributoren selbst geändert werden, indem sie KDE intensiver vortesten, oder Debug-Versionen verwenden. Leider ist das Feature "Unabhängig installierbare Debug-Symbole" offenbar aus den Fedora 11 Features geflogen. Gerade dies hätte das Bug-Reporting durch normale User revolutionieren können, weil endlich brauchbare Stacktraces zur Verfügung stehen würden.
Die Plasma-Schnittstellen sollten zudem möglichst schnell gut dokumentiert werden (resp. die Schnittstelleb selbst sollteb mal festgenagelt werden), dann sehen wir bestimmt bald viele neue Spielzeuge, die wir unseren Windows-Kollegen zeigen können.
Persönlich freue ich mich auf die ersten guten Bücher zum Thema "Entwicklung mit KDE 4 und Plasma", denn ich würde selbst auch gerne was machen, habe aber keine Lust, ständig auf Interface-Änderungen gefasst sein zu müssen oder die Howtos in Foren resp. per Google zusammenzusuchen (bitte korrigiert mich, wenn sich die Situation diesbezüglich bereits verbessert hat)


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Marcel Hilzinger, Freitag, 15. Mai 2009 17:13:22
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Hallo Ferdinand,
der KDE3-vs-KDE4-Flamewar kommt bei jeder Umstellung. Es gibt eine schöne Site (falls jemand die URL kennt, bitte hier posten), die Zitate von der Umstellung von KDE 2 zu KDE 3 aufführt und die hören sich genau gleich an.

Es gibt halt einfach Zig Prozent Leute, die keine Umstellungen mögen, deshalb ist in Firmen auch der Umstieg von Windows zu Linux manchmal so schwer, weil es Leute gibt, die alles Neue schlecht finden und sich damit nicht zurecht finden.

KDE 4 ist meiner Meinung nach auf einer sehr guten Bahn und für die nächsten paar Jahre gut vorbereitet. Mandriva und Kubuntu haben mit KDE 3 schon abgeschlossen und das hat auch nach anfänglichen Reibereien sehr gut funktioniert. Sidux wird das auch hinbekommen, davon bin ich überzeugt.


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Re: Siehe LC-Statistiken
Ferdinand Thommes, Freitag, 15. Mai 2009 21:52:37
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Hi Marcel,
der link den Du meinst ist in meinem Beitrag: http://www.linux-community....evils-blog/Laestern-ueber-KDE4

greetz
ferdi


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Es gibt KDE geborene?
Christian Berg, Montag, 25. Mai 2009 09:30:56
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Die Theorie hat aber doch Lücken:

Ich denke niemand ist in der Statistik jung genug das er mit einen Satz SuSE DVDs auf die Welt gekommen ist. Also wird jeder KDE Anwender mal von Win/Mac/Amiga/Atari/Commodore auf Linux umgestiegen sein.

Diese Leute fallen also alle aus der Kategorie "mag ned Umsteigen" raus. Vergleichen wir das Ruhig mit dem GNOME Desktop. Die Unruhen von 1.4 aus 2.0 waren vergeichsweise gering, die Änderungen aber ebenfalls gravierend. Der komplette Wandel dauerte jedoch Jahre.

Vielleicht liegt es beim KDE einfach daran das die Majors schon seit 1.x auf 2.0 zu brutal und ohne Rücksicht vollzogen werden. Was bring mit eine 4.0 wenn mein Amarok ned nativ damit rennt. Was bringt ein neuer Amarok, wenn er nur noch 1/2 so viel kann?

Und ja, ein MP3 Player ist für gewohnheitstiere wichtig.




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Ferdinand  Thommes

Ferdinand Thommes

Ich schreibe für verschiedene Linuxmagazine Artikel über Debian, Linux allgemein und Linux im Bildungssektor ebenso wie über Hardware allgemein. In der verbleibenden Zeit bin ich Stadtführer in Berlin.

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