[Update: Kartenleser] Acer Aspire One mit Linpus Linux, OpenSuse und Ubuntu

[Update: Kartenleser] Acer Aspire One mit Linpus Linux, OpenSuse und Ubuntu

Jan Rähm
23.07.2008

Dieser Tage kommt das neue Acer Aspire One in den Handel. Seit heute Morgen hält die Redaktion ein solches Notebook der Eee-PC-Klasse - oder besser der Klasse der Netbooks - in den Händen.

Gut schaut er aus, der neue Kleine von Acer, der dem Eee-PC und seinen Mitbewerbern Konkurrenz machen will. Doch kann er das? Der erste Eindruck des Aspire One, den wir in einer blauen Version bekamen, ist gut. Das hochglänzende Gehäuse macht einen edlen Eindruck, der sich jedoch nicht lange hält. Während das Gehäuseoberteil hochwertig wirkt, kann das Unterteil nicht überzeugen. Recht billig wirkt die Plastikverkleidung. Schlimmer jedoch: Die Spalten zwischen den Gehäuseteilen sind recht groß und die Kanten sehr scharf. Bei der Verarbeitung kann Acers One nicht mit dem Eee-PC mithalten.

Doch uns interessieren mehr die inneren Werte. Der Mini-Rechner basiert auf Intels Atom-Plattform. Der Atom-Prozessor N270 lässt sich über sechs Stufen heruntertakten und arbeitet wahlweise mit einer Taktfrequenz zwischen 800 und 1600 MHz. Den Arbeitsspeicher von 512 MByte kann man leider nicht ohne größere Eingriffe erweitern. Hinter der Klappe auf der Rückseite, unter der wir den RAM-Steckplatz vermuten, herrscht gähnende Leere. Dort soll in einem späteren Modell ein UMTS-Funk-Modul Platz finden, ein SIM-Karten-Slot ist bereits vorbereitet.

Auch wichtig: Im vorliegenden System funktioniert alle Hardware sehr gut. Nacharbeit ist nicht notwendig. Als Massenspeicher kommt eine Solid State Disk mit 8 GByte Kapazität zum Einsatz. Clever gemacht: Reicht der Platz nicht mehr, sorgt man über einen Slot auf der linken Seite mit einer SD-Karte für mehr Speicher. Der 5-in-1-Cardreader auf der rechten Gehäuseseite lässt sich zusätzlich nutzen.

Die eingesteckte Speicherkarte wird nicht separat im Dateimanager angezeigt, sondern zum Speicher des Systems hinzu gezählt. Karten im Cardreader auf der rechten Seite hingegen tauchen wie gewohnt als Wechselmedium auf. Die Flash-Festplatte kommt mit einer 1-GByte-Swap-Partition und einer Partition, die das System aufnimmt. Das beansprucht im Auslieferungszustand 2,5 GByte für sich.

Zur weiteren Hardware: Im Aspire One steckt als Grafikchip ein Intel GMA945GME. Zur Kommunikation stehen ein drahtgebundenes Netzwerk (Realtek RTL8102E) und WLAN nach 80.211 b/g (Atheros AR5006EG) bereit - Bluetooth fehlt hingegen. Für Ton sorgen ein Realtek-HD-Audio-Chip und zwei vorn unten im Gehäuse verbaute Lautsprecher. Die klingen für ihre Größe ganz passabel.

Das leuchtstarke Display misst 8,9 Zoll und bringt eine Auflösung von 1024x600 Pixeln zustande. Das Bild ist gestochen scharf, dimmt man jedoch die Helligkeit oder schaltet das Notebook ganz aus, spiegelt der Bildschirm so sehr, dass er fast als Schminkspiegel herhalten kann. Alternativ greift man dafür zur Webcam, die mit 1,3 Megapixeln auflöst. Der Rechner lässt sich problemlos über die Hotkeys oder das Auf- und Zuklappen des Netbooks schlafen legen und wieder wecken. Der Akku hält bei aktiviertem WLAN ca. 2 Stunden und 40 Minuten, was sich mit den Angaben des Herstellers deckt.

Als Betriebssystem nutzt das Aspire One die Distribution Linpus Linux, die zum Booten knapp 20 Sekunden braucht. Die aufgeräumte XFCE-Oberfläche in Windows-XP-Optik begrüßt den Anwender mit den vier Boxen "Verbinden", "Arbeit", "Spaß" und Dateien". Direkt darunter befinden sich die Menüpunkte "Einstellungen" und "Hilfe". Über die Boxen kommt man zu den installierten Programmen. Als Browser dient der nicht mehr ganz aktuelle Firefox 2.0.0.14, OpenOffice.org liegt in Version 2.3 vor. Für E-Mail und Messaging hat Acer eigene Lösungen entwickelt, ebenso befinden sich ein eigener Mediaplayer sowie einige andere Eigenkreationen an Bord. Um die Dateiverwaltung kümmert sich Thunar. Für Unterhaltung sorgen eine ganze Reihe von installierten Spielen. Der bunte Mix aus Gnome- und KDE-Anwendungen weist vorbildlich eine gleiche Optik und Bedienung auf.

Apropos Bedienung: Die Hotkeys für Lautstärke, Bildschirmhelligkeit, Suspend und Display-Umschaltung funktionieren tadellos. Praktisch: Ein Schnellzugriff schaltet das Touchpad ab. Das erfordert vom Besitzer allerdings ein wenig Umgewöhnung. Die Maustasten liegen nicht wie gewöhnlich unter dem Pad, sondern links und rechts daneben. So tippten wir einige Male ins Leere, bevor wir uns an das ungewohnte Design gewöhnen. Die Tastatur des Acer besteht aus Tasten mit einer Kantenlänge von 12 x 12 Millimetern. Schnelles zielgerichtetes Tippen erfordert ein wenig Übung. Zudem biegt sich die Tastatur bei festem Druck durch. Sehr unangenehm fällt uns die Standsicherheit durch den weit hinten liegenden Schwerpunkt auf: Bei aufgeklappten Display steht das Aspire One sehr wackelig. Je nachdem wie weit man das Display nach hinten klappt, neigt das Gerät zum Umkippen.

[Update]: Tests mit OpenSuse und Ubuntu
Wir haben das Aspire One nun auch mit OpenSuse 11.0 und Ubuntu 8.04.1 getestet. Ein Test mit Fedora erübrigt sich, da Linpus Linux auf Fedora 8 basiert.Beide Distributionen lassen sich problemlos installieren. Durch einen Bug in OpenSuse, der sich schon beim Test des Akoya Minis E1201 von Aldi zeigte, stimmt nach der Installation die Auflösung nicht, so dass der untere Teil des Desktops mit dem KDE-Panel fehlt. Hier muss man in der Konfigurationsdatei /etc/sysconfig/displaymanager die Variable DISPLAYMANAGER_RANDR_MODE_auto auf 1024x600 setzen (ohne Modelines).

Die Webcam unterstützt der neue uvcvideo-Treiber. Er ist bei Ubuntu 8.04.1 mit dabei, Benutzer von OpenSuse müssen das zum Kernel passende Paket uvcvideo-kmp-* nachinstallieren. Der Atheros-WLAN-Chip arbeitet mit den Madwifi-Treibern zusammen, allerdings nicht mit jedem Release. In den Tests hatten wir mit folgendem Quellcode Erfolg:

http://snapshots.madwifi.org/special/madwifi-ng-r2756+ar5007.tar.gz

Die LED des WLAN-Schalters leuchtet unter Ubuntu und OpenSuse nicht. Sieht der Kernel den WLAN-Adapter, das Scannen nach Funknetzen gibt aber kein Ergebnis, dann muss man den Schalter einmal betätigen.

Leistung
Der Gnome-Desktop von Ubuntu und das KDE-4-System von OpenSuse fühlen sich deutlich langsamer an, als das vorinstallierte Linpus. Allein die Bootzeiten von über einer Minute sprechen für sich. Die 512 MByte Hauptspeicher sollte man deshalb besser mit XFCE nutzen. Zudem ist es nicht möglich, Ubuntu neben das Linpus zu installieren, das sich die Linpus-Partiton auf maximal 3,3 GByte verkleinern lässt und sich der Ubuntu-Installer über zu wenig freien Speicher beklagt.

Der linke Kartenleser für die Erweiterung des Hauptspeichers funktioniert out-of-the box, allerdings muss man das Gerät /dev/mmcblk0p1 von Hand einhängen. Den rechten Kartenleser konnten wir unter OpenSuse 11.0 und Ubuntu 8.04.1 nicht zum Leben erwecken.

Update: Kartenleser
Beim linken Kartenleser handelt es sich um ein ATA over USB-Gerät. Damit gibt es je nach USB-Modulen Probleme. OpenSuse 11.0 setzt standardmässig das Modul uhci_hcd auf die Blacklist in der Datei /etc/modprobe.d/blacklist. Setzen Sie ein Rautezeichen vor den Eintrag oder ändern Sie uhci zu ehci, dann arbeitet der linke Kartenleser auch mit OpenSuse 11.0 zusammen. In den Tests durfte beim Booten allerdings keine Karte im Slot stecken, sonst blieb der Rechner hängen.

Beim rechten Kartenleser handelt es sich um ein Hotplug fähiges PCIE-Gerät, allerdings kennt der Kernel die Geräte-ID nicht. Hier müssen Sie zunächst über

setpci -d 197b:2381 AE=47

die passenden Werte einstellen, danach laden Sie von Hand das PCIE-Hotplug-Modul: modprobe pciehp. In den Tests mit dem Originalkernel von OpenSuse 11.0 war das System anschließend allerdings nicht mehr ansprechbar. Abhilfe schaffen Sie mit einem Update auf Kernel 2.6.26.

Fazit: Linpus, Ubuntu, OpenSuse
Das Mini-Notebook startet mit Linpus Linux Lite unglaublich schnell und bringt auch einen schnellen Desktop mit. Die Verarbeitung ist für den Preis absolut in Ordnung. Mit Aspire OneMail, Aspire IM und dem Aspire Mediaplayer sind bei Linpus allerdings auch einige nicht Open-Source-Programme dabei, wir prüfen gerade, inwieweit Acer hier Quellcode zur Verfügung stellen wird.

Möchten Sie das Aspire One mit einer alternativen Distribution nutzen, lohnt es sich, auf das 150L mit 1 GByte RAM und 150 GByte Festplatte zu warten. Darauf arbeiten auch Standard-Distros angenehm schnell. Einen ausführlichen Test mit allen drei Distributionen bringt Ausgabe 10/2008 der Zeitschrift LinuxUser.

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Kommentare
Re: Acer Aspire One mit Linpus Linux, OpenSuse und Ubuntu [Update] - WLAN Modi?
Joachim Junghans, Montag, 28. Juli 2008 13:45:50
Ein/Ausklappen

Welche WLAN-Modi kann man mit dem Acer Aspire One denn einstellen? Nur
Managed? Oder auch Ad-Hoc oder Monitor?

Zum Vergleich: Der One Mini 7 (geliefert mit Ubuntu 8.04) lässt sich auch in
den letzteren beiden Modi betreiben; dagegen ist mir das beim Asus eee nicht
gelungen (weiß jemand ob es doch geht?)



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Re: Acer Aspire One mit Linpus Linux, OpenSuse und Ubuntu [Update] - WLAN Modi?
Marcel Hilzinger, Donnerstag, 31. Juli 2008 16:46:33
Ein/Ausklappen

Mit Linpus funktioniert der Treiber nur im Managed Modus. Zumindest gibt iwconfig ath0 mode Ad-Hoc nur eine Fehlermeldung aus. Wenn ich noch dazukomme, teste ich es noch mit dem oben erwähnten Madwifi-Release.




Bewertung: 190 Punkte bei 23 Stimmen.
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