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Ulteo: Open Office online nutzen

Jan Rähm
13.12.2007

Das junge amerikanische Unternehmen Ulteo bringt ab sofort die freie Office Suite Open Office als Browser-Version auf den Computer. Tester aus Europa und Nord-Amerika sollen nun die Online-Anwendung ausprobieren.

Gegründet wurde Ulteo von Gaël Duval, der schon einer der Mitbegründer der Linux-Distribution Mandriva war. Im Gegensatz zu Google Docs und ähnlichen browserbasierten Anwendungen geht Ulteo nicht den Weg eine eigene Online-Bürosuite zu entwickeln. Das Unternehmen bringt das etablierte Open Office auf die Bildschirme der Anwender. Ab sofort steht die Online-Anwendung unter ulteo.com 15000 Beta-Testern nach vorheriger Anmeldung offen. Im Anschluss an die Testphase soll sie auch ohne Anmeldung kostenfrei nutzbar sein.

Verbesserungen und neue Features auf den Linux-Desktop. Vor allem werden jetzt Online-Services funktionsfähig eingebunden. Neben den Picasa Web Albums besteht die Möglichkeit, bei diversen Anbietern Abzüge der verwalteten Bilder über das Internet zu bestellen.

Zu den neuen Funktionen gehört der direkte Import verschiedener RAW-Formate. So soll die Anwendung nun problemlos mit den Rohdaten einiger Canon- und Nikon-Digitalkameras zurechtkommen. Eine neue Versionskontrolle speichert beim (Nach-) Bearbeiten von Bildern die Historie auf der Festplatte, so dass man zum Ausgangsbild zurückgehen kann. Sogar eine Verringerung der Bildqualität beim Abspeichern als JPEG lässt sich rückgängig machen. Neu ist auch die Möglichkeit, Foto-CDs aus Picasa heraus zu erstellen. Dafür legt das Programm eine Image-Datei an, die man anschließend per Brennprogramm auf einen Rohling bannt.

Die Online-Open-Office-Anwendung basiert auf Ulteos Online-Desktop und OpenOffice.org 2.3.0. Sie ist weitgehend genauso nutzbar, wie lokal installierten Open-Office-Varianten. Lediglich Tastenkürzel lassen sich nicht wie gewohnt einsetzen. Da sich der Dienst noch in der Beta-Phase befindet, müssen Interessenten auch noch mit Fehlern rechnen. Ein solcher, der vor allem deutschen Anwendern auffallen wird, ist die noch unvollständige Übersetzung der Webseite. Sie erweist sich erst einmal als Showstopper, weil das Online-Open-Office nicht geladen werden kann. Erst nach dem Umstellen der Webseite auf Englisch lässt sich das Angebot testen. Das Office-Programm selbst steht dann auch in deutscher Sprache zur Verfügung. Um den Dienst auszuprobieren muss Java installiert sein. Notwendig ist der Mozilla-Browser Firefox oder unter Windows der Internet-Explorer von Microsoft. Mit Opera stürzte die Online-Anwendung im Test wiederholt ab. Der Apple-Browser Safari (unter Windows XP) war ebenfalls nicht zur Zusammenarbeit zu bewegen.

Das Angebot eignet sich laut Mitteilung des Unternehmens auch für Software-Trainer, da es die Möglichkeit bietet, weitere Anwender auf den virtuellen Schreibtisch einzuladen. Dabei kann zwischen "Nur Lesen" oder "Gemeinsam Bearbeiten" ausgewählt werden. Die Speicherung der Arbeitsdaten erfolgt auf den Servern des Anbieters. Registrierten Nutzern steht ein GByte Speicherplatz zur Verfügung. Über einen Java-basierten Dateimanager können Dokumente auf den Server hoch- und wieder auf den lokaler Rechner heruntergeladen werden. Um des gerade zu bearbeitende Dokument ohne die Dateiverwaltung lokal speichern zu können, hat Ulteo einen PDF-Drucker integriert. Betätigt der Anwender den Drucken-Button, übergibt der Browser ein PDF zur lokalen Speicherung.

Bei Online-Anwendungen stellen sich vor allem gewerbliche Nutzer schnell die Frage nach der Sicherheit. Auf den ersten Blick erschienen unsere Daten im Test gut unter Verschluss. Die Verbindung mit dem Online-Office erfolgte über SSL-gesicherte Verbindungen. Aus der Online-Anwendung heraus ließ sich nicht auf das Home-Verzeichnis oder die Verzeichnisse anderer gerade angemeldeter Nutzer zugreifen. Jedoch gelangten wir - zwar nur lesend - an vielerlei Daten unterhalb des Wurzelverzeichnis'. Auch ein Blick in das Heimverzeichnis von "root" gelang ebenso wie das Öffnen von "/etc/passwd" auf dem Host-System.

Hinter der Online-Office-Anwendung und dem Online-Desktop steht das von Ulteo entwicklte Ubuntu-Derivat "Sirius". Dieses basiert auf Ubuntu 6.06 LTS "Dapper Drake" und kann im Developer-Bereich der Webseite in Form einer frühen Alpha aus dem Dezember 2006 heruntergeladen werden.

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