… hiermit steigere ich Google’s Werbeeinnahmen!

Digital Signage mit Open Source und Google?
Digital Signage mit Open Source und Google?
15.07.2011 12:37

Google veröffentlichte gestern sein wieder einmal gesteigertes Quartalsergebnis. Das total angesagte Google Plus Social Network wird einerseits gelobt, andererseits spekuliert man schon über den kommenden Datenschutz-Supergau. Fakt ist: Google verdient sein Geld mit Werbung online

Viele neue Ideen entstehen aus der Verknüpfung vorhandener Dinge. Ich versuche mich hier an so einer Verknüpfung.

Werbung, die Geldkuh

Werbung ist eine feine Sache, das einzig Dumme daran ist für den Werbetreibenden, dass er es bezahlen muss. Werbung nimmt die verschiedensten Formen an im Internet, in Radio oder Fernsehen oder auf Litfasssäulen (dolles Wort mit drei s). Eine andere Form ist Digital Signage, was Wikipedia als "den Einsatz digitaler Medieninhalte bei Werbe- und Informationssystemen wie elektronischen Plakaten, elektronischen Verkehrsschildern, Werbung in Geschäften…“ definiert. Vermutlich schauten alle Leser schon einmal auf einen dieser Monitore im Bahnhof oder in der Straßenbahn, wo sich wichtige Informationen mit Werbeeinblendungen abwechselten. In Schulen hängt der Vertretungsplan nicht mehr in Papierform am schwarzen Brett sondern wird als Webinhalt dynamisch aus der Stundenplan-Datenbank generiert und am Großbildschirm angezeigt. Im Baumarkt erschrak ich schon oft, als ich an einem Regal vorbei lief und plötzlich erzählte mir ein kleiner Monitor über Vorzüge eines Dichtstoffs, den ich nicht brauche. Digital Signage ist überall, nur Google-Werbung fehlt auf den Monitoren.

Der Anteil an der Kuh

Dabei wäre Google eine feine Sache zur Refinanzierung der eigenen (Werbe-)Ausgaben. Google besitzt nicht nur hunderttausende Satellitenseiten, auf denen Werbung eingeblendet wird, Google besitzt auch einen riesigen Pool an Kunden, die ihre Werbung platziert wissen wollen. Im Moment sind das Text-Anzeigen oder Display-Werbung im Internet (Banner, Videos, Animationen, Flash, …) und auf mobilen Endgeräten. Bekanntlich zahlt Google dem Betreiber einer Webseite einen Anteil aus seinen Werbeeinnahmen, wenn ein Besucher der Webseite auf die Google-Werbung klickt.

Und jetzt mein Vorschlag für Google

Xibo Digital Signage

Wäre es nicht sowohl für Google als auch für die Nutzer von Digital Signage sinnvoll, wenn Google auch noch bildschirmfüllende Werbeanzeigen auf den Digital Signage Screens schaltet? Ich betrachte zunächst Google. Die derzeitige Werbefläche ist recht mickrig, die Text- oder Bannerwerbung im Internet bietet. Große Fläche = große Wirkung vermutet der Werbelaie sicher korrekt. Google hätte damit ein schickes neues Produkt, das alle multimedialen Vorzüge eines nicht wegschaltbaren "Fernsehspots“ nutzen kann. Als Beispiel des Digital Signage Benutzers nehme ich ein Restaurant, das seine Speisekarte auf einem Display veröffentlicht. Die Investitionen für Hard- und eventuell Software waren nicht unbedeutend. Schaltet das Restaurant nun ausgewählte Fremdwerbung, etwa vom Biobauern aus dem Nachbarort, der das Restaurant auch beliefert, bekommt es von Google einen Anteil an den Werbeeinnahmen und refinanziert sich damit seine Investitionen.

Technik und Software

Die Auslieferung der Werbung erfolgt über die Infrastruktur des Internets und die Werbeplattform von Google. Diverse Digital Signage Software existiert für diesen Fall, etwa die beiden OpenSource-Lösungen Xibo und Concerto. Über Xibo schrieb ich bereits im Linux Magazin. In beide Lösungen lassen sich "fremde“ Inhalte einbinden, etwa durch das Laden einer externen Webseite. Dabei unterstützt die Client-Software unter Windows und Linux, zumindest bei Xibo, verschiedenste Multimedia-Formate: Flash, MPEG, Audio – alles kein Problem dank Webkit-Engine im Linux-Client. Und Google erlaubt es in den Einstellungen der Werbeplattform, dass nicht gerade der Fastfood-King um die Ecke seine Werbung auf meiner Restaurant-Speisekarte schaltet.

Die Auswirkungen?

Auf den Normalbürger vermute ich geringe Effekte. Werbung ist man gewöhnt, nimmt sie wahr, oder ignoriert sie. Auf das kleine Restaurant sehe ich keine rosigen Zeiten zukommen, aber zumindest refinanziert sich vielleicht die Hardwareanschaffung der Digital Signage Technik innerhalb der Abschreibungszeit. Auch die Privatsphäre des Konsumenten steht hier nicht zur Debatte. Er bleibt anonymer Betrachter vor dem Screen. Für Google allerdings sage ich ein goldiges Ergebnis für das nächste Quartal voraus.

Lieber Larry Page, hiermit steigere ich Google’s Werbeeinnahmen!

Aber wahrscheinlich hatte schon jemand anders diese Idee und Google kauft mir mein geistiges Eigentum nicht ab. Ich muss also weiter arbeiten gehen.


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Infos zum Autor

Horst erklärt, wenn ich nicht weiter weiß.

Michael Stibane

Admin eines heterogenen Reichs von etwa 150 Rechnern, diversen Kassen-, Waagen- und Warenwirtschaftssystemen und vier Servern eines Bildungsinstituts (http://bdhdd.de), IT Dozent in Dresden mit LPIC 1. Als gelernter Mechaniker bin ich jedenfalls nicht mehr ernsthaft an der Fräsmaschine oder an einer Drehbank einsetzbar. Ebenfalls im Bild: Mein Unterrichtskater Horst.

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