Fachanwendungen benötigen ein gutes Marketingkonzept

Fachanwendungen benötigen ein gutes Marketingkonzept
16.07.2011 17:10

In den letzten Wochen war es ein großes Thema in den Medien, dass das Videoschnitt-Programm Final Cut Pro von Apple in seiner neuesten Version für seine professionelle Zielgruppe geeignet ist.

Neben Features, die professionelle Videokünstler in diesem Programm vermissen, hat das Programm allerdings ein ganz anderes Problem: Es wird exklusiv über einen App-Store vermarktet, wo es seine Zielgruppe nur sehr schwierig erreicht.

Wer auf seinem Computer gezielte Fachanwendungen benötigt, weil er ganz spezielle Interessen hat oder einen besonderen Beruf ausübt, darüber hinaus jedoch nur ein beschränktes Interesse am Umgang mit Computern hat, der recherchiert nicht im Internet nach geeigneten Lösungen, sondern lässt sich von Kollegen oder im Fachhandel beraten. Im Fachhandel möchte man dem Kunden eine maßgeschneiderte Lösung mit der richtigen Hard- und Software verkaufen, wobei man dem Kunden über diesen Vertriebsweg aber nur Software verkaufen kann, die es im Karton gibt und von jedem vermarktet werden kann.

Der Fotohändler oder der Musikhändler wird seinen Kunden weder Software aus einem Appstore empfehlen, noch ihm kostenlose Open Source Programme als Tipp nennen.

Eine exklusive Vermarktung von Fachanwendungen als Download könnte für die Software-Hersteller ein Schuss nach hinten sein, jedoch auch auf ein Problem aufmerksam machen, das Open Source schon immer hatte: Die Anwendungen erreichen ihre professionelle Zielgruppe nicht.

Weder bei Grafikern, noch bei Musikern spielt das Linux-Betriebssystem eine größere Rolle. Obwohl es durchaus Anwendungen gibt, die zum professionellen Einsatz geeignet sind, haben Nutzer aus der Zielgruppe von brauchbaren Open Source Applikationen meist noch nie etwas gehört und wenn - nicht viel Lust sich näher mit ihnen zu beschäftigen. Die User bleiben bei ihren kommerziellen Anwendungen, die sie empfohlen bekommen haben oder ihre Bekannten bereits nutzen - und somit ihren guten Namen in der Branche haben. Dieses Phänomen betrifft nicht ausschließlich Grafiker und Musiker, sondern auch weitere Zielgruppen.

Welche Strategien geeignet sind, um Open Source Anwendungen in diversen Arbeitsbereichen weiter zu etablieren, weiss ich auch nicht. Über das Internet werden sie von UNIX-Geeks entdeckt, aber nicht von ihren professionellen Anwendern. Auf dem Linux-Tag sind es ebenfalls eher die UNIX-Geeks, die sich vorführen lassen, wie man mit Programmen wie Rosegarden oder Ardour eigene Musik produziert; professionelle Produzenten hingegen kaum.

Aber man muss eben einmal abwarten, wohin die Entwicklung geht. Stellt sich der Trend, Fachanwendungen exklusiv als kostenpflichtige Downloads zu vermarkten als Flop heraus, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Man kehrt zum alten Konzept zurück, Software im Karton zu verkaufen oder lässt sich ganz neue Strategien einfallen. Ist letzteres der Fall, bietet sich auch für Open Source Projekte eine ganz neue Chance.


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