…oder – nichts geht mehr!
Als vor etwa einem Jahr KDE 4 erschien, habe ich ihn kurz getestet. Da er als noch nicht voll ausgereift angekündigt war, wollte ich ihn damals noch nicht installieren. Der Test bestätigte meine Vorsicht und ich ließ erstmal die Finger von KDE 4. Mit Erscheinen von OpenSuSE 11.1 hielt ich nun doch die Zeit reif für den Umstieg auf den neuen Desktop und installierte ihn. Was ich dann sah, verschlug mir doch die Sprache. Außer einem nicht besonders ansprechenden Grün sah ich nämlich gar nichts. Auch auf der Kontrollleiste herrschte gähnende Leere. Nun bin ich noch so ein altes Fossil, das seine Hauptanwendungen lieber schnell vom gewohnten Platz startet als sich umständlich durch unendliche Menü- und Untermenüstrukturen zu quälen also wollte ich den Desktop anpassen und musste feststellen – das ist gar nicht mehr so leicht! Der altbewährte Rechtsklick bringt nicht viel, man kann damit zwar eine nicht besonders umfangreiche Sammlung von Plasmoids anzapfen, Verknüpfungen aber nicht mehr anlegen. Durch Zufall fand ich heraus, dass man Verknüpfungen aus dem Hauptmenü heraus anlegen kann, was aber leider nicht bei allen Programmen funktioniert. Zumindest die von mir getesteten Plasmoids lassen sich optisch nicht getrennt anpassen. Wem z.B. die hausbackene Analoguhr der Default-Einstellung nicht gefällt, der muss das gesamte Theme wechseln. Von persönlicher Einstellung keine Spur. Wozu sich die Dinger drehen lassen ist auch nicht so ganz zu verstehen denn das bietet weder praktischen noch optischen Nutzen. Kippen wäre mitunter sinnvoll, wenn die Aufschrift nicht mitkippen würde. Das neue Kontrollzentrum, das jetzt “Arbeitsfläche einrichten” heißt (muss man auch erstmal wissen), hat sich nicht unbedingt verbessert. Warum denken die Entwickler eigentlich, Register wären anwenderfreundlicher als die gute alte, flinke und übersichtliche Baumstruktur?
Das Modul für Tastenkombinationen wurde erneuert, ist englischsprachig und nur noch von Spezialisten bedienbar, einige der übrigen Module – wie z.B. der Anmeldemanager – funktionieren schlichtweg nicht.
Fazit: Ist KDE in der Version 4.1.3 wirklich schöner als KDE 3.x? Im Gegensatz zu KDE 4 war dessen Vorgänger leicht und umfangreich den eigenen Ansprüchen anzupassen und bot jedem die Möglichkeit einen optischen Leckerbissen zu gestalten. Die Einstellmöglichkeiten, soweit vorhanden, von KDE 4 lassen sich leider nicht intuitiv feststellen. Möglicherweise steht einiges in den Handbüchern, mit etwas Glück findet man vielleicht welche in deutscher Sprache, aber wenn man einen Desktop jahrelang benutzt, möchte man nicht unbedingt komplett umlernen. Von Anwenderfreundlichkeit ist nicht mehr viel zu merken. Vielleicht ist das neue Konzept für Neueinsteiger ja besser geeignet aber wäre der bessere und anwenderfreundlichere Ansatz nicht “Neues für die Neuen und Altbewährtes für langjährige Benutzer” gewesen? Daß vieles noch nicht funktioniert und die Übersetzung zu wünschen übrig läßt wird sich mit der Zeit hoffentlich geben, trotzdem halte ich es für unverantwortlich ein derart unausgereiftes Programm für den Produktiveinsatz frei zu geben.
Vor einigen Jahren habe ich mich für SuSELinux und KDE entschieden, weil diese Kombination gut zu mir passte. Das System war im Gegensatz zu MS-Windows sehr gut und relativ einfach individuell weitreichend anpassbar. Nun habe ich den Eindruck als würden sich die KDE-Entwickler (und leider auch einige Linux-Distributoren) Windows immer mehr annähern. Vage, gut versteckte Einstellmöglichkeiten, unausgereifte Software. Modernes Aussehen ist nicht alles und für einige Zeit werde ich wohl noch auf den alten Desktop ausweichen können aber in absehbarer Zeit wird das nicht mehr gehen. Bleibt nur zu hoffen, daß bis dahin KDE zu alten Qualitäten zurückfindet.
Kleinere, technische Probleme sorgten dafür, daß dieser Beitrag erst nach Veröffentlichung der neuen KDE-Version 4.2 erscheint, die jetzt richtig funktionieren soll. Das hieß es bei Version 4.1 zwar auch aber vielleicht stimmt es ja jetzt. Ich werde es ausprobieren.





Mir ging es genauso. Allerdings bin ich unfreiwillig zu KDE4 gekommen. Ich war seit vielen Jahren zufriedener Nutzer von ArchLinux, habe es auf Desktops, Servern und Laptops im Einsatz ohne grössere Probleme. Dann kam der Tag, an dem der Systemupgrade KDE 3 durch KDE 4 ersetzte. Nach ein bisschen herumüben musste ich mein trauriges Fazit ziehen (was mir als KDE-Fan schwer fiel): Unbrauchbar bzw. den Nutzern von KDE 3 hinsichtlich Umlernen nicht zumutbar! Ich musste also schleunigst auf eine Distribution umstellen, die vernünftiger paketiert. Tschüss ArchLinux, hallo Sidux.