Führt Deutschland Internetzensur ein?

Führt Deutschland Internetzensur ein?
16.01.2009 11:41

Es ist erstaunlich: Quasi im Alleingang hat Frau von der Leyen in Deutschland etwas bewegt. Gewöhnlich werden hier Reformen gern von langer Hand geplant und bis zu ihrer Umsetzung so zerredet, das am Ende oft nur zahnlose Kompromisse übrig bleiben.

Ohne Frage ist es ein guter Schritt, dass Provider künftig Kinderpornographie filtern. In anderen europäischen Ländern - etwa in den Niederlanden, in Dänemark und in Großbritannien - gibt es solche Filter schon eine Weile. Anwender, die gezielt nach Kinderpornos suchen, sehen ein rotes Stoppschild in ihrem Browser. Die Sperre wird technisch weniger versierte Konsumenten (hoffentlich) behindern und somit das Geschäft der Anbieter schädigen - vielleicht sogar empfindlich.

Es gibt allerdings auch Nebenwirkungen, die das Blog "Quarkmitsauce" recht gut beleuchtet. Zusammengefasst: Mit ein paar technischen Kenntnissen, lassen sich die Filter, die bestimmte Domainnamen sperren, umgehen. Zudem verursacht die Filtertechnologie Kollateralschäden: So wurde etwa in Großbritannien die komplette Wayback-Machine gesperrt, weil auf einzelnen Seiten des Internetarchivs, das bis 1996 zurückreicht, Kinderpornographie gefunden wurde. Nicht zuletzt flüchten die Anbieter vermutlich zunehmend in Darknets und sind dort wesentlich schwieriger zu orten. Und sie nehmen ihre Kunden mit, denn auch die Technologie zur Anonymisierung wird immer benutzerfreundlicher.

Ist man gutwillig, unterstellt man, dass die Maßnahme trotz der genannten Nebeneffekte dabei hilft, die Verbreitung von Kinderpornographie einzuschränken. Wenn aber der Plan aufgeht und das Geschäft mit der Kinderpornographie dank der Zensurmaßnahmen spürbar zurückgeht, wird es nicht lange dauern, bis die Politik aber auch die Lobbygruppen der Glücksspiel-, Musik- oder Filmindustrie die Provider auffordern, nicht genehme Seiten doch bitte zu sperren, was deutlich mehr Kollateralschäden verursachen würde.

Die Infrastruktur für die Zensur steht. Nun müssen die Internetnutzer und Provider dafür sorgen, dass Politik und Industrievertreter sie nicht für ihre Zwecke missbrauchen - erfahrungsgemäß ein fast unmögliches Unterfangen.


Kommentare
sly tux hat ein Problem
super User (unangemeldet), Sonntag, 18. Januar 2009 13:05:07
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kann es sein, dass du absichtlich oder aus Dummheit gerne alles in einen Topf wirfst? Das Angebot eines freiwillig zu nutzenden kostenpflichtigen Inhalts ist keine Zensur.


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Re: sly tux hat ein Problem
sly tux, Montag, 19. Januar 2009 00:39:29
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kann es sein, daß du subaltern (= nach oben buckeln und nach unten treten) - da du die Idee eines freien Net nicht begriffen hast! - argumentierst............... denke ja, melde dich doch an oder bist du zu feige oder zu faul einen Account einzurichten?

Noch was: bin mir durchaus bewußt, daß ich nerve, aber mir liegt was am Linuxland, auch an LU und EL - ob als Pate oder Kunde, seit über 10 Jahren bestelle ich entweder Distris (habe erst seit 2006 DSL) oder aber untersütz(t!)e LU + EL per Abos.

Der Weg kostenpflichtiger Onlineinhalte ist somit der falscheste, den mensch einschlagen kann und ähnelt meiner Meinung nach sehr wohl einer Zensur.
ES ist (m)eine Meinung. Heute schon mal Toleranz geübt?

Was denn, wenn jemand sich die Abos nicht leisten kann, aber sehr wohl in einem Workchat (was immer das heißen mag) mitarbeiten oder zumindestens informiert sein/werden will.

IRC ist das NonPlusUltra, nur, da muß man sich einarbeiten und nicht jeder Um/Einsteiger ist in der Lage, sich so zu artikulieren, daß er Antworten bekommt. "RTFM" ist zu oft ein Hinweis.

SuperUser: du hast nicht nachgedacht, sondern einfach mal losgetrollt.............


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von wegen.............
soul soul, Montag, 19. Januar 2009 02:30:44
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...............auch mich wundert es, daß es 2 LinuxUser Klassen geben soll. die, die gefälligst zu zahlen haben und in keinem der neuen Chats willkommen sind und die die ebenfalls gefälligst zu zahlen haben und mit mindestens 12.- im Jahr dann an einem Workchat mitarbeiten dürfen.

Es wird langsam albern.

In diesem Zusammenhang würde es nicht nur mich interessieren, wieviele Abonnenten gegenüber Käufer am Kiosk gegenüberstehen?

Bitte mal Zahlen nennen.

Von wegen jeder Kunde ist gleich!



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was mich so wundert..............
sly tux, Sonntag, 18. Januar 2009 06:31:18
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.............ist, daß - sei es bei www.nickles.de oder eben hier bei www.linux.community.de die verantwortlichen Redakteure zu Recht laut aufschreien, wenn es um Zensur geht, sie selber aber - sei es bei Nickles über die VIPs oder aber bei der Community über Geld für einen Chat - ausgrenzen, ergo auf eine noch perfidere Art zensieren.

Die Kritik an von der Leyen (Tochter der "Ernst Albrecht Dynastie" - nicht so bekannt, daß sie die Tochter des ehemaligen Ministerpräsidenten aus Niedersachsen und ehemals CDU-Granden ist) mag berechtigt sein,
aber gerade LU und EL sollten sich an die eigene Nase packen.

Der Verdacht eines bigotten Verhaltens drängt sich geradezu auf.


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Re: was mich so wundert..............
sly tux, Sonntag, 18. Januar 2009 06:41:14
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P.S. da man nicht (nach)editieren kann, es muß natürlich www.linux-community.de heißen.


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Das ist nicht richtig
arebenti (unangemeldet), Samstag, 17. Januar 2009 23:16:12
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Das wird beim Rat seit Längerem diskutiert. Die Dame ist nur eine ressortfremde Populisatorin. Was andersrum heisst, das ist kein deutscher Alleingang.


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Infos zum Autor

Kristian Kißling

Kristian Kißling

Wenn Kristian Kißling nicht gerade für die LinuxCommunity schreibt, arbeitet er als Redakteur bei der Zeitschrift EasyLinux und als Chefredakteur für den Ubuntu User. Am liebsten beschäftigt er sich mit Multimedia- und Unterhaltungssoftware im weiteren Sinne und mit neuer Open-Source-Software, die überraschende Fähigkeiten zeigt.

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