VFAT - Unsupported Filesystem

VFAT - Unsupported Filesystem
05.01.2010 21:44

Sachen gibt's, die glaubt man manchmal selbst nicht. Heute wollte ich kurz noch ein paar Fotos von der Kamera auf den Rechner überspielen. Also schön die SD-Karte in den Kartenleser eingeschoben und gewartet, bis der KDE-Gerätemanager den neuen Datenträger anzeigt. Hat auch alles sogleich geklappt, doch als ich in Dolphin auf das Laufwerk klicke, erhalte ich nur eine blöde Fehlermeldung von wegen VFAT, unsupported filesystem. Was soll das? Seit wann unterstützt Linux das FAT-Dateisystem nicht mehr?

Liegt bestimmt an meiner Beta-Version von KDE4.4, habe ich mir gedacht und wollte die Karte von Hand einhängen. Doch auch hier erwartet mich die gleiche Fehlermeldung. Die restlichen 30 Minuten erspare ich euch, bzw. hoffe, dass sie euch durch diesen Blog-Eintrag erspart bleiben:

Ich hatte wie üblich die aktuellen Updates eingespielt und OpenSuse hat seit langer Zeit wieder einmal ein Kernel-Update vorgenommen. Da ich nur selten Medien mit einem FAT-Dateisystem benutze, war das passende Kernelmodul nicht geladen, das vom neuen Kernel passte aber nicht mehr zum alten. So blieb mir nichts anderes übrig, als den Rechner neu zu starten (jaja, ich hätte auch mit kexec usw. basteln können, aber das war mir dann doch zu blöd).

Immerhin bin ich durch das FAT-Problem erst auf das Kernel-Update aufmerksam geworden, so haben mich die Probleme mit dem proprietären ATI-Treiber nicht unerwartet erreicht und das fgrlx-Modul war ruckzuck neu gebaut :-)


Kommentare
auch Medien aus Samsung-Geräten können nicht gemountet werden
GoaSkin , Donnerstag, 07. Januar 2010 00:53:26
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Der Gerätehersteller Samsung hat das FAT-Dateisystem eigenhändig erweitert und bezeichnet seine Variante dieses Dateisystems als RICH FS bzw. RFS. Dieses Dateisystem wird in der Firmware unterschiedlichster Samsung-Geräte einerseits verwendet; andererseits gibt es aber auch Geräte, die Memory Cards mit diesem Dateisystem formatieren. Versucht man eine RFS Partition unter Linux zu mounten, so glaubt das System weiterhin, daß es sich um eine normale VFAT-Partition handelt, da sich der Dateisystem-Header nicht wesentlich von dem eines FAT-Dateisystems unterscheidet. Das Kernel-Modul merkt jedoch dann, daß es mit den Daten nicht umgehen kann und meldet einen Fehler.
Eine Opensource-Version dieses Dateisystems gibt es i.e.S. nicht. Man darf sich den Quellcode von Samsung für teures Geld lizensieren, wenn man ihn möchte. Aus verschiedenen Firmwares kann man zwar ein binäres Modul extrahieren, doch diese basieren alle auf ARM oder MIPS. Und selbst innerhalb der Firmware muß man unbedingt den Dateisystemtyp explizit angeben. Sonst versucht der normale FAT-Treiber zu werkeln.


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Re: auch Medien aus Samsung-Geräten können nicht gemountet werden
Marcel Hilzinger, Donnerstag, 07. Januar 2010 10:58:20
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Wie geht denn die Samsung-Hardware damit um, wenn man eine solche Karte mit normalem VFAT formatiert? Wird die dann mit Rich FAT überschrieben? (Ich nehme an, du sprichst hier aus Erfahrung :-)


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Re: auch Medien aus Samsung-Geräten können nicht gemountet werden
GoaSkin , Donnerstag, 07. Januar 2010 18:50:28
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Ich besitze kein mobiles Gerät von Samsung, sondern beschäftige mich mit der Modifizierung der Firmwares in den Fernsehern. Das RFS-Dateisystem wird dort für alle Partitionen verwendet, in denen Benutzerdaten gespeichert werden (z.B. interner Medienspeicher, Programmplatzinformationen etc.).

Als das Projekt (http://samygo.sf.net) am Anfang noch in den Kinderschuhen steckte, wunderte man sich, warum sich in den Firmwares FAT-Partitionen befanden, die sich nicht mounten lassen und merkte schnell, daß es sich um eine modifizierte Variante des Dateisystems handelt.
Informationen waren auf der Samsung-Homepage schnell gefunden. Samsung hat sein eigenes FAT-Dateisystem entwickelt, was Samsung nicht nur selbst verwendet, sondern dafür bewirbt, daß andere Hard- und Software-Hersteller den Quellcode lizensieren, um das System in deren Produkten zu integrieren. Auf der Produkthomepage wird beschrieben, daß dieses Dateisystem vor allem für Speichermedien in Handies und Kameras entwickelt wurde und welche Vorteile es gegenüber den anderen Dateisystemen haben soll.

Was die LCD-Fernseher mit USB-Schnittstelle betrifft kann ich sagen, daß mit herkömmlichen VFAT-Dateisystem formatierte USB-Sticks und Speicherkarten gemountet und verwendet werden können. Dazu verwendet Samsung einen eigens entwickelten Automounter, der in der Lage ist, die unterschiedlichen VFAT-Systeme zu erkennen und auch korrekt mountet. Dafür ist er der Albtraum jedes Administrators. Er mountet /dev/sda1 nach /usb/sda1, /dev/sda2 nach /usb/sda2 etc. Der Zielpfad ist dabei hardcoded, wodurch man erhebliche Workarounds umsetzen muß, um von USB-Speichermedien zusätzliche Linuxdienste zu starten. Ein einzelner angeschlossener Memorystick, der nach dem ersten einschalten SDA1 ist, kann beim nächsten SDB1 oder gar SDF1 sein. Demgegenüber stehen Daemons, deren Programmpfade fest eincompiliert sind (z.B. beim NMBD von Samba).




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Infos zum Autor

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger arbeitet als Redakteur für die Zeitschriften LinuxUser und EasyLinux. Am liebsten schreibt er Artikel zu netten Gadgets oder Multimedia-Software. In seiner Freizeit spielt er gerne Kicker.

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