Wir wollen alle Sieve!

Sieve ist ein Sieb
Sieve ist ein Sieb
11.12.2009 12:24

Seit Jahren konnte ich schon über meinen Chef lächeln, der auf 3 PCs 3 Outlooks mit 3 unterschiedlichen Mail-Filtern hatte. Im Zusammenhang mit seinem Exchangeserver war seine Verwunderung immer ganz groß warum jene Mails nicht gefiltert wurden, und dann doch - oder die ungefilterten plötzlich verschwinden, u.s.w..... Von den Problemen meiner Kunden mit ihren POP3 Fächern will ich gar nicht erst reden.

Dabei gibt es schon seit den 90er Jahren Antworten auf alle diese Probleme.
Antwort Nr.1: IMAP - Hier bleiben normal alle Mails am Server, und die Nachrichten werden nur bei Bedarf übertragen. Damit kann man mal seine E-Mail von Überall prüfen. Outlook, Thunderbird & Co, Handy/iPhone, Webmail, Palm/Blackberry - Auf Wunsch auch alle Gleichzeitig

Anwort Nr.2: SIEVE - Eine "Erweiterung" zu IMAP. Sieve ist zuerst eine Filtersprache spezielle für E-Mails. Sieve Filter sind außerdem dazu gedacht direkt am Mailserver zu laufen. Der dritte Teil von Sieve ist SieveManage, ein Internetprotokoll mit dem man seine Sieve Filter am Server bearbeiten kann.

Meine Vorteile liegen deutlich auf der Hand. E-Mails werden immer an einen Mailserver zugestellt und ein guter Server läuft immer. Meine Filterregeln werden daher immer angewendet und fressen keine Rechenleistung bei mir. Dazu kommen Funktionen die ein Mail-Client wie Thunderbird nicht, oder nur schwer umsetzen kann. Sieve kann automatisch E-Mails abweisen, oder beantworten, Es kann auch Header Umschreiben u.v.m. Im Gegensatz zu procmail kann man dank SieveManage auch auf den Shell Zugriff, FTP, oder sonst etwas verzichten.

Warum kennt und verwendet dann keiner Sieve?

  1. Sieve bringt nur dann wirklich etwas wenn ich Mails mit IMAP abrufen kann. Die Provider währen sich jedoch gegen IMAP, weil:
    1. IMAP mehr Speicherplatz benötigt (es bleiben ja alle Mails am Server)
    2. Der Provider mehr Verantwortung trägt (bei einem Ausfall würde ja alle Mails weg sein)
    3. IMAP am Server mehr Rechenleistung benötigt
    4. E-Mail Adressen scheinbar heutzutage kostenlos sein müssen.
    5. Normale Internet Provider nie wissen wie man gut Services richtig verkauft.
  2. Sollte man mal eine Provider finden der gegen Aufpreis IMAP Support hat (z.B. GMX), fehlt Sieve weil:
    1. Sieve bisher nur von Cyrus-imapd und Dovecot unterstützt wird, die Provider aber lieber Qmail, und Courier einsetzen.
    2. Die Anbieter deshalb gerne auf Mailfilter verzichten.
    3. Sie diesen Mangel mit irgendeiner selbst gebastelten Lösung - die vermutlich procmail verwendet - behoben haben. Was meist dazu führt das man seine Filter nur über ein spezielles Webinterface anpassen kann.
    4. Das Interesse einen Sievefilter in seinen Server zu integrieren ist meist nicht vorhanden, da es keine Clients dafür gibt.
  3. Hat man mal einen IMAP Server mit Sieve Unterstützung scheitert alles am Client.
    1. Der einzige bekannte Mailclient der ein Sieve-Plugin besitzt ist Thunderbird. Der bietet aber keine grafische Oberfläche für die Regeln an, sondern einen Code Editor.
    2. Alle anderen Mailprogramme sehen Sieve als Nuance an, und haben kein Interesse daran Energie zu verschwenden. Es gibt ja auch (fast) keine passenden Server dafür.
    3. Bleibt als letzter Hoffnungsschimmer der Webmail Sektor über. Wenn diese Mailfilter anbieten wollen, muss es der Server machen.
  4. Es gibt Webmail Clients die ein Sieveplugin haben. Ich habe mich Roundcube und Squirelmail angenommen:
    1. Sieve erlaubt leider jeden Anwender mehrere Scripts auf den Server zu laden. Jedes Script darf beliebig viele Regeln enthalten, es kann aber immer nur ein Script aktiv sein. Eigentlich keine schlechte Idee, aber....
    2. Roundcube bietet eine tolle Oberfläche um seine Filter ohne Programmierkenntnisse einstellen zu können. Alle Regeln werden als roundcube.sieve script am Server abgelegt, und dieses wird aktiv gesetzt
    3. Das Squirelmail Plugin liest erst gar nichts vom Server aus, es vertraut darauf das es eh keine anderen Sieveclients gibt. Die squirel-eigenen Regeln werden daher irgendwo in der Datenbank oder so gespeichert und wenn sich etwas ändert wird am Sieve-Server die Datei phpscript.sieve gelöscht, neu erstellt, und anschließend als aktiv gesetzt.
    4. Wer das jetzt verstanden hat weiß das ich dadurch entweder meine Filter von Roundcube, oder die von Squirelmail laufen habe. Ich habe lange gebraucht das zu verstehen, für einen normalen Anwender fällt das in die Kategorie Unberechenbar - Unbrauchbar.

Fazit:

Ab hier ist Gestern meine Begeisterung umgeschlagen. Seit 1996 gibt es nun ein paar wenige Server und noch weniger Clients die diese großartige Idee umsetzen. Diese verwenden die Sieve Funktion jedoch als privates Eigentum, anstelle einer öffentlichen Anschlagtafel. Sieve ist aber vor allem dazu gedacht das der Anwender seine Filter von überall bequem anpassen kann. Solange einzelne Clients keiner Rücksicht auf die Änderungen anderer Tools Rücksicht nehmen kann und wird Sieve sich nicht behaupten.

Ich habe das Sieve Plugin in Squirelmail daher ausgeschaltet und bewerbe den neuen Sivefilter als Serverseitigen Filter dem man im neuen Webmail (Roundcube) bequem einrichten kann.


Kommentare
Horde als Webclient mit Sieve Filtererstellung.
Tonke (unangemeldet), Samstag, 12. Dezember 2009 18:43:57
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Nutze Sieve auch seit Jahren. Als Client zu Filtereinstellung nutze ich allerdings Horde http://www.horde.org/ mit dem Plugin Ingo http://www.horde.org/ingo/. Ist aber auch bei Debian im Packetmanagement enthalten. Einrichtung ist nicht ganz trivial aber wer einen eigenen Server mit Sendmail+Cyrus oder Procmail+Dovecot einsetzt sollte auch das hinbekommen.


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Re: Horde als Webclient mit Sieve Filtererstellung.
Christian Berg, Sonntag, 13. Dezember 2009 00:11:56
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Squirrelmail wird vor allem deshalb verwendet weil es bei unserem Admin-Controlpanel dabei ist. (http://www.isp-control.net/)
Der einzige der es jedoch nutzt ist unser Forumsadmin - der verwendet gerne Rechner auf denen gerade mal Netscape4 läuft, Squirelmail ist da wirklich ideal für ihn.

Ohne Horde schlecht machen zu wollen, bin ich doch froh das es mit Roundcube mal ein hochwertiges Webmail gibt das sich so schnell anfühlt wie ein echtes E-Mail Programm. Es deckt bei weiten nicht den Feature-Umfangs eines Horde Webframeworks ab, aber für ein Webmail ist es unschlagbar schnell und vor allem Anwender freundlich.

Abgesehen davon traue ich mich wetten das sich auch das Horde Plugin mit den anderen Tools spießen würde.


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