Die Angst ging um in der Wiener Stadtverwaltung. Die Angst vor Veränderung und unlösbaren Makros. Umso beruhigter gibt sich der Vorstand nach der gestrigen Sitzung:
"Die Kontinuität und die hohe Qualität in der Dienstleistung in der Wiener Verwaltung ist sichergestellt",
soll Barbara Novak nach der Sitzung des zuständigen Gemeinderatsausschusses laut einer Pressemeldung der Agentur APA-OTS gesagt haben. Gemeint hat Sie damit in erster Linie die Arbeit an den Office-Produkten, für die es laut einem Bericht von DerStandard angeblich in einigen Arbeitsbereichen keine Open-Source-Alternative am Markt gäbe.
Wie auch das Münchner-Projekt so hat auch Wien mit zahlreichen auf Microsoft-Office und andere Windows-Programme spezialisierten Makros zu kämpfen. Im Unterschied zu München scheint man in Wien hingegen die Probleme damit nicht lösen zu können und wählt so den vermutlich günstigeren Weg des geringsten Widerstandes: Neue Lizenzen von Microsoft Office für rund 1 Million Euro.
Probleme dieser Art sind bei den Österreichern nicht neu: Bereits im letzten Jahr hat man in den Kindergärten die rund 350 Linux-Rechner wieder auf Windows umgestellt. Grund dafür war angeblich eine Software zur Spracherziehung, die -- wie seltsam -- nur mit dem Internet Explorer funktioniert. Anstatt eine Portierung auf Firefox anzustoßen hat man sich auch hier für den günstigsten Weg entschieden und kurzerhand Windows-Lizenzen gekauft. Dass Firefox schon 2009 über größere Marktanteile als sämtliche Internet-Explorer-Versionen zusammen verfügen würde, konnte man in Wien zu dieser Zeit natürlich nicht ahnen.
Trotz allem gibt man sich in Wien offen. Es stehe weiterhin jedem Mitarbeiter offen, Wienux und Open Office zu nutzen. Zudem heißt es in der Pressemeldung weiter::
Die Stadt Wien versucht, die Balance zwischen Anbietern weit verbreiteter Anwendungen wie Microsoft und Open-Source Produkten zu wahren.
Das hauseigene Wienux scheint der Gemeinderatsausschuss allerdings auf Eis gelegt zu haben. Anders kann man sich die archaisch anmutenden Versionsnummern (Debian 3.1, Firefox 1.0.4, OpenOffice 1.9) auf der Wienux-Projektseite wohl kaum erklären.




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