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Microsoft und die GPL.

→ Zum Blog von Christian Berg

Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.

...oder besser gesagt warum "Freie Software" frei ist und Microsofts Attacken trotzdem gut für die Software Ökonomie sind.

Ein kurzes Glossar über diverese Software Modelle

Proprietäre Software:

Den Kunde bekommt die Software mit einem hübschen Installer, der alle Programme, Bibliotheken, Ressourcen in Maschinensprache so in das System schreibt, dass die fertigen Pakete funktionieren. Der Kunde hat mit etwas Glück eine Garantie vom Hersteller, dass Fehler für einen kurzen Zeitraum behoben werden. Wenn man in einen Elekro-Großmarkt geht, sich die Augen verbindet und damit blind in der Software Abteilung nach einer Schachtel greift, hat man proprietäre Stangen-Software gekauft.

Geht der Hersteller in den Konkurs (das kommt oft vor!) sind alle Zusagen Geschichte und man sitzt auf einem unwartbaren Produkt. Diverse Low-Cost Spiele werden auch nochmal verkauft obwohl Sie stark fehlerbehaftet sind und der Hersteller schon längst nicht mehr existiert. (z.B: Vampire: The Masquarade)

Open Source:

Bei diesem Wort scheiden sich die Geister:

  1. Die gekaufte Software kommt einfach mit dem Quellcode, und dieser darf vom Kunden angepasst werden - was aber auch zum erlöschen der Garantie/Gewährleistung führt.
  2. Die OSI Definition nach der die Software mit Quelltext kommen muss, verändert und weiter gegeben werden darf. Die Apache- und die BSDv2-Lizenzen sind hier gute Beispiele.

Freie Software:

Freie Software ist einer der umstrittenen Begriffe der FSF, und bezeichnet wohl eher Marktfreiheit als persönliche Freiheit. Freie Software ist immer "Open Source". Die am weitesten verbreitete "freie" Lizenz ist die GPL, und die berühmte "Virale Klausel" in der GPL besagt, dass jede Änderung an dem GPL-lizensierten Quelltext wieder unter der GPL liegen muss, sobald ich die Software wieder veröffentliche (Das ist wichtig, kleine private Änderungen muss ich nicht veröffentlichen).

Jeder auf dieser Welt darf den Apache Webserver nehmen, etwas daran ändern und das neue Produkt als "Webblaster" verkaufen; mit neuer Lizenz, EULA, und ohne Quelltext, viele (große) Firmen machen das auch. Es ist auch ein offenes Geheimnis, dass sehr vieles, das seit 1998 bei Windows besser wurde, aus dem FreeBSD Projekt kommt. Das geht so weit, dass Windows XP (ohne Servicepacks) von den Netzwerk Scannern als FreeBSD erkannt wurde.

Mit Freier Software geht das nicht. Microsoft kann sich nicht schamlos am Linux-Quelltext bedienen, ohne den kompletten Systemkern offen zu legen. Freie Software macht es sehr schwierig Stangen-Software in den Regalen zu verkaufen. Denn jeder darf die Software verändern, kopieren und verteilen. Selbst wenn ich Freie Software mit einem Kopierschutz versehe, kann jeder diesen wieder entfernen. Dieses Marktkonzept macht es fast unmöglich, dass einige wenige durch ein Produkt Multi-Milliardär werden, stattdessen können jedoch selbst kleinste Firmen schnell vernüftiges Geld lukrieren.

Freie Software schafft einen harten Markt, der sich stark selbst reguliert. Mit dem Verkauf von Software lässt sich wenig Geld verdienen. Jedoch mit dem Service, der Wartung und der Anpassung. Da der Kunde Zugriff auf den Code hat, ja da der Code sogar Ihm gehört, kann er jederzeit den Service-Anbieter wechseln.

Der Prototyp eines Nemesis

Microsoft ist das Sinnbild einer proprietären Software-Schmiede, für viele schon die groteske Freske eines Dämons, den es zu bekämpfen gilt. Meine Gefühle für Microsoft sind bei weitem nicht so Intensiv. Ich kaufe nix von denen, also hab ich kein Problem mit Ihnen.

Doch Microsoft hat verdammt große Probleme mit dieser "Freien Software". Schließlich greift die GPL & Co diesen Multi-Milliarden Dollar schweren börsennotierten Konzern genau dort an, wo Sie sich nicht verteidigen können: An den Gesetzen des freien Marktes. Andere kommerzielle Firmen werden mit günstigen Softwarebundles, "speziellen" OEM Angeboten oder durch die sehr hohen Forschungskosten aus dem Markt gedrängt. Doch mit "Linux Firmen" geht das nicht. Selbst wenn Redmond es schaffen würde, dass Redhat zusperren muss - stehen da nicht 3 sondern 30 Unternehmen parat, die sich freuen die Ex-Redhat-Kunden zu betreuen. Selbst die Redhat-Mitarbeiter können gleich übernommen werden.

Schlimm ist ja nicht, dass Microsoft wegen Linux & Co jetzt weniger Software verkauft. Doch sie verlieren gerade im Server Bereich viel Geld für unnötige User-Lizenzen, zusätzlich verlieren sie nochmal viel Geld für überteuerte Supportverträge. In einer Welt, wo Microsoft seine kompletten Produkte als "Open Source" anbieten müsste, verdienen Sie an einem Kunden mit einem Sharepoint Server und 100 gleichzeitigen Zugriffen nur noch € 2.400,-- statt 24.640,-- Dazu müssten Sie sich Gedanken machen ob ihr schleissiger Supportvertrag nicht demnächst gekündigt wird, und der Kunde sein Vertrauen nicht lieber in einen Kleinunternehmer setzt, der auch persönlich vorbei kommt.

Der Kampf geht zu Ende, jetzt gewinnen wir

Offener Quelltext ist lecker, und jeder Entwickler nascht gerne daran. Viele Firmen wurden schon verklagt, weil sie die falschen Quellen kopiert haben. Microsoft ist ein großer Befürworter von Open Source. Sie lieben BSD Software, und auch das Apache Projekt haben Sie lieb. Mono würden Sie wohl auch viel lieber haben, wenn es eine andere Lizenz hätte. Sie versuchen aber Zeitgleich mit allen Mittel die Verbreitung von Linux und damit den Vorreiter der Freien Softwarebewegung zu verhindern. Typische Attacken der letzen Jahre:

  • Microsoft Berater dürfen Spezialpreise für Linux-Kunden machen.
  • Hardware Hersteller werden bestochen/erpresst.
  • Patente die Linux gefährden könnten, werden an Patent-Trolle verkauft.
  • Anhängige Patentklagen anderer Unternehmen werden "heimlich" unterstützt.
  • Dubiose Patentverhandlungen mit großen Distributoren.
  • Studien über die Unzulänglichkeit von Linux werden in Auftrag gegeben.
  • Mit TPM will man "fremden" Code ausperren.

Doch alle diese sinnlosen Attacken sind in vielen Fällen kontraproduktiv:

  • Die Windows Server sind seit Jahren offiziell "Xen" kompatibel.
  • Microsoft musste einen "GPL" Patch einschicken, damit der Windows Hypervisor wenigstens etwas Akzeptanz findet.
  • Die Linux Foundation hat die "Linux Patente" gekauft, doch besitzen Sie genug Anstand jetzt nicht Microsoft damit zu verklagen.
  • Die FSF hat eine neue Lizenz entwickelt, welche endlich das Patent Problem adressiert.
  • Dank des TPM-Debakels gilt Windows noch mehr als unsicherer Datenspion und als Türe, die jederzeit ins Schloss fallen könnte.
  • Da alle wissen, dass man bessere Preise mit Linux Server bekommt, hat jetzt jede Firma einen dort stehen, wenn Microsoft anruft.
  • Die Netbooks werden rasant stärker, da sie jetzt "Windows-tauglich" sein müssen, die "Windows-Steuer" ist so niedirig wie nie. Microsoft glaubt einen "Markt" eingenommen zu haben, doch in Wirklichkeit verschenken sie Geld, und kein einziger Distributor erleidet deswegen groben Schaden. Die Entwicklungskosten wurden schon bezahlt. Die "Fans" spielen sich "Ihr Linux" auf, und werfen die Windows Lizenz auf den Haufen zu den anderen.
  • Das "SCO Debakel" hat das Vertrauen der Konsumenten in die Legalität von Linux langfristig nur gestärkt.
  • Microsoft hat am verbotenen Kuchen genascht und sich die Finger verbrannt.
  • Ab nun stellt sich die Frage wie weit jede Microsoft-Studie, welche die Risiken von GPL Code aufdeckt nicht auch Microsoft betrifft, denn die verwenden ja auch insgeheim GPL Software.

Ganz klar, der letzte Akt ist ein gefundes Fressen für die FUD-Schleuder. Setzen Sie auf Freie Software! Auch Microsoft tut das! Der Markt wird enger! Heute kann mir kein Mensch mehr garantieren, dass Microsoft nicht gegen das eine oder andere Patent verstößt. Schon morgen könnten Besitzer von Microsoft-Produkten ungewartete Software besitzen!

Nein, das ist schon passiert! Microsoft Works! wurde eingestellt! Läuft ihr altes "Works!" nach dem Upgrade von XP (Wartung ausgelaufen) unter Windows 7? Nein? Viel Glück! Bald kommt das neue Office, das soll eigentlich Importfilter für Sie haben.... hoffentlich gute....
Weiters stellt sich die Frage, wie lange kann es sich ein Konzern noch leisten, die Patenttrolle zu füttern, die Ihn fast täglich verklagen, und warum sollte ich das bezahlen? Die Kosten werden ja wieder auf den Konsumenten abgewälzt.

Microsoft kämpft auf allen Fronten, und bisher verlieren Sie mehr als Sie gewinnen. GPL-Software aus dem Redmond Headquarter? Was für Zeichen wollt Ihr noch das dieser Kampf bereits entschieden ist?

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Kommentare
Wow
sebastian (unangemeldet), Freitag, 20. November 2009 14:22:52
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Grandios geschrieben, traurig dass es hier immer so wenig Kommentare gibt. Wäre ein schönes Diskussionsthema. Ich finde Deinen Ansatz jedenfalls großartig. Widersprechen kann ich da jedenfalls an keiner Stelle wirklich.

Aber einen habe ich doch noch: Zusammengesetzte Substantive schreibt man doch zusammen, das fällt an vielen Stellen im sonst toll geschriebenen Text auf. "Software Ökonomie" meint doch Softwareökonomie, die "OSI Definition" ist auch eine OSI-Definition. Und viele weitere.

Nichtsdestotrotz - toll zu lesen!


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