Torvalds steht weiter zu GPLv2

Torvalds steht weiter zu GPLv2

Jan Rähm
10.01.2008

Im ersten Podcast der Linux Foundation, der sich "Openvoices" nennt, spricht Linus Torvalds erneut das Reizthema GPLv2 vs. GPLv3 an. Dabei macht der Vater des Linux-Kernels deutlich, dass er auch weiterhin die GPLv2 als die (für den Kernel) bessere Lizenz betrachtet.

Schon im Januar des vergangenen Jahres hatte sich Linus Torvalds als einer der größten Kritiker der GPLv3 gezeigt. Während er damals jedoch mit recht harschen Worten seine Abneigung zum Ausdruck brachte, spricht er nun deutlich ruhiger und ausführlicher über seine Gründe. Seiner Meinung nach repräsentiere die dritte Version der GNU Public License den beinahe religiösen Glauben an die Freiheit des Codes der Free Software Foundation. Dem gegenüber befriedige die GPLv2 mehr die (lizenz-) technischen Bedürfnisse des Kernels. Torvalds bleibt hart: Er wird einem Wechsel des Kernel auf die GPLv3 erst dann zustimmen, wenn Sun Microsystems ihr OpenSolaris unter GPL v3 veröffentlichen. Auf die Nachfrage, ob er denn die Entwicklergemeinschaft an der Entscheidung beteiligen müsse, antwortet Torvalds, dass dem natürlich so sei. Er könne nicht einfach die Lizenz ändern, nachdem er gut 15 Jahre lang Code von den verschiedensten Menschen angenommen habe. Ein Lizenzwechsel würde es erfordern, dass alle Urheberrechtsinhaber der Entscheidung zustimmen. Der Code derer, die es nicht tun, müsste neu geschrieben werden. Somit sei der Wechsel derzeit praktisch so gut wie ausgeschlossen.

Die GPLv3 ist bereits seit längerer Zeit heftig umstritten. Schon vor der Veröffentlichung in ihrer endgültigen Form polarisierte die neue Lizenz. So war beispielsweise FreeBSD-Chef Justin Gibbs überzeugt, die GPLv3 treibe Linux-Entwickler in das BSD-Lager. Als Grund dafür nannte er rechtlichen Beschränkungen. Auch der ehemalige Linspire-Chef Kevin Carmony hatte in einem offenen Brief vor ungewollten Konsequenzen aus der GPLv3 gewarnt. Allen Bedenken und Warnung zum Trotz haben mindestens 1380 Projekte bereits den Wechsel auf die neue Lizenz gewagt. Hinzu kommen 135 Projekte, die die LGPL in der dritten Version gewählt haben. Das berichtet die kalifornische Firma Palamida, die im Halbjahresrhythmus neue Statistiken zur GPLv3-Akzeptanz aufstellt.

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