Understatement as Usual (Fedora Anwender Bericht)
Meine ersten Erfahrungen mit der neuen Version von Fedora.
Parallel zur letzten Version von Fedora 14 arbeiteten die Entwickler bereits seit August dieses Jahres im fast täglich aktualisierten Entwicklerzweig Rawhide an Fedora15. Diese unter dem Namen "No Frozen Rawhide" eingeführte Parallelentwicklung nutzt das Fedora-Projekt schon seit Fedora13. Wer also „rolling release“ haben möchte kann das gerne auch bei Fedora haben. Allerdings fließt hier auch explizit nicht stabile Testsoftware ein.
Und noch bevor die 15 auf den Markt kommt, wird auch schon der Name für Fedora 16 bekannt gegeben. „Verne “ wird die nächste Version heißen. Wer beim nächsten Voting dabei sein möchte sollte mal hier auf der Abstimmseite; vorbei schauen. Mitmachen ist auch bei Fedora ausdrücklich erwünscht. Die neue und aktuelle Version 15 heißt nun:Lovelock, nach einem „kleinen Nest“ in Nevada. Dabei ist Fedora alles andere als ein kleinen Dorf. Gerade in systemtechnischen Bereichen, die sich nicht jedem Endanwender sofort zeigen setzt das Fedora Entwicklerteam immer wieder neue Trends und Maßstäbe.
Drunter.....
Die Version15 startet merklich schneller als die Vorgängerversionen. Und wo wir gerade beim Booten sind. Der Einsatz der SysV-Init- und Upstart-Alternative Systemd, die ja ursprünglich bereits Bestandteil von Fedora 14 werden sollte, und dieser als "Technical Preview" beigelegt wurden, beschleunigt den Start der Maschine wirklich spürbar. Auf meinem T60 Laptop, das auch vorher schon mit FC14 gute Dienste leistete sind das mal gut 1/3 weniger Bootzeit. Eines der interessantesten Feature für Endanwender , die dynamische Firewall werden wir uns in einem extra Beitrag nochmal intensiver widmen. Hier aber ein Link vorab auf einen Englischen Blogbeitrag aus dem Fedora Planet der sehr salopp und kurz erklärt wie das funktioniert. Die Dynamik besteht darin mittels Dbus Interaktion Ports zeitweilig zu öffnen oder wieder zu schließen. Die Benutzer sollen damit ein Mehr an Sicherheit und Freiheit bekommen. Was unter Laborbedingungen recht gut funktioniert, muss sich nun auch im Alttagstest bewähren. Hierzu gibt es also sicherlich noch Ausführlicheres zu berichten. Das ecryptfs in authconfig ermöglicht nun dem Benutzer oder Admin das mounten von verschlüsselten Geräten oder Dateien in das jeweilige Home Verzeichnis eines Benutzers. Und die Bonbons der Entwickler sind auch schon paketiert. Python 3.2 und Ruby on Rails 3.0.5 wird in den Paketquellen zu finden sein und das Herz der entsprechenden Entwicklergemeinde höher schlagen lassen. Apropos Paketquellen, auch das RPM Management ist runderneuert und trägt nun die Versionsnummer 4.9.
und drüber...
Natürlich fällt sofort der neue GNOME3, Fedoras Standard Desktop, ins Auge. Aber auch die anderen Desktops wie XFCE und KDE werden in aktuellen Versionen beigepackt. Und FC15 bringt nun auch standardmäßig LibreOffice. als Bürosuite mit. Allerdings hier noch die 3.3, die aber das beschleunigte Starten seit dem letzten Versionssprung auch sehr gut beherrscht. Die Version 3.4 wird aber bestimmt wieder zügig in Fedora integriert sobald das im Upstream ist. Für ihre schnelle Umsetzung ist die Fedora Community ja bekannt. Fedora ist also immer recht schnell „State of the Art“ im „Distributions Dschungel“. (Aussage eines Besuchers und GNU/Linux Neueinsteigers auf dem letzten Linuxtag in Berlin.) Das Fedora-Projekt betreut eine Fedora-Version nur bis ungefähr einen Monat nach Erscheinen der übernächsten Version; das ist in diesem Fall nun Fedora13, von einem sogenannten „Cross Update“ von 13 auf 15 wird aber auch bei Fedora abgeraten. Nach einem Backup der Daten sollte man dann doch eine komplett neue Installation durchführen. In der detaillierten Update FAQ gibt es aber auch jede Menge Tipps wie man ganz einfach Versionsupdates durchführen kann. Eine Long Term Stable Release, wie Ubuntu es beispielsweise anbietet, wurde im Fedora-Projekt schon mehrfach diskutiert, aber nie angegangen. So manche Fedora-Anwender setzen daher bei konservativ gewarteten Systemen auf Red Hat Enterprise Linux oder dessen kostenlose Nachbauten wie CentOS. Diese Distributionen sind eng mit Fedora verwandt und werden mindestens sieben Jahre gepflegt und bekommen, im Rahmen der ein bis zwei Mal pro Jahr erscheinenden "Minor Releases" einige Verbesserungen sowie aufgefrischte Treiber-Ausstattung nachgereicht. Dadurch arbeiten ein an der Kernel und System- Basis ein Jahr oder mehr altes RHEL erheblich besser mit moderner Hardware zusammen als ein vergleichbar altes Debian oder Ubuntu LTS. Hier zeigt sich die Erfahrung von Red Hat im Unternehmensbereich. Gerade längerfristige Projekte wollen gerne Ihre alten Systeme“ so lange wie möglich behalten.
Im GNOME3 Desktop ist es zur Zeit noch immer nicht möglich Schrift und Icon Größe anzupassen. Oder ich habe das schlichtweg übersehen?!. Die Fedora Community zeichnet sich aber dadurch aus, dass sie einige Dinge schon recht früh selber ausprobieren. Gnome Applets unter KDE ?! Oder ein kleiner Hack für die neue GNOME Shell. Alles schon probiert und ausführlich ge-bloggt. Interessierte Benutzer sollten einfach mal im Planeten schmökern.
Zum neuen Releasezyklus erhält Fedora auch eine neue Programm-Managerin Robyn Bergeron, bisher im Marketing für Fedora tätig und Systemadministratorin. Sie beginnt ihre Tätigkeit am 15. November. Alles in allem macht Fedora15 wieder einen professionellen Eindruck und wird genauso unspektakulär wie der Vorgänger einfach seine Dienste ausführen.
Natürlich gibt es das ganze auch als LiveCD - also "nix wie ran an den Speck" ;)

