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Ubuntu 12.10 erschienen

Ubuntu 12.10 erschienen

Kristian Kißling
19.10.2012 Ubuntu 12.10 trägt den Codenamen "Quantal Quetzal" und soll die Distribution stärker mit dem Internet verbinden. Dabei helfen sollen nicht nur spezielle Linsen mit Web-Anbindung, sondern auch Web Apps und kontroverse Produktsuchen.

In den vergangenen Jahren lag in jedem Entwicklungszyklus von Ubuntu ein besonderes Augenmerk auf der Größe der Distribution - diese sollte auf eine CD passen. Insofern kann man fast von einer historischen Zäsur sprechen, weil das Desktop-Image des aktuellen Ubuntu auf die 800 MByte zugeht. Es passt damit nur noch auf DVDs oder USB-Sticks, die aber ohnehin dabei sind, der CD den Rang abzulaufen.

Neben dem CD-Image haben die Entwickler auch gleich einen anderen Zopf abgeschnitten: Von Ubuntu 12.10 gibt es kein Alternate-Image mehr. Der Grund: Im Installer finden Sie jetzt nicht nur eine Option, um Logical Volume Management zu nutzen, sondern können auch das komplette Ubuntu-Dateisystem verschlüsseln (Abbildung 1).

Ubuntu 12.10 lässt sich über einen Installer komplett verschlüsseln. Vor jedem Booten müssen Sie dann ein Passwort eingeben.

Während die beiden Optionen den Alternate-Installer überflüssig machen, müssen Sie zum Einrichten eines RAID auf das Minimal-CD-Image von Ubuntu 12.10 zurückgreifen [1]. Das lädt viele Komponenten während der Installation aus dem Internet nach.

Fundamente

Unter der Haube werkelt ein Ubuntu-Kernel, der auf der offiziellen Kernel-Version 3.5 basiert. Beim Booten hat Ubuntu neuerdings Grub 2.00 an Bord, das auch mit Secure Boot umgehen kann, einem Standard, den das neue Windows 8 quasi erzwingt. Auch im Grafikbereich hat sich einiges getan: Die 2-D-Variante von Unity wurde abgeschafft; LLVMpipe soll nun auf Rechnern ohne OpenGL-Support sicherstellen, dass der 3-D-Desktop läuft.

Während X.Org in der neuen Version 1.13 an Bord ist, hat es der Displaymanager Wayland noch nicht in die Standardquellen von Ubuntu geschafft. Dieser beherrscht inzwischen auch Netzwerktransparenz und wird vermutlich in den kommenden Versionen X.Org schrittweise ablösen oder ergänzen, um einen zeitgemäßeren Umgang mit Fenstern zu ermöglichen.

An Bord der Desktop-CD kommt inzwischen vorwiegend Python 3 zum Einsatz: Wer noch Anwendungen mit Python 2 betreibt, kann aber die entsprechenden Pakete nachinstallieren. Nicht zuletzt bietet Ubuntus Log-in-Manager nun eine Möglichkeit, sich ohne Ubuntu-Anmeldung auf entfernten Rechnern einzuloggen und schon vor dem Log-in-Prozess einen drahtlosen Internetzugang zu verwenden.

Desktop-News

Auch auf dem Desktop hat sich einiges getan. Recht populär und von den Entwicklern gern gezeigt, ist die Preview-Möglichkeit im Dash (Abbildung 2): Erscheint zum Beispiel in der Musiklinse ein Song, genügt ein Klick mit der rechten Maustaste auf diesen, um eine Vorschau zu erhalten. Hier rufen Sie den Song im Audioplayer auf, oder hören ihn gar über einen Klick auf den kleinen Abspiel-Button direkt im Dash vor. In einem Test der Funktion mit der aktuellen Version von Ubuntu 12.10 tauchten aber noch Probleme mit dem Feature auf, welche die Entwickler vermutlich in der nächsten Zeit reparieren.

Die Dash-Preview-Funktion zeigte in der heutigen Version von 12.10 noch ein paar Macken.

Apropos Dash: Sehr auffällig ist der neu eingebaute Shopping-Filter für die Home-Linse. Er spuckt für Ihre Suchbegriffe Treffer in Online-Shops aus, zur Zeit solche von Amazon Deutschland. Suchen Sie also nach "firefox", taucht im unteren Bereich ein Film aus den 80ern mit Clint Eastwood auf. Kaufen Sie den Film, verdient auch Canonical daran. Das Feature rief im Vorfeld einige Irritationen und Bedenken bei den Nutzern hervor, die sich Sorgen um ihre Privatsphäre machen. Sie können diese Linse über die Systemeinstellungen deaktivieren oder die Shopping-Linse komplett deinstallieren - dennoch bleibt ein schaler Beigeschmack.

Neu ist auch, dass nur noch der Home-Button (über den Sie auch das Dash erreichen), der Arbeitsflächenumschalter und der Papierkorb fest im Starter stecken - alle anderen Icons lassen sich daraus entfernen, dazu zählen auch Partitionen und Laufwerke. Bleiben noch ein paar eher unauffällige Funktionen: So lassen sich in der Fensterübersicht, die Sie über [Super]+[W] erreichen, einzelne Fenster auch entfernen. Um LibreOffice mit dem HUD zu verbinden, müssen Sie nun kein Extrapaket mehr installieren, das klappt gleich zu Beginn. Auch steht die Wahrscheinlichkeit gut, dass ein nerviger Bug verschwunden ist, durch den geöffnete LibreOffice-Dokumente nicht mehr im Starter und im [Alt]+[Tab]-Fenster auftauchen.

Anwendungen & Apps

Auch an den Anwendungen, die Ubuntu 12.10 standardmäßig mitbringt, haben die Entwickler geschraubt - zum Beispiel an Nautilus. Länger wurde diskutiert, was mit Ubuntus Dateimanager passieren soll, nachdem Gnome-Entwickler hilfreiche Features entfernt haben. Schließlich entschieden sich die Ubuntu-Entwickler dafür, die alte Version 3.4.2 zu patchen und zu verwenden. Auf dem nächsten Ubuntu Developer Summit will man dann das weitere Vorgehen diskutieren. Zugleich erschien kürzlich mit Ubuntu Gnome Remix [2] ein offizielles Ubuntu-Derivat mit Gnome als Desktop.

Eine weitere Neuerung ist der Abschied von Jockey (dt. "Zusätzliche Treiber"). Die Software diente bisher dem einfachen Installieren proprietärer Treiber (Grafikkarten, WLAN-Karten, etc.), war aber ursprünglich programmiert worden, um größere Aufgaben zu übernehmen. Dieses Erbe blies den Code jedoch auf und macht ihn fehleranfällig, weshalb die Entwickler nun die Treiberinstallation im Reiter "Zusätzliche Treiber" des Programms "Software-Paketquellen" unterbrachten -- Jockey ist damit Geschichte.

Neu an Bord sind die Web Apps: Sie sorgen dafür, dass zahlreiche Webseiten ein wenig mehr wie Anwendungen funktionieren: Sie rufen eine Google+-Web-App direkt über das Dash auf und wechseln per [Alt]+[Tab] dorthin. Um eine Web App zu installieren, besuchen Sie die Webseite eines Dienstes mit Firefox oder Chromium. Ein kleines Fenster schlägt nun vor, die Seite in eine Web App zu verwandeln -- optisch läuft sie weiterhin im Browser. Wollen Sie eine Webapp in Aktion sehen, klicken Sie einfach im Starter auf das neue Amazon- oder Ubuntu-One-Icon -- auch hier handelt es sich um Web Apps.

Heute morgen wirkte Unity an einigen Stellen noch etwas holprig, aber technisch ist das neue Ubuntu 12.10 durchaus interessant. Die Preview-Funktion ist innovativ, der Ausbau des App-Bereich bringt neue Tools in das Software-Center. LLVMpipe braucht gegenüber Unity-2D hingegen noch etwas Performance-Tuning und die Shopping-Linse ist ein eher überflüssiges Feature. Wer Ubuntu herunterladen will, wird hier fündig, zu den Derivaten und ihren Neuerungen lässt sich hier mehr erfahren.

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