Distri-Mini-Vergleich

Distri-Mini-Vergleich
04.04.2010 22:30

Nach einem Update von OpenSuSE 11.1 auf 11.2 funktioniert bei meinem Samsung-Notebook mit ATI Radeon XPress 1250 Grafik die 3D-Einstellung nicht mehr. Von ATI werden zwei Treiber angeboten, einer lässt sich nicht installieren und der andere passt für meinen Grafikchip nicht. Der passende Treiber von der ATI-Website bricht die Installation mit der Meldung ab, er würde nicht zur Version passen. Daraufhin entschloss ich mich zu einem kleinen Test um zu sehen wie sich die Sache bei anderen aktuellen Distributionen verhält. Auf einer dafür angelegten Partition wollte ich nacheinander

Zu Mandriva komme ich später.

OpenSuSE 11.2: Nach der Neuinstallation von Suse blieb der Bildschirm aus, da half auch der Bootparameter x11failsafe, der vorher beim Update noch funktionierte, nichts. Mit meinem UMTS-Modem hatte ich zu der Zeit auch keinen Onlinezugriff, so dass ich erst 11.1 vorinstallieren musste. Nach dem Update versuchte ich dann alle verfügbaren Treiber ohne Rücksicht aufs System (Testumgebung) leider ohne Erfolg. Die neue Suse bringe ich auf meinem Notebook nicht wunschgemäß zum Laufen. Ein extremes Ärgernis bei SuSE ist, daß bei den aktuellen Versionen bei jedem Aufruf der Softwareverwaltung sämtliche Updatelisten aktualisiert werden, sogar, wenn die letzte Installation gerade mal ein paar Minuten her ist. Da die Softwareverwaltung sich jetzt auch noch nach der Installation immer automatisch schließt ist dieses neue Verhalten bei langsamen Internetverbindungen ausgesprochen nervtötend.

Fedora 12: Der altbackene, textbasierte Installer ist sicherlich nicht mehr zeitgemäß und leider zum Großteil in englischer Sprache. Er lässt sich dann zwar auf deutsch umschalten (so weit reichen meine Englischkenntnisse noch) springt bei den Meldungen aber auf englisch zurück. Des Englischen bin ich leider nicht mächtig und die Warnmeldung zur Partitionierung sieht bedrohlich aus. Da ich nicht möchte, dass mein Rechner komplett über den Deister geht, brech ich diese Installation lieber ab!

Ubuntu 9.10: Ubuntu testete ich schon vor einigen Jahren. Mir sagte es damals schon nicht besonders zu. Damals dachte ich, es läge vielleicht an der ungeliebten Gnome-Umgebung und versuchte es mit Kubuntu, aber diese Distri ist einfach nicht mein Fall. Natürlich ist das Ansichtssache aber ich finde, dass sich Ubuntu einfach nicht intuitiv bedienen lässt. Außerdem ist mir ein System das es erlaubt mit dem Benutzerpasswort vollständigen Root-Zugang zu erlangen, ausgesprochen suspekt. Das geht mir doch ein wenig zu weit in Richtung Microsoft Unsicherheitssoftware. Ich konnte nie begreifen, dass ausgerechnet diese Distribution so schnell so viele Anhänger fand.

Nach der Installation war das System 3D-tauglich aber ich fand leider keine Möglichkeit um die Desktopeffekte einzustellen. Im Großen und Ganzen funktionierten die Anwendungen erwartungsgemäß aber Ubuntu-Linux war das einzige System, das meinem UMTS-Modem den Internetzugang verwehrte. Das Icon für die Netzwerkeinrichtung ist als solches nicht zu erkennen, ich konnte es nur durch Zufall finden, zumal es durch die geringe Nuance zum Hintergrund eher wie ein inaktives Symbol aussieht. Das Modem wurde zwar gefunden, schaltete aber nicht zum Internet durch. Sicher nur eine Einstellungssache aber mehr wollte ich mich in die Sache nicht vertiefen.

Knoppix 6.2: Es gibt sicher keinen Zweifel: Knoppix ist das Livesystem schlechthin und sicher war es oft die letzte Rettung in der Not. Aber als Arbeitsumgebung kann ich es mir nicht vorstellen. Das Livesystem startet auf meinem Notebook problemlos und ist recht flott. Die Hardware wird vollständig erkannt und läuft reibungslos. Das gilt auch für Grafikkarte und UMTS-Modem, beides funktioniert ohne weitere Einstellung. So sollte es bei einem Livesystem auch sein. Auch Knoppix liefert einen 3D-tauglichen Treiber für meine ATI-Grafik mit.

Mandriva 2010.0 Free Edition: Die Installation erinnert mich in einigen Punkten an SuSE und erfolgt reibungslos. Auch die Grafikkarte wird ohne Probleme erkannt. Die Free Edition, die laut Beschreibung ausschließlich aus Open Source Software besteht, startet sofort und ohne Komplikationen mit einem 3D-Desktop. Ein Blick auf die Installation bestätigt, es wurde keine proprietäre Software installiert. Es gibt also freie 3D-Treiber für die ATI-Grafik. Leider sind standardmäßig so viele Treiber installiert, daß ich nicht herausfinden konnte, welchen ich bräuchte. Besonders gut gefällt mir, daß die Konfiguration für mein UMTS-Modem direkt in den Systemeinstellungen vorgenommen werden kann, diese Möglichkeit habe ich bei keiner anderen Distri entdecken können. Die Einwahl mit dem Modem ist so einfach und schnell wie dies vor einem Jahr auch noch bei SuSE mit KDE vonstatten ging, bevor KDE diesen "grandiosen" Umstieg auf den Network Connection Manager vollzog. Vieles ist zwar anders als bei SuSE aber das System funktioniert einwandfrei.

Fazit: Bei OpenSuSE bleibt der Bildschirm dunkel, das ist inakzeptabel! Opensource ist eine feine Sache, spätestens bei Funktionsunfähigkeit des Systems hat stures Festhalten an reiner OSS aber ihre Berechtigung verloren. Und dabei gibt es doch passende, freie Treiber für den ATI-Chip der zumindest bei Mandriva und Ubuntu problemlos funktioniert. Den müssten die OpenSuSE-Entwickler doch nur einbauen. Bei Betriebssystementwicklern scheint sich ein neuer Virus auszubreiten und der heißt schludrige Übersetzung. Unabhängig von der Distribution ist die Sprachunterstützung gleicher Maßen mangelhaft. User mit umfangreichen Englischkenntnissen werden zwar sagen, dass "die paar Außnahmen doch nicht so schlimm seien" aber Leuten wie mir, deren Sprachkenntnisse auf wenige Brocken beschränkt sind, wird das Computerleben unnötiger Weise zunehmend erschwert. Besonders übel ist das bei Fedora, das nichtmal eine einfache Installation ohne Englischkenntnisse erlaubt. Wer sich mangels Verständnis einfach durchklickt weiß nie was passiert, mitunter schießt man dabei all seine Dateien über den Deister. Richtig gut gefällt mir Mandriva. Vor allem die Einbindung des UMTS-Modems ist perfekt. Hier könnten sich alle anderen Distributoren eine Scheibe abschneiden. Die Updatelisten sind bei Weitem nicht so monströs wie bei SuSE, allein der Download für die Listen des offiziellen SuSE-Update-Repos dauert bei meiner lahmen Vodafone-Mobilverbindung über eine halbe Stunde, wenn die Verbindung überhaupt so lang durchhält. Warum so eine lumpige Liste mehrere MB groß sein muß weiß der Geier. Die Paketauswahl und -aktualität ist aber bei SuSE besser. Letztendlich sehne ich mich nach einem voll funktionsfähigen OpenSuSE zurück.

Das ist natürlich kein richtiger Test sondern spiegelt lediglich meine persönlichen Eindrücke wieder. Ich hoffe es macht trotzdem Spaß ihn zu lesen.


Kommentare
Ubuntu unsicher?
Sebastian111 (unangemeldet), Montag, 05. April 2010 20:57:20
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Da hast Du das Sudo-only-System von Ubuntu falsch verstanden. Es gibt keinen Unterschied beim Arbeiten als Root oder mit sudo. Mehr dazu auch hier (vor allem eine Erklärung, warum Sudo die Sicherheit erhöht): http://wiki.ubuntuusers.de/Sudo


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Ulf B., Montag, 05. April 2010 13:02:50
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Hallo Achim,

danke für Deinen recht guten und ausführlichen Kurztest. Insbesondere die Einschätzung von Fedora und Ubuntu (mit allen Varianten) teile ich mit Dir zu 100%. Zu Mandriva (Free Editon) kann ich nicht allzu fiel sagen, werde es mir aber demnächst mal genauer anschauen.

Zurück zu der Einschätzung zu openSUSE. Grundsätzlich gebe ich Dir recht, dass die Einbindung insbesondere der ATI Grafikunterstützung im aktuellen openSUSE nicht gut gelöst ist. Auch ich habe auf einem System mit ATI Grafikkarte immer wieder das Problem mit dem Schwarzen Bildschirm. Seit aber dem etwa dem Jahreswechsel hat sich das Problem bei mir behoben. Ich habe die Proprietären Treiber verbannt und benutze die aktuellen RadeonHD Treiber aus dem Xorg Zweig:
http://software.opensuse.or...%3A11.2&p=1&q=radeonhd
die zweite Fundstelle bzw. direkt zur 1-Klick-Installation:
http://software.opensuse.or...-x11-driver-video-radeonhd.ymp
Dazu habe ich den leider ab der nächsten Version wohl nicht mehr mitgelieferten sax2 mit folgenden Parametern gestartet:
sax2 -r -m 0=radeonhd
Meine Grafikkarte ist anscheinend eine RV710 (Radeon HD 4350), welche nach Umstellung auf diesen Treibern einwandfrei funktioniert.

PS: Nach einigen Experimenten mit anderen Dristros bin ich doch wieder zu openSUSE zurück gekehrt, da es meiner Arbeitsweise am besten entgegen kommt.

PPS: Wenn Du mit "zypper" im Textmode arbeitest, ist das updaten, installieren und auch mehr, wesentlich einfacher. Stelle einfach die Repositorys in YaST mal das Autorefresch aus. Dann kannst Du mit "zypper ref" geziehlt alle Repositiorys aktualisieren und mit "zypper up" bzw. "zypper dup" die updates einspielen. Mittlerweile arbeite ich fast ausschließlich mit zypper - und bin damit super zufrieden.

Ciao
Ulf




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