Offene Dateiformate und freie Codecs – Meine Favoriten

Offene Dateiformate und freie Codecs – Meine Favoriten
09.05.2009 22:12

In meinem ersten Blogeintrag möchte ich euch die verbreitetsten offenen Dateiformate und freien Codecs vorstellen. Viele Linux-Distributionen werden standardmässig ohne MP3-Support angeboten, weil es sonst patentrechtliche Probleme mit dem Fraunhofer Institut geben könnte. Die Benutzer installieren deshalb nachträglich proprietäre Plugins und vergessen dabei oft die Vorteile der freien Alternativen.

Langsam entdecken auch die Peripheriehersteller die offenen Dateiformate.

Nehmen wir als Beispiel den Audio-Codec OGG Vorbis, welcher sich als patent- und lizenzkostenfreier Konkurrent zu MP3 in der Kategorie der verlustbehafteten Audio-Formate einordnet. Wenn ich heute in die Ladenregale schaue, finde ich im Sortiment - im Vergleich zu früher - viele Multimedia-Player mit OGG-Unterstützung.

Test der sechs verbreitetsten Audio-Codecs [Bild: rjamorim.com]

Roberto J. Amorim liess eine Auswahl von Leuten sechs verlustbehaftete Audiocodecs anhand von 18 Songs ("Samples") anhören. Das Gesamtergebnis hat er auf seiner Website veröffentlicht. Der OGG Vorbis-Codec konnte am meisten überzeugen, knapp vor dem ebenfalls offenen MPC (Musepack)-Codec.

Auch der verlustfreie FLAC-Codec („Free Lossless Audio Codec"), eine ebenfalls frei verfügbare Alternative zu WAV scheint sich mehr und mehr durchzusetzen. Eine FLAC-Audiodatei erreicht exakt die gleiche Klangqualität wie eine Audio-CD, verbraucht aber nur einen Bruchteil des Speicherplatzes einer WAV-Datei mit dem gleichen Inhalt.

Ich bin überzeugt, dass sich der OGG-Videocodec „Theora" - nicht zuletzt dank Wikipedia - in absehbarer Zukunft ebenfalls etablieren wird.

Offene Grafikformate

Auch im Grafikbereich brauchen sich Open-Source Formate meines Erachtens nicht vor Ihren kommerziellen Mitbewerbern zu verstecken.

Das PNG-Format („Portable Network Graphics") z.B. speichert Bilder verlustfrei und dazu auch noch in einer verhältnismässig bescheidenen Dateigrösse ab. Da brauche ich keine Sekunde zu überlegen, welches Format ich für meine Grafiken und Mindmaps wähle.

Das Linux-Maskottchen Tux benötigt in dieser Grösse in einer PNG-Datei - trotz Transparenz - nur 17,5 KB Speicherplatz.

Das SVG-Format („Scalable Vector Graphics") ist ebenfalls ein offenes Dateiformat, welches sich besonders für skalierbare Vektorgrafiken (z.B. Firmenlogos) empfiehlt.

Die meisten Digitalkameras speichern die Bilder jedoch im JPEG-Format ab, welches zwar kein offenes Dateiformat ist, aber verlustbehaftet und daher natürlich weniger Speicherplatz benötigt als PNG und Co. Daher ist PNG eher für Grafiken geeignet als für Fotos. Nichtsdestotrotz speichere ich meine Bilder lieber im PNG- oder ggf. im JPEG-Format als im GIF-Format. Da das GIF-Grafikformat früher nicht frei verwendbar und eine Zeit lang auch gebührenpflichtig war, habe ich es stets gemieden.

OpenDocument

OpenOffice.org speichert Dateien standardmässig im OpenDocument-Format ab, welches im Gegensatz zum halboffenen OOXML-Format von MS sogar ohne Lobbyarbeit und ohne Mithilfe von Geldkoffern ISO-zertifiziert wurde.

Eine OpenDocument Textdatei verbraucht - dank guter Komprimierung - nur rund ein Viertel des Speicherplatzes im Vergleich zu einer DOC-Datei.

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Was habt ihr in Sachen Dateiformate/Codecs für eine Meinung? Bevorzugt ihr auch eher offene Formate oder ist es euch egal, solange auch andere Formate/Codecs ihren Zweck erfüllen? Eure Meinung interessiert mich!


Kommentare
Freie Formate
Philip Rebohle (unangemeldet), Donnerstag, 14. Mai 2009 17:01:35
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Wo es geht, benutze ich freie Formate. Leider kennt mein mp3-Player kein OGG... :(


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Theora - Sehr optimistisch
Oster Ei (unangemeldet), Donnerstag, 14. Mai 2009 11:28:23
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"Ich bin überzeugt, dass sich der OGG-Videocodec „Theora" - nicht zuletzt dank Wikipedia - in absehbarer Zukunft ebenfalls etablieren wird. "

Sehr optimistisch.

Welche Argumente sprechen für Theora ?
Patenfrei ? Diese Aussage gibt es alleine von Xiph.Org.
Noch kein Software Ingenieur hat Theora auf eventuell Patente untersucht.
Qualität : Laut dem Videoforum Doom9 ist die Qualität unter MPEG2 und Meilenweit von x264 entfernt.
http://forum.doom9.org/showthread.php?t=146893

Es wäre sehr nett, wenn ihr euch dem Thema annehmt.


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Zustimmung und Frage
Reinhard Holler, Dienstag, 12. Mai 2009 08:44:05
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Danke für die kurze Auflistung freier Formate. Ich lese meine CDs unmittelbar nach dem Kauf auch immer gleich in Ogg-Vorbis-Dateien ein, um sie dann per Rechner anzuhören.

Eine Kritik zu Deiner Erwähnung von FLAC: mit "Bruchteil des Speicherplatzes einer WAV-Datei mit dem gleichen Inhalt" hast Du zwar Recht, aber die Größenordnung ist in etwa die gleiche. Meine Erfahrung mit dem FLAC-Format ist, dass es die Datenmenge etwa halbiert. Hast Du da andere Erfahrungen?

Meine persönliche Meinung zu (mobilen) Abspielgeräten: ich bin heute froher denn je, dass ich mir vor 5 Jahren den MP3-player iriver iHP-140 (H-140) gekauft habe, als es ihn gegeben hat. Dieser Player hat schon mit der Original-Firmware Ogg-Vorbis hervorragend abgespielt und ist zudem auch voll Rockbox-tauglich, was ihn um die Möglichkeit noch weitere freie Formate abzuspielen bereichert. Zur Zeit gibt es leider keinen Player, der diese Kriterien erfüllt und dazu noch mind. 40 GB Platz bietet, soweit meine Recherchen korrekt sind. Mein iHP-140 tut es zum Glück noch und geht hoffentlich nicht so schnell kaputt, ich hoffe aber trotzdem, dass es bald ein würdiges Modell gibt, was ihn im Falle des Falles ablösen kann. Wenn dazu jemand etwas weiß, bedanke ich mich gleich im Voraus über Tipps dazu!



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Re: Zustimmung und Frage
SEpp (unangemeldet), Dienstag, 12. Mai 2009 11:33:07
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jou, kann ich für den iHP-120 ebenso bestätgien.
Voll geiles Gerät, das ich mir vor ca. 4 oder 5 Jahren angelacht habe (OggVorbis, USB-Device-Protokoll voll unterstützt und deswegen mit Linux und rsync gut auch ohne Rockbox benutzbar).

Leider ist Microsoft vor ca. 3 Jahren bei iRiver eingestiegen und was dann rauskommt, sieht man an der aktuellen Produktpalette. Linux und/oder OggVorbis-Unterstützung nur noch punktuell. Schade, drum.

Bei einem neuen Player würde ich momentan die Cowons favorisieren.


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Re: Zustimmung und Frage
Reinhard Holler, Mittwoch, 13. Mai 2009 15:12:49
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Ich habe mittlerweile den Cowon D2 ins Auge gefasst, er lässt sich mit Hilfe einer großen 32 GB SD-Karte auf ungefähr 48 GB aufrüsten, so dass er meinen alten iriver wenigstens ein bißchen übertreffen kann. Außerdem habe ich gestern noch gesehen, dass geplant ist, Rockbox auch für den D2 zur Verfügung zu stellen.
Eigentlich stelle ich mir ja auch gern wieder einen Harddisk-Player vor, am liebsten einen mit >100GB Platz. Aber außer Apple scheint leider keine andere Firma mehr Interesse daran zu haben Harddisk-Player zu bauen.


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Re: Zustimmung und Frage
Marco Peter, Dienstag, 12. Mai 2009 21:05:26
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Dass FLAC die Datenmenge mehr oder weniger halbiert kann ich nur bestätigen. Das mit dem "Bruchteil" mag ein bisschen optimistisch sein, das gebe ich zu, aber ich denke FLAC ist schon effizienter als z.B. WAV.


PS: Habe mal im Wikipedia-Eintrag zu FLAC herumgestöbert:

"Laut Angaben der Entwickler erreicht FLAC durchschnittlich eine Komprimierung auf rund 50 % der Ausgangsgröße, der Unterschied zu anderen verlustfreien Verfahren liegt demnach in einem Bereich einiger Prozentpunkte." (Quelle: Wikipedia)


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Re: Zustimmung und Frage
Reinhard Holler, Mittwoch, 13. Mai 2009 15:16:05
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Das mit den 50% ist eigentlich recht interessant, wenn man auch mal unqualifiziert darüber nachdenkt: ich kann mir vorstellen, dass man schon einen Batzen der Daten wegbekommt, wenn man die Daten merged, die auf dem linken und rechten Stereo-Kanal zusammenpassen. Dann noch einen normalen Komprimierungsalgorithmus drauf angewandt, so könnte man diese Größe etwa erreichen. Aber bestimmt macht FLAC noch etwas mehr als das (und das Finden von Gemeinsamkeiten auf der linken und der rechten Seite ist vermutlich auch nicht so einfach)...


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