Panorama ohne Weitwinkel

Panorama ohne Weitwinkel

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In Teil 14 des schlauen Gimp 2.6 Handbuchs von Jürgen Wolf, ab Seite 805, geht es um die Möglichkeit, "Gimp" zu erweitern. Keine Sorge - ich habe nicht alle 804 vorherigen Seiten gelesen. Auf dieses Kapitel bin ich beim "schmökern" gestossen!
Neben vielen nützlichen Plugins habe ich auch einen Hinweis auf das sehr interessant anmutende Script "Pandora" gefunden.
Das Script soll helfen, mehrere Einzelbilder zu einem Panorama zusammen zu fügen (zu stitchen). Das erschien mir auch einen Test wert.

Also das Script "pandora-combine" von der Internetseite

heruntergeladen und die SCM-Datei (Script-Datei) in mein persönliches Script-Verzeichnis (/home/benutzername/.gimp-2.6/scripts) verschoben; Gimp neu gestartet und überprüft, ob das Ganze auch geklappt hat. Und siehe da: Unter "Filter -> Kombinieren -> Arrange as Panorama" bin ich fündig geworden!

...und wieder ab nach draussen und ein paar Testbilder machen...

Zuerst der "Freihand-Versuch", d.h. ohne Stativ drei Bilder aufgenommen, die für einen ersten Test reichen sollten. Und wieder schnell ab an den Rechner. Bilder von der Kamera laden. Testlauf beginnen!

Bild 1
Bild 2
Bild 3

Die gezeigten Bilder habe ich - dem schönen Wetter sei Dank (im Rest des Landes sieht es ja derzeit nicht immer so gut aus) - von rechts nach links aufgenommen und in der gezeigten Reihenfolge als Ebenen in Gimp geöffnet.
Dann das neue Script aufgerufen und "schwer überlegt", wie weit die einzelnen Bilder sich denn überlappen - denn diese Frage stellt sich zwangsläufig beim öffnen des Dialogfensters, das nach Klick auf "Arrange as Panorama" erscheint.
Ich hab´ dann den Eintrag mal auf den vorgegebenen 50% belassen und lediglich das Häckchen bei der Option "Top Layer on Right" entfernt, da meine oberste Ebene ja NICHT rechts, sondern links vom Gesamtbild liegt bzw. liegen soll.

Arrange as Panorama

Ein Klick auf OK - und das Panorama aus meinen drei Einzelbildern erscheint, ALLERDINGS noch lange nicht perfekt. Das Pandora-Script "vergleicht" selbst nicht, welche Punkte in den einzelnen Bildern identisch sind, sondern erstellt nur Ebenenmasken (mit einem Verlauf) - wodurch bestimmte Bereiche der einzelnen Bilder abgedeckt werden.

HANDARBEIT ist also angesagt!

Die oberste Ebene ausgeblendet und bei der darunterliegenden die Deckkraft verringert und mit dem Verschieben-Werkzeug an die richtige Position geschoben; Deckkraft wieder auf 100%; und fertig.
Das gleiche Prozedere mit der obersten Ebene und schon war es fast geschafft.

Kombinieren

Durch die "Verschieberei" waren die Ebenen nicht mehr auf einer Höhe, so dass ich abschließend die sichtbaren Ebenen vereinte, ein paar Hilfslinen einzog und mit dem Zuschneiden-Werkzeug das Test-Panorama in Form brachte.

Freihand Panorama mit Pandora

Auf den ersten Blick scheint das Freihand-Panorama mit Hilfe des Pandora-Scripts völlig in Ordnung. Bei genauem Hinsehen, fällt aber auf, dass eine korrekte Zusammensetzung nicht möglich ist.
Dieser Umstand ist aber nicht dem Pandora-Script anzulasten, sondern den drei, aus der Hocke aufgenommenen Bildern, bei deren Erstellung auch nicht auf die Blende und/oder Belichtungszeit geschaut wurde, sondern die einfach mit der Automatik in wenigen Sekunden aufgenommen wurden.

Trotzdem wird auch bei Stativ-Aufnahmen (mit Winkelangaben) und Beachtung von Blenden und Belichtungszeiten bei Nutzung des Pandora-Scripts immer Handarbeit erforderlich sein, was mich dazu bewog, mich anderweitig in der Open-Source-Szene umzusehen.

..und als Leser der Zeitschriften LinuxUser und easyLinux fiel mehr das Programm "Hugin" wieder ein. Da ich hier (an meinem Kurort) natürlich nicht alle Zeitschriften dabei habe, dank des Community-Abos aber auch online Zugriff auf die Artikel habe (easyLinux 1/2010 - Artikel "Zusammengenäht"), war es nicht schwer nochmals nachzulesen.

"Hugin" selber findet man für openSUSE 11.3 u.a. im Graphics-Repositorie, unter dem URL

Damit "Hugin" die eingefügten Bilder "selbständig vergleicht" und aneinander ausrichtet, ist noch das Hilfsprogramm "autopano-sift-C" erforderlich, das für openSUSE 11.3 im Community-Repositorie

gefunden werden kann. Von daher empfiehlt es sich, dieses Repositorie in YaST einzubinden.

Nach der Installation von "Hugin" und "autopano-sift-C" und erstem Start des Programms zeigt sich ein aufgeräumtes Fenster mit mehreren Registern, wobei das das Register "Assistent" aktiviert ist. Und hier sollte dann auch der erste Test mit meinen Freihand-Schnellschüssen stattfinden!

Start Hugin

1. Bilder laden...
Nach Klick auf diesen Button öffnete sich das Dateiauswahlfenster, in dem ich, mit gedrückter Strg-Taste meine Testbilder "freihand_1.jpg", "freihand_2.jpg" und "freihand_3.jpg" selektierte und öffnete.
Zurück im Assistenten fiel auf, dass in den Feldern "Brennweite" und "Formatfaktor" die Werte "18 mm" und "1,5x" eingetragen waren. Das sollte so stimmen...

2. Ausrichten...
Ein Klick auf diesen Button öffnete ein Fenster mit der Überschrift "Suche Kontrollpunkte", in dem diverse Zahlenreihen an mir vorbeischnellten. Kurze Zeit später verschwand dieses Fenster im Nirvana und ein, mit "Schnelle Panoramavorschau" betiteltes, Fenster erschien.
Hier war schonmal zu erkennen, dass das Programm meine drei Bilder "selbständig" aneinander gereiht hatte.

Hugin Panoramavorschau

Dieses Fenster bietet noch eine Reihe von Einstellungs- und damit Einfluß-Möglichkeiten, die ich aber nicht genutzt habe, da das Ergebnis augenscheinlich schon perfekt war. Kurzum: Fenster geschlossen!

3. Erstellen des Panoramas...
Nach abschließender Auswahl dieser Schaltfläche wird die Eingabe eines Dateinames verlangt. Hugin speichert das Ergebnis grundsätzlich als TIFF-Datei, so dass die Angabe einer Extension entfallen kann.
Nach Eingabe des Dateinamens und Klick auf "Speichern" wird das Ganze zusammengefügt und im angegebenen Ordner abgelegt.
Der Vorgang des Zusammenfügens kann, je nach Rechenleistung, ein wenig dauern...
Das Ergebnis ist eine ziemlich große TIFF-Datei.

Durch die selbständige Zusammensetzung wurden von "hugin" bzw. "autopano-sift-C" die Einzelbilder entsprechend ausgerichtet, was zu unregelmäßigen Rändern führt, die ich dann noch mit Gimp beschnitten,...

Panorama beschneiden mit Gimp

...und auf ein, für das Internet, erträgliches Maß skaliert habe. Das "vollautomatische" Ergebnis kann sich, trotz Freihand-Ursprungsbildern, wirklich sehen lassen!

Panorama 1

Auch ein zweiter Test, diesmal mit vier Einzelbildern und Einsatz eines Stativs, brachte "hugin" nicht aus dem Konzept.

Panorama 2

Festzuhalten bleibt, dass "Gimp" mit dem Script "Pandora" zwar auch die Möglichkeit der Panoramaerstellung bietet, dieses spezielle Thema aber durch entsprechende Spezial-Software, die es dankenswerter Weise auch als freie Software gibt, deutlich besser gelöst wird.
Die hier von mir eingesetzten Test-Bilder sind sicherlich keine wirkliche Augenweide, demonstrieren aber - nach meiner Einschätzung - trotzdem wirkungsvoll die Möglichkeiten freier Software. Ich für meinen Teil bin (schon wieder) begeistert!!!

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Kommentare
Panorama - Danke für den Hinnweis
Gudrun (unangemeldet), Donnerstag, 26. August 2010 09:07:18
Ein/Ausklappen

Auch wenn es im Sommer-Spezial sehr weit vorgegriffen ist, finde ich das Beispiel klasse.
Danke für den Tipp!

Gudrun


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Re: Panorama - Danke für den Hinnweis
Doris (unangemeldet), Sonntag, 29. August 2010 13:59:30
Ein/Ausklappen

Du musst Gimp nicht neu starten wenn du ein Script installiert hast.
Es reicht völlig wenn du bei ScriptFu auf Auffrischen gehst.


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Infos zum Autor

Frank Deneke

Frank Deneke

Frank Deneke ist zwar Beamter, aber keiner, der den Goldfisch aus dem Büro geschmissen hat, weil dieser zuviel Unruhe brachte.
Zu seiner Lieblingsbeschäftigung zählt die Fliegerei, von der er behauptet, es sei "geballte Langeweile, durchbrochen von Momenten großer Angst".
Darüber hinaus gehört natürlich Linux, das er auch im Dienst nutzt, zu den großen Leidenschaften.
...und seit kurzer Zeit kommt noch die Fotografie zur Freizeitgestaltung hinzu.
Das alles natürlich neben der Familie!

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