Vinux: Ubuntu-Derivat für Blinde und Sehbehinderte

Vinux: Ubuntu-Derivat für Blinde und Sehbehinderte

Vinux 3.0

Anika Kehrer
07.06.2010 Die Linux-Distribution Vinux für Sehbehinderte setzt in ihrer dritten Release auf Ubuntu 10.04 LTS auf. Als Deb-Paket will die Softwaresammlung bestehende Distributionen auf Knopfdruck barrierefrei machen.

An Bord hat die Vollversion von Vinux 3.0 spezielle Accessibility-Software wie mehrere Screenreader, Vollbild-Vergrößerer und Unterstützung für USB-Braille-Displays. Das besondere ist, dass alles bereits fertig eingestellt ist: Die Arbeit des Einrichtens und Zurechtklickens nimmt das Projekt Blinden und Sehbehinderten bereits ab. Erstmalig liegt das Betriebssystem neben der Live-Version auch als Paket-Version vor, das bestehende Distributionen automatisch für Blinde und Sehbehinderte ummodeln soll. Das Projekt hat jetzt auch ein eigenes Repository, in dem es seine angepasste Software zur Verfügung stellt.

In der FAQ beantwortet das Projekt Fragen wie: "Warum hat Vinux überhaupt eine GUI?"

Laut Webseite entsteht Vinux, indem die Macher eine Distribution - meistens ein Ubuntu - sowohl manuell als auch mittels projekteigener Skripte um die benötigte Software erweitern und zurecht konfigurieren. Die zusätzliche Software verdrängt dafür Byte-hungrige Suiten wie Open Office von der Live-CD. Das spezielle Feature "Easyinstall" beispielsweise soll es aber besonders einfach machen, sie nachzuinstallieren. Bald soll es auch ein Wiki geben: Seit Mitte Mai entsteht die Projekt-Webseite komplett neu. Im Moment beschreiben eine About-Seite und eine FAQ-Sammlung die Hintergründe der Distribution.

Ein Braille-Display ist ein Ausgabegerät, das mittels aufsteigender und versinkender Metallpunkte in Braille-Schrift den vom Screenreader übermittelten Bildschirminhalt anzeigt.

Vinux wird im Kern von einer Gruppe entwickelt, in der viele selbst blind oder sehbehindert sind. Ausgangslage für den britischen Projektinitiator Tony Sales war, dass die bestehenden Distributionen zwar Accessibility-Features besitzen, aber erst zurechtkonfiguriert werden müssen. Selbst abgesehen von der oft erlebten Instabilität der Software bedeutet das, dass Blinde und Sehbehinderte eine Reihe Hindernisse zu überwinden haben, ehe sie die Distribution nutzen können. Der Blindencollege-Lehrer wollte sich damit nicht zufrieden geben und begann, ein Ubuntu mittels Anpassungen als out-of-the-box-Linux für Blinde und Sehbehinderte zu erstellen. Version 1 setzte auf Ubuntu 8.04 auf, Version 2 auf Debian Lenny. Version 3.0 auf Basis von Ubuntu Lucid Lynx steht jetzt als ISO-Image zu 32 und 64 Bit auf diversen Spiegelservern zum Download bereit.

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