"Was wir falsch gemacht haben"

"Was wir falsch gemacht haben"

Miguels Rant

Anika Kehrer
03.09.2012
Miguel de Icaza analysiert, warum Linux seiner Meinung nach auf Consumer-Desktops das Rennen verloren habe. Die sachliche Auseinandersetzung damit fällt der Community schwer.

In seinem Blog stellt der Gnome-Erfinder die These auf, dass Linux den Zug verpasst hat, auf normalen Anwender-Desktops Verbeitung zu finden. Als folgenschwer schätzt er ein, dass die Kernelentwickler stets so streng mit Closed-Source-Kernelmodulen waren. Denn erstens hätten sie es der Closed-Source-Entwicklerwelt damit schwer gemacht, eigene Dinge an Linux anzubinden. Zweitens habe sich eine gewisse Barfuß-oder-Lackschuh-Einstellung in der Community verbreitet, die nach Icazas Meinung vor allem durch das missverstandene Vorbild der Kernelentwickler zu Stande kam:

"

"Die Haltung unserer Community wurde die der Ingenieurs-Exzellenz: Wir wollen keinen veralteten Code, wir wollen keine kaputten Designs, wir wollen reinen und schönen Code und schmeißen alles andere aus unserem Quellcode raus."

"

Diese Haltung, zusammen mit der sich ständig ändernden und dezentralen Software-Welt, führte nach Icazas Meinung zu Schwierigkeiten in der Passung nach außen sowie untereinander. Vor allem aber - und das sei das Kernproblem - interessiere das die Linux-Macher nicht sonderlich:

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"Abwärtskompatibilität sowie Kompatibilität zwischen den Distributionen ist ein Problem, das nicht besonders sexy ist. Niemand hat Lust, es zu lösen. Jeder möchte lieber etwas Neues schaffen und sich den Hut aufsetzen, das nächste Superfeature von Linux erfunden zu haben. Auf diese Weise bleibt Linux den Idealisten überlassen, die sich nicht mit Support oder Abwärtskompatibilität langweilen wollen."

"

Sriram Ramkrishna, der als Entwickler und Release-Manager bei Intel an Tizen arbeitet und außerdem Gnome-Contributor (fast) der ersten Stunde ist, hat Icazas Beitrag bei Google Plus verlinkt und damit die Debatte in einen breiteren Kreis getragen. In den Kommentaren melden sich auch zum Beispiel die Kernelentwickler Linus Torvalds, Alan Cox und Ted Ts'o zu Wort. Die Linux-Altvorderen werfen ihrerseits Icaza vor, mit der Gründung des Gnome-Projekts einst selbst für den Niedergang des Linux-Desktops gesorgt zu haben, weil das zu einem fatalen Ressourcensplit geführt habe.

Doch finden sich auch viele weniger sachdienliche Beiträge sowie persönliche Angriffe sowohl gegen Icaza als auch gegen das Gnome-Projekt in dem Thread. Insgesamt scheinen sich wenige Kommentatoren tatsächlich mit Icazas Argumenten auseinanderzusetzen. Ramkrishna hat die Kommentare unter seinem Google-Plus-Posting mittlerweile geschlossen. Eine weitere Diskussion findet bei LWN.net statt.

Miguel de Icaza hatte 1997 den Gnome-Desktop mitgegründet und war nur wenige Jahre später über den Aufkauf seiner Firma zusammen mit Nat Friedman bei Novell gelandet. Seit Ende 2011 ist das Gespann Icaza/Friedman in der neu gegründeten Firma Xamarin (Linux-Magazin online berichtete) wieder eigener Herr rund um Mono und Dotnet. Icaza wurde in der Vergangenheit Ziel von Angriffen, die ihm Microsoft-Nähe vorhielten. Jüngst gab er solchen Illoyalitätsvorwürfen neue Nahrung, zum Beispiel als er 2011 auf der Windows-8-Entwicklerkonferenz BUILD in einem Interview fürs Linux-Magazin seine Vorliebe für Apples Produkte erklärte (Linux-Magazin 11/2011, "Affentheater").

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Kommentare
OMG - what a lulz
Timbo N. (unangemeldet), Mittwoch, 24. April 2013 15:26:27
Ein/Ausklappen

Net böse gemeint - aber ist der Bekloppbt? (Rechtschreibfehler soll die Betonungverdeutlichen)


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