Weizenbaum-Interview in ZDF online

Aufmacher News

Ulrich Hansen
10.03.2005

Ich hatte die Ehre, für einen ZDF-Fernsehbeitrag ein Interview mit Professor Joseph Weizenbaum zu führen. Daraus ist nun auch ein Artikel für die ZDF-Nachrichtenseite heute.de entstanden, der heute Aufmacher zur CeBIT ist.Ein Großteil des Interviews (26 Minuten) mit dem Computerpionier und -kritiker ist als Videostream verlinkt.

Interessant könnten die Äußerungen Weizenbaums über die frühen Hacker am MIT sein - auf diese "Ahnen" berufen sich ja auch Richard Stallman und Eric S. Raymond. Weizenbaum äußert sich außerdem zu freier Software.

Für weitere Fragen stehe ich auch hier zur Verfügung (bin aber tagsüber ziemlich viel unterwegs).

Ulrich Hansen

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Kommentare
Weizenbaum-Dokumentarfilm, jetzt in Berlin auf der transmediale.07 und im Kino
Peter Haas III, Donnerstag, 18. Januar 2007 18:21:17
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Für alle, die sich für Joseph Weizenbaum interessieren, sei der neue
Dokumentarfilm WEIZENBAUM. REBEL AT WORK empfohlen. Es ist ein
persönliches, 80-minütiges Porträt mit und über Professor Joseph
Weizenbaum. Die Filmemacher präsentieren den Film erstmals in Berlin
am 4.2.2007 und am 5.2.2007 auf der transmediale.07 in der Akadamie
der Künste und dann im Kino Babylon-Mitte. Joseph Weizenbaum wird
voraussichtlich bei der Präsentation dabeisein und mit dem Publikum
diskutieren. Für alle, die mehr erfahren wollen, hier die
Film-Website mit jeder Menge Bildern, MP3s und Material.
http://www.ilmarefilm.org


Peter Haas und Silvia Holzinger
Il Mare Film

WEIZENBAUM. REBEL AT WORK. - Dokumentarfilm mit Joseph Weizenbaum in Berlin im Kino auf der
transmediale.07


[1] http://www.ilmarefilm.org/
[2] http://www.transmediale.de/site/screenings+M557d180d935.html
[3] http://www.ilmarefilm.org/W_D_3.htm
[4] http://www.ilmarefilm.org/W_D_10.htm



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Re: Weizenbaum-Interview in ZDF online
Murphy , Freitag, 11. März 2005 10:11:43
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Hat es der ZDF-/Heute-Webmaster endlich mal hinbekommen die Video-Streams unter Mozilla/Linux zu testen? Ich werde heute abend mal versuchen den Stream ebenda anzusehen, aber bis dato waren die ZDF-Real-Streams Windows-only, keine Chance sie unter Linux zu betrachten (ja, der "aktuellste" Real-Player für Linux ist installiert...). Desweiteren sieht die Heute-Hauptseite mit Mozilla/Win leicht aus den Fugen geraten aus (Mittelteil mit den aktuellen News beginnt erst unterhalb des Menüs).
Und für diese Plattformeinschränkungen soll ich auch noch gezwungen werden GEZ zu zahlen...?

Abgesehen davon, habe den Artikel schon gestern gelesen; ist nett gemacht und bringt Weizenbaums Punkte klar verständlich auf den Punkt :-) Ein weiteres interessantes Interview kann übrigens in Gabriele Goettles "Experten" [1,2] nachgelesen werden.

[1] http://www.eichborn.de/_ab/ab_programm.asp?text=3821845465
[2] http://www.eichborn-verlag....default.asp?id=16&tid=1348



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Re: Weizenbaum-Interview in ZDF online
Frank Hollwitz, Freitag, 11. März 2005 10:28:41
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Ich kann das Interview problemlos mit dem Mozilla-RealMedia-Plugin unter Linux ansehen. Scheinbar hat der ZDF-Webmaster die Kritik ernstgenommen.


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Re: Weizenbaum-Interview in ZDF online
Murphy , Freitag, 11. März 2005 17:35:11
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Kann ich hiermit bestätigen. Fein, dann hat sich zumindest hier etwas getan :-)


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Re: Weizenbaum-Interview in ZDF online
Ulrich Hansen, Samstag, 12. März 2005 03:10:06
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Ich kriege da zwar nicht so viel mit, weil ich in den Fernsehredaktionen arbeite, aber Firefox hat in der Browser-Frage auch hier, glaube ich, Bewegung reingebracht... ;-)

Es ist auch, denke ich, das erste Mal, das quasi eine Drehkassette in Online noch zu Ehren kommt. Für den Fernsehbeitrag, wegen dem ich das Interview eigentlich geführt habe, brauchte ich nur einen O-Ton von ca. 1'20. Aber es war einfach sehr spannend, ihn mehr zu fragen - ich hatte kurz zuvor "Hackers" von Steven Levy gelesen und war sehr fasziniert jemanden zu treffen, der die ursprünglichen Hacker am MIT in den 60ern noch wirklich erlebt hat. Weizenbaum hatte das Buch bei Erscheinen Anfang der 80er übrigens auch sofort gelesen, sagte er.

Was aus Längengründen aus dem Artikel rausfiel ist die Beschreibung seiner winzigen Ein-Zimmer-Wohnung. Es ist einfach ein wunderbarer Wust aus Büchern, viel Papier, Schreibzeug, Videokassetten (u. a. Dr. Strangelove), jeder Menge Kabel und überall herumliegenden elektronischen Gadgets wie Terminplaner, MP3-Player, Digifotoapparat, Handy etc. Es war sehr eindrucksvoll.

Alles Gute
Uli


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Stallman, Weizenbaum...
Murphy , Samstag, 12. März 2005 18:48:22
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Hast du vielleicht vor eine "Galerie der Personen hinter der IT-Revolution" aufzumachen? Dann wären eigentlich Berners-Lee, Tanenbaum, Raymond, Torvalds, Jobs und Gates als nächstes an der Reihe. Schade nur daß Interviews mit Turing und Zuse nicht mehr möglich sind... ;-)


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Re: Stallman, Weizenbaum...
Ulrich Hansen, Sonntag, 13. März 2005 23:17:02
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habe nur eine Gelegenheit ergriffen... ;-) Es ist natürlich toll, diese Leute einmal persönlich zu sehen, wenn man ein bißchen etwas von der IT-Revolution weiß (ich würde übrigens unbedingt auch den anderen Steve von Apple in die Liste aufnehmen u.v.a.).

Es ist interessant, daß diese Menschen zwar in Fachkreisen sehr bekannt sind, außerhalb aber kaum. So erzählte Weizenbaum eine Geschichte, wie er in einem Cafe saß und ein Student stürzte auf ihn zu und sagte: "Es ist mir so eine Ehre, Sie kennenzulernen. Ich habe alles von Ihnen gelesen, bitte geben Sie mir ein Autogramm". Er hielt ihm ein Buch hin, es stammte von dem Theaterschriftsteller George Tabori - der war zu dieser Zeit auch in Berlin. Weizenbaum unterschrieb dann mit "George Tabori".

Alles Gute
Uli


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Re: Stallman, Weizenbaum...
arebenti , Montag, 14. März 2005 01:25:01
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Er erwähnt die Anekdote, dass Minsky ihm vorgeworfen habe Kommunist zu sein. Nun, das Weizenbaum Kommunist sei, stimmt wohl. Wer sonst würde sich im Umfeld der Rosa Luxemburg Stiftung freiwillig tummeln. :-)

Geschädigt ist Weizenbaum natürlich durch Minsky und dessen populistische Mittelbeschaffung für die KI mit blumigen Versprechungen über Systemansätze, die einfach nicht skalieren können. Sicherlich hat der Wissenschaftsjournalismus, dessen Ikone er auch eine Zeit lang war, seinen Anteil an seinen Positionen gehabt. Sicherlich war er auch eine Zeit lang ein Balsam für die Computerskeptiker, also den technologischen Konservatismus und die Verhinderungskultur. Vieles was er sagt und ja auch im Interview wiederholt, kann für den Straßenverkehr und die Elektrizität genauso gelten. Und ist natürlich richtig.

Wenn wir ihn historisch sehen, dann natürlich im Kontext der Oberflächlichkeit, mit der politische Entscheider und die allgemeine Öffentlichkeit sich dem damalgen Wunderwerk genähert haben. Zu seiner Zeit standen die Großrechner von Spezialisten bedient in Rechenzentren. Ergebnisse von den Maschinen wurden überbewertet. Da gab etwa Vorstellungen aus den 60ern und 70ern mit der Anwendung von Operations Research Methoden Unternehmen vollautomatisch zu steuern. Oder besonders prekär beim Militär: Das waren dann damals simple Verfahren, die Ergebnisse lieferten, die dann vom Menschen vollzogen werden sollten, die auf diese Weise der Verantwortung entbunden werden, denn der Rechner hat es ausgespuckt. Das Seltsamste, was ich da mal gesehen habe, war ein simples ifthenelse-Programm mit Abfragen, mit dem ermittelt wurde, ob ein Dorf vermutlich zum Vietcong gehöre (oder nicht) und bombadiert werden soll. Auch banales Matching mit Punktwertverfahren für eine Partnervermittlung wurde zu dieser Zeit durch den Einsatz eines Computers geadelt. Die Prämisse dieser damaligen Kritik ist die Unkenntnis der Öffentlichkeit, was da in dieser black-box geschieht und Überinterpretation von Ergebnissen.

Der Nachteil seiner Kritik damals wie heute ist der Mangel einer positiven Vision, einer Richtungskorrektur. In der Nachbetrachtung wäre das zum Beispiel der Personalcomputer, durch den der Großrechner entmythologisiert wurde und die Öffentlichkeit IT-literater. Weizenbaum verharrt in der nachdenklichen Reaktion. Er sieht den Golem, aber nicht die Funktion als Kulturtechnik.

Ein Stück weit ist solche Kritik auch allgemeine Medienkritik. Wir wissen ja, was Medienleute für Legenden kolportieren. Man lese nur einmal was die MIT Technology Review heute für seltsame Wissenschaftsstories fabriziert. Und da müssen sie sich auch selbst fragen: "Wenn wir Medienleute etwas schreiben, dann wird es in unser journalistisches Pattern gepresst. Sind diese Pattern aufklärend oder verklärend?"

[1] http://www.heise.de/tr/features/



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