Die Sache mit dem Tinitus
Schon die Beta zu Ubuntu 9.04 hat mich wirklich neugierig gemacht. An vielen Stellen wurde ja geschraubt. Vor allem wurde die eine oder andere Bremse gelöst. Das spürt man schon beim Booten. Gefühlte drei Lidschläge auf einem Rechner aus dem Performance-Mittelfeld und der Desktop ist da.
Dann starte ich das Terminal und - Beep - da ist es wieder. Die kleine Nervensäge, die ich seit DOS 6.22 schon vergessen hatte: Der Tinitus, der im Rechner sitzt. Eigentlich hat es schon beim Start des Desktops gepiept. Da habe ich es aber noch ignoriert. Ich gebe mit die größte Mühe und suche nach Bauteilen, die nicht rauschen, klappern, summen oder sonst ein Geräusch machen, wenn es mir nicht beim Arbeiten an der Kiste hilft. Aber - Beep - schon wieder, Ubuntu piept.
Ich bringe den PC-Speaker im Terminal erst mal mit xset b off für die aktuelle X-Session zum Schweigen. Aber was soll das? Jedes d#mliche Gerät macht inzwischen irgend ein absurden Ton. Küchengeräte, Personenwaagen, Wetterstationen und nun auch mein Rechner. Aber mit dem Entladen des Moduls für den PC-Speaker ist Schluss mit Beep:
sudo rmmod pcspkr
Zumindest für heute. Damit das Spiel morgen nicht anfängt, trage ich das Modul in die Blacklist ein, indem ich die folgende Zeilen an das Ende der Datei /etc/modprobe.d/blacklist.conf anfüge:
# PC-Speaker deaktivieren blacklist pcspkr
Danke, Ubuntu, danke. Dafür, dass Ihr mir die Möglichkeit gebt, den PC-Speaker auf so etwas, wie eine Schwarze Liste zu setzen. Das wäre geschafft. Endlich Ruhe.
Naja, nicht ganz. Das Notebook ist nun zwar schnell und piept nicht mehr, aber der Lüfter läuft ununterbrochen. War das bei Ubuntu 8.10 auch schon so? Schnell das Image zurückspielen und tatsächlich. Der Lüfter rauscht ohne zu wissen, das er eigentlich regelbar ist. Wieder zurück zu Ubuntu 9.04 und alle Register ziehen: cpufreq-* module sind alle geladen. Das Umschalten der Profile "on demand", "powersafe" und "performance" zeigt keine Wirkung.
Allein, wenn ich den Akku reinschiebe und das Netzteil abziehe, kann das den Lüfter kurzzeitig überreden, endlich mal runterzufahren. Ich installiere die sensors-Tools und schaue mir die Temperatur der CPU an. Im Akkubetrieb klettert die CPU-Temperatur dann in beängstigende Höhen. Die CPU kleckert nicht, sie klotzt.
Ubuntu ist eben ein ausgewachsenes System und daher werkeln zig Dienste und Anwendungen permanent auf der CPU. Ich muss mich nun fragen, was ich will. Ubuntu ist schick, schnell und lässt sich super verwalten. Und inzwischen unterstützen selbst viele kommerzielle Anbieter das System mit Anwendungen für den professionellen Bereich. Aber das Notebook ist laut und taugt nun schon als Heizplatte. Und der Sommer kommt erst noch.
Ich kann es nicht glauben, aber ich bin schon wieder bei Zenwalk gelandet. Version 6.0 ist schick, leise und cool. Die CPU lüftet, wenn sie gefragt wird und der PC-Speaker ist wieder in Rente. Nun bin ich zum Verfechter der Stille geworden und der Sommer kann kommen.

