Auflösungserscheinungen

Auflösungserscheinungen
11.10.2010 07:32

Und wieder habe ich ein wenig mit "Gimp" und meinem neuen Grafiktablet (Wacom Bamboo Pen & Touch) "gebastelt". Diese Kombination erwies sich als nahezu perfekt um ein wenig an meinem Stöpke herum zu retuschieren.
Für mein Beispiel habe ich ein sportlich, dynamisches Bild benötigt, so dass ich meinen Sohn nötigte, sich bei den momentan recht schattigen Temperaturen dennoch in sein Sport-Dress zu schmeißen. Doch damit nicht genug! Er durfte auch noch ca. 29 (es können auch 31 gewesen sein) mal von einer Bank springen - bis ich ein halbwegs brauchbares Bild im Kasten hatte.

Daneben wurden noch Pinselspitzen benötigt, die realistische "Farbkleckse" hinterlassen. Und hier kann man auch gut zur "Konkurrenz" greifen, d.h. einfach entsprechende Photoshop-Pinselspitzen einsetzen.
Für mein Beispielbild bieten sich die, für den privaten Gebrauch uneingeschränkt nutzbaren Photoshop-Pinsel "Spetter, splash & splatter", sowie "Solid Ink Splatter" an, die im Internet unter dem URL

und

abrufbar sind. Nach dem Download und dem Entpacken der ZIP-Archivdatei können die jeweiligen "abr-Dateien" in das persönliche Gimp-Verzeichnis (bei mir: /home/BENUTZERNAME/.gimp-2.6/brushes/) kopiert werden und stehen nach einem Neustart (oder alternativ, der Aktualisierung der Pinselwerkzeuge) sofort zur Verfügung.
Erste Aufgabe war, den "Sportler" freizustellen. Dies erledigte ich nach Auswahl des Lasso-Werkzeugs bequem und fast punktgenau mit dem Grafiktablet (trotz unscharfer Vorlage). Das Ergebnis habe ich dann vorsichtshalber erstmal gespeichert (man weiss ja nie...).

Nun ein neues, transparentes Bild im DIN A4 Format mit 300 dpi erstellt, da, sofern es gelingen würde, meine Absicht war, dieses in hoher Qualität auszudrucken bzw. drucken zu lassen.
Diese neue Hintergrund-Ebene habe ich sodann mit einem Farbverlauf von schwarz (oben rechts) nach weiß (unten links) versehen.
Anschließend über das Menü "Datei -> Als Ebene öffnen" den "Sportler" eingefügt und gleich über "Filter -> Verbessern -> Unscharf maskieren" mit den Standardwerten nachgeschärft. Über das Menü "Farben -> Kurven" habe ich die Farben dieser "Sportler"-Ebene durch aufziehen einer leichten S-Kurve ebenfalls gleich angepasst.

Da mir hiernach die Farben noch nicht kräftig genug erschienen, habe ich über das Menü "Farben -> Farbton/Sättigung" den Schieberegler für die Sättigung ein wenig erhöht (auf den Wert 10).
Damit der "Sportler" nicht wirklich so frei im Raum schwebt, habe ich auf einer neuen, transparenten Ebene, am unteren Bildrand mit dem Rechteckige-Auswahl-Werkzeug eine Auswahl aufgezogen und mit dem Füllen-Werkzeug dunkelgrau eingefärbt, d.h. damit den Fußboden erstellt.
Die Auswahl habe ich dann mit der Tastenkombination Umschalt-Strg-a aufgehoben und die Ebene durch Auswahl des Menüpunktes "Filter -> Weichzeichnen -> Gauscher Weichzeichner" mit einem Weichzeichenradius von 50 (vertikal und horizonzal) versehen. Abschließend noch im Ebenen-Dialog die Deckkraft auf den Wert 40 gestellt - und fertig war die Fußboden-Ebene.
Aber auch ein Sportler, der so hoch springt, wirft einen Schatten. Also die Sportler-Ebene selektiert und über das Menü "Filter -> Licht und Schatten -> Perspektive" einen perspektivischen Schatten mit den Standardwerten erzeugt, mit dem Verschieben-Werkzeug verschoben und mit dem Skalieren-Werkzeug auf die Höhe der Fußboden-Ebene gebracht.

Noch 3 bis 4 mal mit dem Gauschen Weichzeichner "drübergegangen" und abschließend im Ebenen-Dialog die Deckkraft für die Schatten-Ebene auf den Wert 30 gestellt. Damit war das auch erledigt!
Zur Sicherheit habe ich jetzt die Sportler-Ebene dupliziert (um evtl. fehlgeschlagene Bearbeitungsschritte schneller rückgängig machen zu können) und das Original des Sportlers über das Auge-Symbol im Ebenen-Dialog ausgeblendet, so dass sich folgendes Grundbild für die nächsten Schritte ergab:

Nun war der Moment gekommen, in dem ich die Photoshop-Pinselspitzen (Farbkleckse) benötigte. Diese sollten helfen, Teile der Arme und Beine, der Hose und des T-Shirts sowie der Schuhe des Sportlers "aufzulösen"...
Für diese Arbeitsschritte bot es sich an, die (für die Arbeit benutzte) Sportler-Kopie-Ebene jeweils in einem großen Ausschnitt, d.h. stark vergrößert darzustellen und darüber eine neue, transparente Ebene einzufügen, die die Farbkleckse enthalten sollte.
Um bei den zu erstellenden Farbklecksen ein wildes Durcheinander zu erzeugen, bietet es sich an, die Pinselspitzen häufiger zu wechseln. Die Farbkleckse sollten, abhängig von der angenommenen Bewegungsrichtung des Objekts (bei mir der "Sportler", der von links nach rechts springt) auf der richtigen Seite im äußeren Bereich des Objekts gesetzt werden.
Hintergrund ist, dass die Farbkleckse dazu dienen, in der Folge eine Auswahl daraus zu erstellen und diese Auswahl aus dem eigentlichen Objekt (bei mir immer noch der "Sportler") zu entfernen (um ihn aufzulösen, was eine dynamische Bewegung mit hoher Geschwindigkeit simulieren soll).
An dieser Stelle ist die eigene Kreativität und ein Auge gefordert, dass schon vor Fertigstellung das Ergebnis sieht. Also nur Mut und ordentlich Farbkleckse gesetzt, was mit dem Grafiktablet übrigens sehr gut funktioniert...

Wessen "geistiges Auge" das Ergebnis nicht schon vor Fertigstellung sehen kann, der sollte für jeden zu bearbeitenden Bereich (Arme, Beine etc.) eine separate Ebene verwenden, was den Vorteil hat, dass bei einem mißglückten Versuch lediglich der entsprechende Bereich bzw. die entsprechende Ebene neu erstellt werden muß.
Sind die Farbkleckse dann gesetzt, ist die entsprechende Ebene im Ebenen-Dialog mit der rechten Maustaste anzuklicken und aus dem Kontextmenü der Punkt "Auswahl aus Alphakanal" zu wählen. Danach das eigentliche Objekt, d.h. in meinem Beispiel die Sportler-Kopie-Ebene auswählen und dann auf die Entfernen-Taste drücken.
Der Effekt wird erst sichtbar, wenn die Farbklecks-Ebene (ggf. auch mehrer Farbklecks-Ebenen) über das Auge-Symbol im Ebenen-Dialog ausgeblentet wird.
Um die Auflöseerscheinung zu verstärken, habe ich meine Sportler-Kopie-Ebene noch mit einem Schlagschatten (Standardeinstellungen) versehen und den Schatten an unerwünschten Stellen (alle Stellen, die nicht zur Auflöseerscheinung gehören) mit dem Radierer-Werkzeug wieder entfernt.

Nachdem ich diese Aufgabe erfolgreich gemeistert hatte, habe ich oberhalb meiner Sportler-Kopie-Ebene eine weitere, transparente Ebene eingefügt, auf der nun entsprechende Farbspritzer positioniert werden sollten. Auch hierbei habe ich darauf geachtet, dass ich zuerst mit dem Farbpipetten-Werkzeug unterschiedliche Farbbereiche des "Sportlers" auswähle, um diese dann mit unterschiedlichen Pinselspitzen auf der neuen Ebene aufzutragen...

...und weil´s so schön war, habe ich noch einen Basketball als neue Ebene eingefügt und diesen dann genau so behandelt, wie den "Sportler"!
Das Resultat kann sich - in meinen Augen - sehen lassen! Ich denke, ich werde dieses Bild mal zum Entwickeln, d.h. professionellen Drucken geben. Auf das Resultat bin ich mal gespannt...


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Infos zum Autor

Frank Deneke

Frank Deneke

Frank Deneke ist zwar Beamter, aber keiner, der den Goldfisch aus dem Büro geschmissen hat, weil dieser zuviel Unruhe brachte.
Zu seiner Lieblingsbeschäftigung zählt die Fliegerei, von der er behauptet, es sei "geballte Langeweile, durchbrochen von Momenten großer Angst".
Darüber hinaus gehört natürlich Linux, das er auch im Dienst nutzt, zu den großen Leidenschaften.
...und seit kurzer Zeit kommt noch die Fotografie zur Freizeitgestaltung hinzu.
Das alles natürlich neben der Familie!

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