[Update] Netbook-Test: Inspiron Mini 9 mit Ubuntu

[Update] Netbook-Test: Inspiron Mini 9 mit Ubuntu

Marcel Hilzinger
06.11.2008

Seit Oktober ist das Inspiron Mini 9 endlich auch in Deutschland mit Linux lieferbar. Dell zeigt, was mit einem guten Linux-Setup und entsprechender Hardware machbar ist. Die Linux-Community hat das schicke Netbook intensiv getestet.

Für 320 Euro bietet das Inspiron Mini 9 ein (spiegelndes) 9-Zoll-Display, eine 8 GByte große Solid State Disk, 1 GByte RAM, WLAN nach 802.11b/g und Bluetooth. Die SSD und das sehr gut angepasste Ubuntu sorgen beim Standard-Akku mit vier Zellen für drei bis vier Stunden Akkulaufzeit bei aktivem Betrieb inklusive WLAN- und Webcam-Nutzung und voll beleuchtetem Display. Wer das Netbook nur als Schreibmaschine benutzt, kommt auf Laufzeiten von vier Stunden. Ein Video zum Inspiron Mini 9 finden Sie auf unserer Schwesterseite Linux-Magazin Online.

Dell hat beim Inspiron Mini auf einen Lüfter verzichtet, wodurch das Netbook flüsterleise arbeitet. Lediglich ein leichtes Surren ist zu hören, wenn man das Ohr ganz nah an das Gerät hält. Aus 40 cm Entfernung bleibt das Dell-Netbook aber absolut stumm. Neben 3 USB-Anschlüssen bringt das Inspiron Mini 9 einen Kartenleser für SD-, MMC- und Memory-Stick-Karten mit. Die Karten verschwinden komplett im Leser, das Netbook lässt sich somit auch mit eingelegter Speicherkarte problemlos transportieren.

Perfektes Setup

Dell hat das Ubuntu-System stark angepasst. So erscheinen beim ersten Start zwei Dialoge zur Dell-EULA und zum Dell-Support. Danach richten Sie einen Benutzeraccount und die Sprache ein. Der Rechner benötigt danach rund fünf Minuten, um die Sprachdateien für OpenOffice, den Spellchecker und so weiter zu installieren, anschließend startet automatisch der Gnome-Desktop. Von der verpatzten Partitionierung war auch unser Testsystem betroffen, nach einem Update und dem darauffolgenden Neustart standen aber die kompletten noch freien 7 GByte zur Verfügung (+ 1 GByte Swap).

Gut im Griff hat der Inspiron Mini 9 auch das Powermanagement: Schließen Sie den Netbook-Deckel, legt sich das Netbook schlafen, beim Aufklappen wacht es automatisch wieder auf. Eine Verbindung zu unserem per WPA gesicherten WLAN-Netz hat auf Anhieb geklappt. Nach dem Suspend verbindet sich der Rechner automatisch wieder. Hier hatten andere Netbooks Schwächen gezeigt. Sollte der Akku einmal leer sein, lädt ihn das sehr kompakte Netzteil innerhalb von 2 Stunden auch während der Arbeit wieder auf.

Gut gefallen hat in den Tests auch die 0,3-Megapixel-Webcam. Sie schaltet sich bei Bedarf automatisch ein und eine kleine LED-Lampe sorgt auch im Dunkeln für eine akzeptable Bildqualität. Bei Tageslicht liefert die Webcam ein perfektes Bild.

Die Tastatur des Inspiron Mini 9 ist relativ klein. Sie weist aber einen sehr angenehmen Druckpunkt auf und lässt sich nach wenigen Minuten mit 10 Fingern bedienen. Die Funktionstasten hat Dell auf die mittlere Buchstabenreihe gelegt. Dummerweise reicht es so nur für [F1] bis [F10], viele KDE- und Gnome-Programme schalten aber über [F11] in den Vollbildmodus. Auch das Starten von Programmen über [Alt]+[F2] verlangt so etwas Fingerakrobatik, da man [Fn]+[Alt]+[S] drücken muss. Last but not least bringt auch die Linux-Version des Inspiron Mini eine Windows-Taste mit, die zudem nicht einmal das Hauptmenü öffnet. Hier hätte Dell besser die von Asus erfundene Home-Taste übernommen. Der Mini 9 kommt mit lediglich zwei LEDs aus, Statusanzeigen für Caps- oder Numlock und WLAN fehlen. Auch lässt sich die Webcam nicht per Hotkey ein- oder ausschalten. Dies sind aber auch die einzigen echten Kritikpunkte am 9-Zoll-Netbook, das in den Tests sonst sehr viel Freude bereitete. Das Touchpad ist mit dem des Eee-PCs nicht zu vergleichen. Es reagiert sehr präzise, ohne überempfindlich zu sein, und der Scrollbereich am rechten Rand funktioniert tadellos. Die zwei Maustasten haben einen angenehmen und spürbaren Druckpunkt, ohne laut zu klicken.

Eigenes Repository

Canonical hat für den Dell-Rechner unter http://dell-mini.archive.canonical.com ein eigenes Repository eingerichtet. Dies ist einerseits für die Updates notwendig, andererseits, weil das vorinstallierte System nicht i386-kompatibel ist. Die Ubuntu-Version auf dem Inspiron Mini wurde speziell für Intels Low-Power-Architektur lpia kompiliert. Dies fällt spätestens dann auf, wenn man zum Beispiel versucht, das Sykpe-Binary zu installieren. LPIA (Low Power on Intel Architekture) ist eine von Intel ins Leben gerufene Architektur, die auf einen möglichst kleinen Stromverbrauch optimiert ist. Das Repository enthält allerdings nur die Ubuntu-Standardpakete, Dells Videochat-Programm (Abbildung 1) oder den Dell Launcher haben wir darin nicht gefunden. Auch bei Google wurden wir nicht fündig. Löschen Sie das Paket per Zufall, kommen Sie nur noch über die Recovery-DVD heran. Darauf befindet sich ebenfalls kein Paket, sondern nur die komplette Verzeichnisstruktur des Systems. Die wichtigsten Dateien für den Videochat befinden sich im Verzeichnis /usr/share/dellvideochat. Kopieren Sie dieses auf einen zweiten Linux-PC, lässt sich das Programm auch auf anderen Distributionen nutzen.

Abb. 1:Das Videochat-Programm von Dell gibt es nirgends zum freien Download.

i368-Binaries sind eigentlich mit LPIA kompatibel - weil aber die Architektur im Paket drin steht, weigert sich der Paketmanager, das i386/i586-Paket zu installieren. Als Workaround entpacken Sie das Debian-Paket auf dem Rechner, und ändern darin die Meta-Informationen zur Architektur. Wie man Skype auf LPIA im Detail installiert, lesen Sie im Ubuntuforum.

Eigenes Interface

Um den Windows-Umsteigern das Leben unter Ubuntu möglichst schmackhaft zu machen, hat Dell einen eigenen Programmstarter installiert. Der Dell Launcher (Abbildung 2) legt sich quasi transparent über den Gnome-Desktop und bietet Zugriff auf die fünf Menüpunkte Internet, Lernen, Produktivität, Spiele und Unterhaltung. Er macht dabei intensiven Gebrauch von Compiz-Effekten. Über ein großes Pluszeichen lassen sich dem Hauptmenü weitere Punkte hinzufügen. Auch die Liste der einzelnen Einträge, die zu einem Hauptmenü gehören, lässt sich auf diese Weise anpassen, ohne dass dazu externe Tools nötig wären, wie zum Beispiel beim Eee-PC. Wem die schillernde Dell-Oberfläche nicht zusagt, der wechselt über Desktopmodus wechseln aus dem Hauptmenü zum gewohnten Ubuntu-Desktop. Dieser Wechsel funktioniert im laufenden Betrieb.

Abb. 2:Das Schnellstartmenü von Dell sieht nicht nur gut aus, es lässt sich auch einfach konfigurieren.

Fazit

Für rund 350 Euro (Dell berechnet 30 Euro Versandkosten) gehört das Inspiron Mini zu den besten und günstigsten Netbooks auf dem Markt. Wer den Minirechner als Weihnachtsgeschenk einplant, sollte sich allerdings beeilen: Bei der Linux-Version müssen Sie mit zwei Wochen Wartezeit rechnen.

[Update]: Ubuntu 8.10, OpenSuse

Das neueste Ubuntu und OpenSuse 11.1 lassen sich auf dem Mini-Inspiron problemlos installieren. Ubuntu 8.10 erkennt sämtliche Hardware out of the box, auch WLAN funktioniert ohne manuelle Konfiguration. Lediglich mit der Soundausgabe hat Intrepid Ibex Probleme. Die Lautsprecher und der Kopfhörerausgang bleiben stumm, obwohl die Soundkarte korrekt erkannt wurde. Der Stromverbrauch liegt bei 11 Watt, die Akkulaufzeit bei 3,5 Stunden.

Auch die Beta4 von OpenSuse 11.1 lässt sich problemlos auf dem Inspiron Mini 9 einspielen, hier funktionieren allerdings weder LAN, WLAN noch die Soundausgabe. Der Stromverbrauch liegt ebenfalls bei 11 Watt, und ein Suspend-to-RAM bereitet keine Probleme. Das LAN-Problem scheint ein Bug in der Beta-Version von OpenSuse 11.1 zu sein, unter 11.0 funktioniert die Netzwerkanbindung tadellos.

Beim WLAN-Treiber handelt es sich um einen proprietären Broadcom-Treiber. Sie finden ihn auf der Broadcom-Supportseite. Die Readme.txt erklärt die Installation. Um das Modul wl.ko zu laden, muss zunächst ieee80211_crypt geladen sein, sonst gibt insmod eine Fehlermeldung zurück.

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Kommentare
Noch jemand mit Flackern der Hintergrundbeleuchtung?
TNT (unangemeldet), Sonntag, 21. Dezember 2008 22:28:43
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Ich habe die Windowshardware bestellt und dann ein openSUSE 11.1 drübergebügelt. Die Sound hardware, wenn man dem snd-hda-intel modul den parameter model=dell mitgibt. Allerdings flackert meine Display-Hintergrundbeleuchtung unter X ständig in den Intensitätsstufen, so das es richtig penetrant nervig ist, länger daran zu arbeiten... Unter Windows ist die Beleuchtung normal. Hat das sonst noch jemand?


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Re: Noch jemand mit Flackern der Hintergrundbeleuchtung?
TNT (unangemeldet), Donnerstag, 25. Dezember 2008 23:48:10
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Ok, das Flackern ist gelöst. es hat irgendwas mit KDE4 (powerdevil?) zu tun, mit xfce und kde3 gehts problemlos.

Ansonsten gibt es das WLAN-Modul auch im Packman Repository, man braucht nach der Instalation nur einmal kurz per Kabel ins Netz.


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Re: Netbook-Test: Inspiron Mini 9 mit Ubuntu
Christian Schuglitsch, Donnerstag, 06. November 2008 20:38:55
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Den Chipsatz, der evtl. eine alte Gurke sein könnte und vielleicht mehr Energie verbrät, als der Prozessor, wurde geschickt verschwiegen.

Selbst bei Standard-Laptops aus dem normalen Prospekt ist Dell nach 3 Wochen nicht in der Lage zu liefern, weil die keine Akkus für das Gerät haben.

Ich bin von Dell sehr negativ überrascht, weil doch immer alles so toll an den Dingern sein soll.


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Re: Netbook-Test: Inspiron Mini 9 mit Ubuntu
Seraphyn Christian M. Grube, Freitag, 07. November 2008 08:35:19
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Naja, ausgeschossen haben sie sich IMHO schon mit dem spiegelden Display, sowie die den F-Tasten.
Da kauft man sich doch lieber einen gebrauchten Thinkpad für das Geld, auch wenn der nicht so "Gadget"-leicht ist.


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Re: Netbook-Test: Inspiron Mini 9 mit Ubuntu
Marcel Hilzinger, Freitag, 07. November 2008 09:36:30
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Das Inspiron Mini ist ein Netbook, kein Notebook. Als Arbeitsgerät taugt das alte Thinkpad bestimmt besser, aber unterwegs merkt man den Unterschied zwischen 1 kg und 2-3 kg deutlich.

Das spiegelnde Display stört mich persönlich auch ein wenig, die Farben sind aber sehr brillant. Zudem habe ich schon deutlich schlechtere spiegelnde Displays gesehen. Aber klar: wer kein spiegelndes Display mag, für den ist das ein K.O.-Kriterium.

An die Funktionstasten kann man sich sehr schnell gewöhnen, das finde ich absolut problemlos. Das einzige, was am Keyboard wirklich stört, ist die Größerkleiner-Taste (Pipe). Sie befindet sich nicht wie üblich links der Shift-Taste, sondern rechts davon. Am besten tauscht man sie gegen die (überflüssige) Windows-Taste aus.




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Re: Netbook-Test: Inspiron Mini 9 mit Ubuntu
Marcel Hilzinger, Freitag, 07. November 2008 09:29:38
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Naja, viel zu verschweigen gibt es da nicht. Es handelt sich um die übliche Intel-Hardware: Atom N270 mit 1,6 GHz und Intel 945GME-Chipsatz. Das vorinstallierte System verbraucht bei voll ausgeleuchtetem Display gerade mal 10 Watt. Hier der Vollständigkeit halber noch die Ausgabe von lspci:

00:00.0 Host bridge: Intel Corporation Mobile 945GME Express Memory Controller Hub (rev 03) 00:02.0 VGA compatible controller: Intel Corporation Mobile 945GME Express Integrated Graphics Controller (rev 03) 00:02.1 Display controller: Intel Corporation Mobile 945GM/GMS/GME, 943/940GML Express Integrated Graphics Controller (rev 03) 00:1b.0 Audio device: Intel Corporation 82801G (ICH7 Family) High Definition Audio Controller (rev 02) 00:1c.0 PCI bridge: Intel Corporation 82801G (ICH7 Family) PCI Express Port 1 (rev 02) 00:1c.1 PCI bridge: Intel Corporation 82801G (ICH7 Family) PCI Express Port 2 (rev 02) 00:1c.2 PCI bridge: Intel Corporation 82801G (ICH7 Family) PCI Express Port 3 (rev 02) 00:1d.0 USB Controller: Intel Corporation 82801G (ICH7 Family) USB UHCI Controller #1 (rev 02) 00:1d.1 USB Controller: Intel Corporation 82801G (ICH7 Family) USB UHCI Controller #2 (rev 02) 00:1d.2 USB Controller: Intel Corporation 82801G (ICH7 Family) USB UHCI Controller #3 (rev 02) 00:1d.3 USB Controller: Intel Corporation 82801G (ICH7 Family) USB UHCI Controller #4 (rev 02) 00:1d.7 USB Controller: Intel Corporation 82801G (ICH7 Family) USB2 EHCI Controller (rev 02) 00:1e.0 PCI bridge: Intel Corporation 82801 Mobile PCI Bridge (rev e2) 00:1f.0 ISA bridge: Intel Corporation 82801GBM (ICH7-M) LPC Interface Bridge (rev 02) 00:1f.1 IDE interface: Intel Corporation 82801G (ICH7 Family) IDE Controller (rev 02) 00:1f.3 SMBus: Intel Corporation 82801G (ICH7 Family) SMBus Controller (rev 02) 02:00.0 System peripheral: JMicron Technologies, Inc. Unknown device 2382 02:00.2 SD Host controller: JMicron Technologies, Inc. Unknown device 2381 02:00.3 System peripheral: JMicron Technologies, Inc. Unknown device 2383 03:00.0 Network controller: Broadcom Corporation BCM4310 USB Controller (rev 01) 04:00.0 Ethernet controller: Realtek Semiconductor Co., Ltd. RTL8101E PCI Express Fast Ethernet controller (rev 02)


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Re: Netbook-Test: Inspiron Mini 9 mit Ubuntu
dr.nikolaus.klepp , Dienstag, 11. November 2008 12:45:26
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Wie misst du den Stromverbrauch? Inclusive Netzteil oder ohne?


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Re: Netbook-Test: Inspiron Mini 9 mit Ubuntu
Marcel Hilzinger, Mittwoch, 12. November 2008 09:41:58
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Inklusive. Ich messe einfach den Stromverbrauch des Netzteils, wenn der Akku voll geladen ist. Bei einem Suspend-to-RAM sinkt der zum Beispiel auf 1 Watt, unter Volllast steigt er auf 13 Watt.




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