Darf Stallman das?

Darf Stallman das?
30.06.2009 11:12

Ich bin persönlich kein Fan von Mono-Programmen, habe aber auch kein Problem damit, so lange in der Ausgabe von ps -ax keine Prozesse mit der Endung .exe auftauchen. Die aktuelle Diskussion um Mono-Anwendungen in Debian interessiert mich insofern nicht besonders -- als KDE-Nutzer brauche ich weder Tomboy, Banshee noch F-Spot.

Mit Richard Stallman mischt sich aber nun einer der Pioniere der freien Software ins Thema ein und er bringt Argumente, die ich nicht einfach so unkommentiert stehen lassen kann. In seinem offenen Brief auf der FSF-Homepage verbreitet er Angst, Unsicherheit und Zweifel an der Nutzung von C#, das nennt man auf Englisch FUD.

Warum sollte ich jemanden von der Nutzung einer Programmiersprache abhalten, nur weil damit eventuelle Patentansprüche verbunden sind? Es tönt nach Selbstzensur, wenn gerade Stallman so etwas schreibt, um dann gleich hinterherzuschicken: Das Problem sind nicht die C#-Implementierungen, sondern die in C# geschriebenen Programme wie Tomboy. Das tönt so nach: "lasst die Jungs ruhig an Mono basteln aber programmiert bloß keine Anwendungen dafür!"

Die Linux Community hat in der Vergangenheit schon mehrfach gezeigt, wie schnell sie sich äußerlichen Einflüssen anpassen kann. Sollte es tatsächlich jemals zu einem rechtlichen Problem durch die Nutzung von C# kommen, dann werden die betroffenen Programme halt umgeschrieben oder sie fallen weg. Dazu aufzurufen, Mono komplett zu meiden, halte ich für fragwürdig. Zudem finde ich den Zeitpunkt völlig verfehlt: Warum meldet er sich erst jetzt zu Wort, wo es um GNU/Debian geht? Mono in Fedora, OpenSuse, Ubuntu scheint ihn nicht zu interessieren. Zudem ist die Aufnahme von Tomboy in Gnome auch schon über zwei Jahre her.

Man kann für oder gegen Mono sein. Der von Stallman vorgeschlagene Zwischenweg bringt keine Lösung und sorgt nur für weitere Diskussionen.


Kommentare
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Daniel Kottmair, Freitag, 03. Juli 2009 10:50:14
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Zur Überschrift: Natürlich darf Stallman das! ;-) Als Begründer des GNU-Projekts und Herrscher über das FOSS-Qualitätssiegel "GNU" darf er sich natürlich dazu äußern und Empfehlungen abgeben (er hat ja niemandem etwas verboten!), insbesondere wenn es mit Debian GNU/Linux um die einzige größere Distri geht, die seine Auszeichung "GNU" trägt!

Ich bin auch Mono-Gegner und unterstütze Stallman hier. *Jegliche* von MS neu eingeführte Technik diente nur einen einzigen Zweck: Das OS-Monopol und ihre Haupteinnahmequelle zu schützen und zuzumauern bzw. andere auszusperren. DirectX, ActiveX, SMB, Silverlight, ihr PDF-Format (bitte wer braucht ne -sogar noch viel proprietärere- Alternative zu Flash und PDF? Reiner Not-Invented-Here-Mist!). Und bei .NET ist es entgegen ihren Beteuerungen genau dasselbe. Warum sollten sie sich geändert haben? Warum sollten sie ne Alternative zu Java entwickeln, wenn sie nicht das Ziel hätten, den Windows-Lock-In zu forcieren? Java lief doch schon auf Windows, also WER brauchte .NET?

Wenn Stallman FUD vorgeworfen wird werfe ich MS -wieder mal- Embrace-and-extend vor. "Embraced" wird hierbei allerdings diesmal kein Standard, sondern die OSS-Community und ihre Leidenschaft für Code, und was "extend" angeht: Mono hängt .NET gnadenlos hinterher. Windows.Forms geht immer noch nicht, damit fällt der größte Teil der in .NET verfassten Windows-Apps weg. Das einzige .NET-Programm, das ich wirklich brauchen würde läuft nicht auf Mono. MS bringt ständig Updates raus und Mono kann nicht mithalten und ist deshalb inkompatibel - mit Java oder gängigen C++ Crossplattform Umgebungen wär das nicht passiert!
MS muss noch nichtmal Patentklagen anstrengen um andere zu benachteiligen, sie müssen immer nur fleißig ihre Windows .NET runtimes updaten!

Sicher kann man jetzt sagen, dass das explizit für Linux und Mono entwickelte Apps nicht betrifft, aber das Problem bleibt, dass Code in einer von MS erfundenen und gesteuerten Sprache erstellt wird. Und wenn man MS einmal die Kontrolle über einen Standard gibt (und hier haben sie endlich einmal 100% Kontrolle, .NET wird _nicht_ von irgendeinem Gremium gesteuert (wie z.B. OpenGL oder inzwischen auch Java), das bitte nie vergessen!) _werden_ sie das zu ihrem Vorteil missbrauchen! GENAU das ist ja auch der ursprüngliche Grund für die Erfindung von .NET!


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Debian Standardinstallation
Ferdinand Thommes, Donnerstag, 02. Juli 2009 18:35:48
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Nur mal zur Klarstellung:
In einer Standard Debian Installation wird es kein Mono geben.
Wie Debian Sprecher Alexander Reichle-Schmehl gestern in seinem Blog unter http://blog.schmehl.info/Debian/tomboy-mono als Reaktion auf das Statement von Richard Stallman antwortete ist dazu die Installation des Metapaketes 'Gnome' nötig welches alles was mit Gnome zu tun hat installiert, also auch Tomboy und damit Mono. Ansonsten muss der User explicit Tomboy installieren welches dann auch mono nach sich zieht.

greetz
ferdi



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Server System
Marlon (unangemeldet), Donnerstag, 02. Juli 2009 09:06:16
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Naja, also Debian ist nun mal schlecht hin das Server OS.
Sollten Mono-Programme ein fester Bestandteil von Debian werden, dann hat das größere Auswirkungen als bei Ubuntu oder Opensuse.
Mono in Suse Enterprise-Server wäre wohl eben so riskant wie bei Debian, zumindest in Deutschland.

Ich persönlich mag C# und Mono. Mit einer Programmiersprache kann ich für Linux, Windows,Mac,Windows Mobile und für das Web proggen.
Ich persönlich sehe nun da kein so großes Problem, kann aber Richard Stallman verstehen...



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Mono
arebenti (unangemeldet), Dienstag, 30. Juni 2009 22:17:03
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Diese Diskussion ist durchaus notwendig, nachdem sogar die europäische Automationsbranche (TomTom) angegriffen wurde, insofern gut, dass er die Debatte anstösst.

Allgemein gesprochen gibt es große rechtliche Unsicherheiten bei der Patentlizenzierung. Es ist einfach an der Zeit, dass sich entsprechende Lizenzen konsolidieren, damit die Unsicherheit für den Markt reduziert wird.

Viele Mono-Programme wie Tomboy werden ja bereits portiert, das Projekt nennt sich Gnote. Ubuntu nimmt Tracker statt Beagle. Das Kontroverse ist, Gnome auf Mono basieren zu lassen. Damit schafft man sich eine vollkommen unnötige und ziemlich fette infrastrukturelle Abhängigkeit.



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Infos zum Autor

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger arbeitet als Redakteur für die Zeitschriften LinuxUser und EasyLinux. Am liebsten schreibt er Artikel zu netten Gadgets oder Multimedia-Software. In seiner Freizeit spielt er gerne Kicker.

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