Im Herz der Bestie - Innenansichten zum WIPO Treffen

Free Software Foundation Europe e.V.
Free Software Foundation Europe e.V.
06.12.2010 17:41

Ich bin Fellow der FSFE (Berlin) Aber, die FSFE ist weit mehr als nur ein Ableger der Internationalen FSF die von R. Stallman gegründet wurde, als das die Ähnlichkeit des Kürzels vermuten lässt. Eine Übersicht gibt es hier. (FSFE Network) Die FSFE unterstützt bspw. Firmen und Entwickler bei der Deklaration Ihrer Produkte unter der GPL. Veranstaltet Informationsabende und Vorträge. Und stellt auf Messen und Linux Veranstaltungen Themen der Freien Software Bewegung in den Focus. In Berlin treffen wir uns regelmäßig um uns gegenseitig zu unterstützen und ggf neue gemeinsame Projekte zu entwickeln. Durch die stete Mitarbeit aller hat sich so eine kleine aber feine Organisation konstituiert. Das Berliner Büro gibt es seit 2009. Vorher gab es eines in Zürich und davor in Hamburg. Und ungefähr seit 2006 gibt es auch in Düsseldorf ein Büro als kontinuierlichen Ansprechpartner für Fragen und Anregungen rund um Freie Software / Open Source. . Auf Grund des Interessanten Themenfeldes und der Arbeitsdichte greifen auch wir gerne auf Praktikanten zurück. Diese partizipieren davon direkt am Ort des Geschehens eingesetzt zu werden. Vor kurzen erst gab es wieder ein Treffen der WIPO. Und auch diesmal waren wir mit zwei Personen dabei. Unser Präsident sowie Maëlle aus dem Berliner Büro. Auch ich werde Ich im Jahr 2011 des öfteren hinter einem FSFE Stand auf diversen Linux Veranstaltungen zu finden sein. Sprechen Sie uns ruhig an.

#Hallo Maëlle, stelle dich doch bitte kurz unseren Lesern vor:

Ich bin eine französische Studentin im dritten Jahr und studiere Sozial- und Politikwissenschaft an der: „Sciences Po Paris“. Ich mache jetzt seit 5 Monaten ein Praktikum bei der Free Software Foundation Europe (FSFE) als Assistentin des Präsidenten, dieses Praktikum endet im Februar 2011, zeitgleich lege ich meinen Bachelor bis dahin ab. Ich bin zu Freien Software gekommen, weil ich mich sehr für Informationsökonomie (informational economics) interessiere, und im Besonderen die Frage, wie die Information und Informationsverarbeitung die Wirtschaft und die Handlungen der Menschen in unserer Gesellschaft sich gegenseitig beeinflussen. Der Umgang mit Software bestimmt, wie wir mit unseren Dateien und unseren Computer umgehen können, und spielt daher eine wichtige Rolle unter anderen in der Informationsgesellschaft.

#Was ist eigentlich die/das WIPO?

Die World Intellectual Property Organization (WIPO - Welt Organisation für geistiges Eigentum) wurde 1967 mit der WIPO Convention [1] ins Leben gerufen. es ist eine UN Organisation, dessen Ziel folgendermaßen definiert ist :"Den Schutz von 'geistigem Eigentum' durch Kooperation zwischen den Staaten und mit anderen internationalen Organisationen zu fördern". Im Klartext heißt das für uns von der FSFE das die WIPO sich als eine Organisation versteht, die die Kommunikation zwischen 184 Staaten über Patente, Markenrechte und Urheberrecht Aufrechterhalten soll, und weiterhin die rechtlichen Grundlagen und Rahmen für internationale „Interlectal Property“ (IP) Gesetze und Standards stellen soll. Die Organisation hat Ihren Sitz in Genf (Schweiz).

Die FSFE hat dort (seit 2005) als NGO ein Beobachter Status, das heißt, dass wir in den Sitzungen dabei sein dürfen, Statements machen können und uns mit den Delegierten der Mitgliedsstaaten unterhalten können. Seit dieser Zeit folgt die FSFE regelmäßig den Sitzungen vom SCP und CDIP.

In der Woche vom 22. bis zum 26. November 2010 fand die 6. Sitzung des Committee on Development and Intellectual Property statt. Ziel diese Sitzung ist, die Entwicklungs- Agenda [2] durch Projekte zu realisieren. Dort waren wir wieder mit dabei.

#Danke, jetzt wo wir wissen was WIPO ist, welche Techniken nutzt WIPO den so um ihre Ziele durch zu #setzen. und was meinst du dazu, ist das richtig was Sie tun?

Ich kann natürlich nur davon erzählen, was ich innerhalb der drei Tagen dort erlebt habe, ich weiß nicht, ob das für alle Sitzungen repräsentativ ist. Aber, probieren wir es einmal. Was die Techniken betrifft, muss man voraus führen, dass eine Diskussion mit 184 Teilnehmern ziemlich langwierig ist. Dafür haben sich die Staaten zu mehreren Interessengruppen zusammen geschlossen, um dann ihre Interessen gemeinsam besser zu vertreten, was sich auch als sehr effektiv herausgestellt hat. Daher erfolgt der größte Teil der Diskussionen auch außerhalb des Plenums: Für die Länder in Ihrer jeweiligen Gruppenversammlungen, für die NGOs indem sie dort die Delegierten direkt ansprechen können und diesen direkt helfen können, bspw. auf Streitpunkte in den Texten aufmerksam zu machen, und auch darum bitten, bestimmte auch Konkret Gesellschaftliche Interesse zu vertreten.

Diese Sitzungen haben ihre eigene Dynamik, die am Anfang ein bisschen verwirrend sind, die aber den Vorteil haben, dass alle Entscheidungen im Konsens getroffen werden. Eine Gefahr, die ich darin sehe (Aber das ist auch das inhärente am UNO-System), ist die Tatsache, dass sich die Gruppen auseinander setzen, und feste Positionen annehmen. Bei solch einer Struktur ist es nämlich einfach, eine Entscheidungen zu verschieben, denn wenn etwas nicht in der einen Sitzung entschieden wird, kann erst nach wieder verstrichenen 6 Monaten darüber gesprochen werden.

#Kannst du uns noch etwas über den Ablauf oder Inhalt von Besprechungen wiedergeben?

Bei jeder Sitzung gibt es im Vorfeld Texte, Berichte oder Studien [3], die besprochen werden sollen, und zwar in der Reihenfolge, die die Sitzungsagenda vor gibt. Bei CDIP/6 war es so, dass die ersten zwei Tage, der Bewertung von Projekten gewidmet wurden, die schon im Gange sind. Die Diskussion hat sich daher darauf konzentriert, wie das Budget genutzt wurde und warum es zu Verspätungen kam. Da könnten NGOs ziemlich wenig eingreifen, umso weniger als uns die Möglichkeit, ein Statement ab zu geben, erst gegeben wurde, als alle Projekte sowieso schon besprochen waren, sozusagen als „letztes Wort.“

Inzwischen führen auch die WIPO Mitgliedstaaten eine Diskussion darüber, wie die Arbeit vom CDIP mit den anderen Teilen der WIPO und den anderen Organisationen koordiniert werden sollte. Außerhalb der Sitzungen gibt es ab und zu, während der Mittagspause, noch extra Vorträge, die manche Themen näher vertiefen sollen. Zum Beispiel gab es, meiner Meinung nach, einen sehr interessanten Vortrag am Dienstag, und zwar über: Copyright and the Public Domain Worin es darum ging, Copyright als eine Beschränkung der Public Domains zu sehen, und die daraus entstehende legale Komplexität zu betrachten.

Besonders spannend wurde es aber nochmal am Mittwoch. Die Diskussion orientierte sich nämlich in die Richtung der neuen WIPO Projekte. Hauptanliegen für uns waren die Diskussionen über: Technologie, & Transfer, über das Zwischenspiel von Wettbewerbsregelungen in der IT Branche. Worüber die FSFE ein ausfühliches Statement abgelegt hat [4] Sowie das neues Projekt über:"Open and collaborative innovation" Darüber haben wir, die FSFE uns natürlich sehr gefreut Obwohl wir die Wahl der Beispiele kritisiert haben. [5]. Die FSFE engagiert sich dafür, dass die WIPO seine Kompetenzen erweitert, indem sie eine Expertenkommision für Open und Collaborative Projects hat. Weiterhin sollten Freie Software (initiativen) , aber auch andere FOSS Initiativen wie Wikipedia und Creative Commons (Die nicht direkt den Sourcecode betreffen) in einer Studie wahrgenommen werden, um mehr repräsentative Ergebnisse zu bekommen.

#Maëlle, ich möchte mich bei dir für diese ausführlichen Informationen Bedanken. Und wünsche dir für #dein Studium und die Prüfungen alles Gute

Wer sich nun Angeregt fühlt mit uns gemeinsam im gleichen Rahmen tätig zu werden, dem empfehle ich ein regionales Treffen. Diese werden über die vorhanden Büros der FSFE koordiniert. Beziehen Sie unseren Newsletter und Diskutieren Sie mit uns. Unser Internetauftritt zeigt auch auf wo schon regionale Aktivitäten vorhanden sind.

LINKS:

1. http://www.wipo.int/treaties/en/convention/

2. http://www.wipo.int/ip-development/en/agenda/recommendations.html

3. http://www.wipo.int/meetings/en/details.jsp?meeting_id=19688

4. http://www.fsfe.org/projects/wipo/statement-20101124-01.en.html

5. http://www.fsfe.org/projects/wipo/statement-20101124-02.en.html

Email: office@fsfeurope.org

Büro Düsseldorf

Free Software Foundation Europe e.V.
Talstraße 110
40217 Düsseldorf
Deutschland

Telefon: +49-211-3107317

Büro Berlin

Free Software Foundation Europe e.V.
Linienstr. 141
10115 Berlin
Deutschland

Telefon: +49-30-27595290


Kommentare
Liste der Fellowship Gruppen
Guido Arnold (unangemeldet), Donnerstag, 09. Dezember 2010 00:11:46
Ein/Ausklappen

Eine Liste der FSFE Fellowship Gruppen findet sich im Wiki:
http://wiki.fsfe.org/CategoryFellowshipGroup


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Infos zum Autor

Michael a/k/a majestyx

Michael (Majestyx) Kappes

Inhaber einer kleinen IT Firma, arbeitet seit über 10 Jahren mit Freier Software.
(http://glx-consult.com)

Aktives Mitglied der FSFE Berlin (Fellow)
(http://blogs.fsfe.org/majestyx/)

Die meisten Wege legt er zu Fuß, per Rad oder Öffentlichen Verkehrsmitteln zurück. Sein Interesse gilt ins besonders der gegenseitigen Beeinflussung von Sozialen und gesellschaftspolitischen Bereichen auf und von Freier Software.

Zum Blog von Michael (Majestyx) Kappes →