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Virtualisierung neu aufgelegt: Xen 3.0

06.12.2005

Die Entwickler der Virtualisierungs-Software Xen haben die neuste Version 3.0 veröffentlicht. Sie enthält bahnbrechende neue Features und löst nach über einem Jahr den 2.0-Zweig ab.

Die Neuerungen zielen vor allem auf den Einsatz von Virtualisierung in Unternehmen ab. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Unterstützung von mehreren Prozessoren (SMP, Symmetric Multi-Processing) sowie die Nutzung von mehr als 4 Gigabyte Arbeitsspeicher (PAE, Physical Address Extension) und eine möglichst hohe Performance. Nicht nur für Firmen wichtig: Xen 3.0 unterstützt erstmals Intels Virtualisierungs-Technologie Vanderpool. Mit der Virtualisierung direkt "im Prozessor" lässt sich nun jedes Betriebssystem als Gast in einem Xen-System starten, auch Windows. Außerdem beschleunigt Xen mit Vanderpool die Zugriffe auf CPU und Arbeitsspeicher spürbar. AMD arbeitet ebenfalls an einer Virtualisierungs-Schnittstelle für seine Prozessoren, genannt Pacifica. Xen soll im Frühjahr 2006 auf Pacifica-CPUs laufen.

"[Xen 3.0] ist das Ergebnis einer enormen Community-Leistung, mit der Beteiligung von weltweit über 150 Entwicklern, mehr als 20 führenden Enterprise-Anbietern, dem OSDL und zehn hochrangigen Universitäten." (Ian Pratt, XenSource, Inc.)

Dank Hotplug-CPU-Support lassen sich die Xen-Instanzen optimal verwalten, indem ihnen Prozessoren zugeteilt oder entzogen werden. Neu ist auch der Support von Trusted Platform Modules für Trusted Computing. IBM hat einige Sicherheitsfunktionen aus seinem Secure-Hypervisor-Projekt (sHype) zu Xen beigesteuert. Ein Port auf IBMs PowerPC-Architektur ist bereits in vollem Gange, auf Intels Itanium-Prozessoren läuft Xen dank der Hilfe von Intel und Hewlett-Packard bereits. In der neuen Version laufen nun auch 64-Bit-Betriebssysteme als Gäste.

Xen 3.0 ist die erste offizielle Release der Virtualisierungs-Software. Sie soll vor allem Entwicklern und Firmen dazu dienen, den Code auf Performance-Probleme und Stabilität zu testen. Es ist also zu erwarten, dass sich in den kommenden Wochen oder Monaten die Codebasis erheblich stabilisiert. Novell und Red Hat werden Xen 3.0 in ihre Enterprise-Produkte Suse Linux Enterprise Server und Red Hat Enterprise Linux integrieren.

Ein wichtiger Meilenstein steht noch kurz bevor: Die Integration von Xen in den Linux-Kernel. Allerdings ist der Schritt dorthin nur noch eine Frage der Zeit, da mittlerweile auch der 2.6-Kernel-Maintainer Andrew Morton weitgehend zufrieden mit der Codequalität von Xen ist.

Parallel zur Veröffentlichung der Version 3.0 hat die Firma XenSource, gegründet Anfang des Jahres unter anderm vom Hauptentwickler Ian Pratt, die erste kommerzielle Xen-Lösung vorgestellt. Der XenOptimizer soll den Einsatz von Xen in großen Serverumgebungen vereinfachen. Mit der Software haben Administratoren ein zentrales Tool, um alle Xen-Instanzen zentral zu überwachen und je nach Auslastung einzelne Ressourcen wie CPU, Arbeitsspeicher oder Speichergeräte umzuverteilen sowie ganze Instanzen komfortabel von einem Server auf einen anderen zu migrieren. XenOptimizer liegt monentan noch in einer Beta-Version vor, das erste Release ist für Anfang 2006 geplant. Auch ein Preis steht noch nicht fest.

Mit Version 3.0 haben die Xen-Entwickler einen riesigen Schritt im Konkurrenzkampf mit dem Platzhirsch VMWare getan. Viele Firmen sehen sich bereits nach Alternativen zu VMWare um, da die Enterprise-Version VMWare ESX Server zu teuer sei. Eine Ablösung von VMWare durch Xen wäre für die Open-Source-Gemeinde wahrlich ein Durchbruch.

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Infos zum Autor

Max Jonas Werner

Mein Blog: http://maxwerner.de/blog/


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