Perlentaucher

Perlentaucher
15.01.2010 18:19

Wie es so ist: Man sucht etwas und findet etwas anderes. Und hat dann so richtig Spaß daran.
Dass die Kommandozeile etwas Großartiges ist, ist ja nicht eben neu. Auch nicht, dass man daher Leute mit ein klein wenig "Zauberei" mehr beeindrucken kann als mit all den vorgebauten multimedialen Feuerwerkskisten.

Eine laufende Uhr auf dem Desktop hat ja nun jeder Hansel. Sogar Windows-Anwender. (Hab ich mir jedenfalls sagen lassen.) Aber eine so schöne wie diese?

Desktop-Clock

Ohne dass es ein eigenständiges Programm wäre? Mit einer einzigen Befehlszeile? Wohl kaum!

Nein, das ist mir wie anfangs angedeutet nicht selber eingefallen. Vielmehr fand ich die initiale Idee eher zufällig auf Commandlinefu. Eine Site, die sich ganz nebenbei bemerkt hervorragend zur Aneignung von Angeberwissen eignet.

Damit es aber nicht beim Stumpfen Abtippen bleibt - oder anspruchsvoller ausgedrückt der pädagogische Effekt nicht zu kurz kommt, bauen wir das Ganze doch mal der Reihe nach.

Zuerst einmal die Uhrzeit selber. Diese wird problemlos mit den Format-Parametern von date geholt. Also beispielsweise date +%H:%M-%S für 10:50-36.

Nächster Schritt: Die Ausgabe aufmotzen. Dafür darf figlet herhalten. date +%H:%M-%S | figlet.

Nun muss sich die Uhr natürlich auch noch sekündlich aktualisieren. Kein Problem mit watch, das einen beliebigen Befehl in beliebigen Zeitintervallen immer wieder ausführt - bis zum terminierenden CTRL-c.

Bis dato wären wir also bei watch -t -n 1 "date +%H:%M-%S | figlet".

Nun fehlt ein Terminal, das das bisher erreichte exklusiv anzeigt. Natürlich ohne jegliche Dekorationen und transparent gegen den Hintergrund.Eterm wäre da durchaus ein Kandidat. Der Aufruf benötigt für die genannten Anforderungen die Parameter

  • --scrollbar false (Kein Schieber)
  • --buttonbar false (Kein Menü)
  • --borderless (Kein Rahmen)
  • --trans (Transparent gegen den Desktop-Hintergrund)

Aber langsam. Es gilt noch, die Fenstergröße und -position festzulegen. Dazu öffne man ein Eterm mit Rahmen und starte darin den watch-undsoweiter-Uhranzeiger. Jetzt kann man das Fenster positionieren, in der Größe anpassen und sich schließlich von xwininfo (Paket x11-utils) die Geometrie-Parameter des Fensters verraten lassen.

Ergebnis ist dann insgesamt der doch einigermassen übersichtliche Aufruf
Eterm --geometry 50x10+865+96 --scrollbar false --buttonbar false --borderless --trans -e watch -t -n 1 "date +%H:%M-%S | figlet"

Wem die Ausgabe von figlet zu bieder ist: toilet bietet etwas mehr an. Oder die sprechende Kuh (cowsay), die sich auch in einen sprechenden Pinguin verwandeln läßt...

Viel Spaß beim Basten.
René


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Infos zum Autor

Tuxed since 1998

René Franke

Der Autor ist Fachinformatiker, Eintracht-Fan, Punk-Liebhaber, hält den "Anhalter" für deutlich bedeutender als die Bibel und verweigert sich auch ansonsten gerne jeglichem Mainstream.

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