Darf Stallman das?
Ich bin persönlich kein Fan von Mono-Programmen, habe aber auch kein Problem damit, so lange in der Ausgabe von ps -ax keine Prozesse mit der Endung .exe auftauchen. Die aktuelle Diskussion um Mono-Anwendungen in Debian interessiert mich insofern nicht besonders -- als KDE-Nutzer brauche ich weder Tomboy, Banshee noch F-Spot.
Mit Richard Stallman mischt sich aber nun einer der Pioniere der freien Software ins Thema ein und er bringt Argumente, die ich nicht einfach so unkommentiert stehen lassen kann. In seinem offenen Brief auf der FSF-Homepage verbreitet er Angst, Unsicherheit und Zweifel an der Nutzung von C#, das nennt man auf Englisch FUD.
Warum sollte ich jemanden von der Nutzung einer Programmiersprache abhalten, nur weil damit eventuelle Patentansprüche verbunden sind? Es tönt nach Selbstzensur, wenn gerade Stallman so etwas schreibt, um dann gleich hinterherzuschicken: Das Problem sind nicht die C#-Implementierungen, sondern die in C# geschriebenen Programme wie Tomboy. Das tönt so nach: "lasst die Jungs ruhig an Mono basteln aber programmiert bloß keine Anwendungen dafür!"
Die Linux Community hat in der Vergangenheit schon mehrfach gezeigt, wie schnell sie sich äußerlichen Einflüssen anpassen kann. Sollte es tatsächlich jemals zu einem rechtlichen Problem durch die Nutzung von C# kommen, dann werden die betroffenen Programme halt umgeschrieben oder sie fallen weg. Dazu aufzurufen, Mono komplett zu meiden, halte ich für fragwürdig. Zudem finde ich den Zeitpunkt völlig verfehlt: Warum meldet er sich erst jetzt zu Wort, wo es um GNU/Debian geht? Mono in Fedora, OpenSuse, Ubuntu scheint ihn nicht zu interessieren. Zudem ist die Aufnahme von Tomboy in Gnome auch schon über zwei Jahre her.
Man kann für oder gegen Mono sein. Der von Stallman vorgeschlagene Zwischenweg bringt keine Lösung und sorgt nur für weitere Diskussionen.

