Torvalds: Verklagt uns doch, Microsoft!

Torvalds: Verklagt uns doch, Microsoft!

Microsofts am Sonntag erhobenen Vorwurf, Linux und andere freie Software verletze 235 Microsoft-Patente [1], quittierte Linus Torvalds jetzt mit einer geharnischten Antwort: Redmond soll die Patente offenlegen, damit die Tatsachen vor Gericht geklärt werden können.

“Eine klare Benennung der fraglichen Patente würde entweder klar machen, dass Linux sie überhaupt nicht verletzt, oder ermöglichen, den beanstandeten Code umzuschreiben”, sagte Torvalds. “Eigentlich ist es aber viel wahrscheinlicher, dass Microsoft Patente verletzt, als Linux.”, kontert er zudem: Müsste der Code des Software-Riesen sich einer ähnlich kritischen Untersuchung unterziehen wie der von Linux, würde sich wohl herausstellen, dass Microsoft zahlreiche Patente anderer Firmen verletzt, glaubt Torvalds.

Dass es jemals zu einer gerichtlichen Klärung kommen könnte, bezweifelt er allerdings. “In dem Fall müsste Microsoft die fraglichen Patente klar benennen, und wahrscheinlich ist es ihnen lieber, weiter Verunsicherung zu verbreiten, als einen Prozess zu führen.”, schätzt Torvalds die Interessenslage bei Microsoft ein [2].

Damit hat er vermutlich recht, wie Microsofts Vizepräsident für den Bereich “Intellectual Property and Licencing” Horacio Gutierrez dieser Tage indirekt bestätigte [3]. “Wir verklagen niemand — hätten wir das gewollt, hätten wir es vor Jahren getan.” Die Erwähnung der verletzten Patente sei nicht als Drohung gedacht gewesen, sondern solle nur ein existierendes Problem klarmachen: “Jeder muss verstehen, dass es hier ein wirkliches Lizenzproblem mit Linux gibt und dass eine Lösung gefunden werden muss.”, präzisierte Gutierrez Microsofts Standpunkt.

Tatsächlich erhebt Microsoft bereits jetzt Linux-Patentgebühren von einigen Unternehmen, die das freie Betriebssystem in ihrer IT-Landschaft einsetzen. Bislang weigert man sich in Redmond aber beharrlich, die Namen der betroffenen Firmen oder die Höhe der Zahlungen zu nennen. Auch eine Nennung der zugrunde liegenden Patente lehnt Gutierrez kategorisch ab: “Wir werden öffentlich keine derart detaillierte Diskussion führen.” Den betroffenen Unternehmen und Distributoren hätte man die Patente aber genannt.

Damit dürfte es auch weiterhin viel eher in Microsofts Interesse liegen, Linux-Anwender mit vermeintlichen Patentverletzungen zu verunsichern und abzukassieren, als eine gerichtliche Klärung der Vorwürfe zu erwirken. Davon hätte man in Redmond ohnehin nichts, glaubt Linus Torvalds: “Die Grundlagen der Betriebssystemtheorie stehen seit Ende der 60er Jahre praktisch fest. Die fundamentalen Dinge sind vor einem halben Jahrhundert erledigt worden und haben schon seit langem jeden Patentschutz verloren.”

[1] http://www.linux-magazin.de/news/microsoft_freie_software_verletzt_235_patente
[2] http://www.informationweek.com/news/showArticle.jhtml?articleID=199600443
[3] http://www.informationweek.com/news/showArticle.jhtml;?articleID=199501831

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Benjamin Quest
19 Jahre her

Hier [1] ist ein wunderbarer Kommentar von Eben Moglen (video) auf engl. Kurzweilig, unterhaltsam und auf den Punkt gebracht.

Von den schlechten Optionen hat MS ja nun eine gewählt ob es für eine der wenigen besseren Optionen [2] wohl auch nochmal reicht?.

[1] http://www.redhatmagazine.com/2007/05/14/summit-2007-eben-moglen-on-microsofts-summer-of-fear/
[2] http://blogs.sun.com/jonathan/

GoaSkin
19 Jahre her

Irgendwie hat entweder das Patentrecht allgemein einen Haken oder die Praxis von Unternehmen wie Microsoft oder SCO ist daneben. Microsoft behauptet, Linux verletzt Patente und verklagt Nutzer. Also wer ist nun für die Patentverletzung verantwortlich. Wenn es tatsächlich legitim ist, an Linux-Nutzer Forderungen zu erstellen kann es theoretisch den Linux- und Opensource-Entwicklern völlig egal sein, ob da etwas Patente verletzt oder nicht, da es das Problem des Anwenders ist. In diesem Falle könnte man in die Programme Warnhinweise einbauen, dass man bei Nutzung in den USA ggf. Probleme mit dem Patentrecht bekommen kann, aber die Nutzung dort wo es keine… Mehr »

Benjamin Quest
19 Jahre her
Reply to  GoaSkin

Moment, MS verklagt gar niemanden. Und schon als letztes Nutzer. Was man davon hat seine eigenen Nutzer zu verklagen sieht man an SCO (ich erinnere mich da an Autozone). Nein, was MS will ist *den Eindruck erwecken* es bestünden Verbindlichkeiten. Wer dann Lizenzkosten zahlt ist eigentlich selber Schuld. Verklagen würde MS vielleicht eventuell gerne die Entwickler (auf Unterlassung). Die meisten Entwickler sind aber entweder kaum zu belangen, oder aber bei Industrieschwergewichten angestellt, die nicht nur und ausschließlich OpenSource produzieren (IBM, HP, Novell, Sun). So, die Frage warum MS nicht genau sagen möchte welche Patente denn nun angeblich verletzt werden, bedeutet… Mehr »

GoaSkin
19 Jahre her
Reply to  Benjamin Quest

Naja, Apple wird bis auf absehbares OSX nicht für normale PCs rausbringen. OSX 10.4 läuft praktisch (versehentlich) auf normalen PCs (man muss bei der Installation lediglich ein Terminal aufrufen, paar Variablen setzen, einen Prozess abschiessen und das Setup wieder manuell starten). Da das Apple aber nicht passt, soll in der nächsten Version ein Hardware-Dongle eingeführt werden, bei dem bestimmte Bestandteile des Systems auf die Informationen proprietärer ICs angewiesen sind. Logisch… die Leute kaufen häufig die Hardware, weil sie das Betriebssystem wollen aber nicht aus Überzeugung von dem, was Apple da baut. Apple und Linux ist auch nicht unbedingt die grosse… Mehr »

Harald Milz
19 Jahre her
Reply to  GoaSkin

Zunächst muss mann immer sehen, dass das geltende US-Recht Grundlage des aktuellen MS-FUDs ist und dieser damit hierzulande noch keine oder nur geringe rechtliche Auswirkungen hat (möglicherweise aber als FUD trotzdem wirkt, aber das ist eher eine Frage von Unkenntnis, wie an anderer Stelle so schön gezeigt wird). Was legitim ist, spielt daher auch keine Rolle, sondern nur was legal und damit rechtlich möglich ist. Ob die Praxis von MS oder SCO “daneben” ist, spielt gar keine Rolle. Recht haben (legitim) und Recht bekommen (legal) sind zwei manchmal sehr verschiedene Dinge. Darüber mag man sich zwar trefflich aufregen, schadet sich… Mehr »

A. Kneib
19 Jahre her

Heute morgen bin ich beim Sport in der Umkleide tatsächlich von einem 60jährigen, nunja, “Nur-Windows-Anwender-und-das-mit-Not-und-Mühe” auf das Thema angesprochen worden. Der ältere Herr weiß, dass ich ausschließlich und gerne Linux nutze. Er kam auch mich zu und sagte (wortwörtlich!): “Hallo Andreas, gestern habe ich eine Studie gelesen, in der stand, dass über 200 Patente, also 80 % von Linux bei Microsoft geklaut wurden.” Ich habe ihn dann erstmal darüber aufgeklärt. Im Verlaufe des Gespräches stellte sich heraus, dass der ältere Herr freilich davon ausgegangen ist, dass die Vorwürfe Microsofts nicht nur den Betriebskern, sondern sämtliche Anwendungen bis hin zu Editoren,… Mehr »

Jörg Luther
19 Jahre her
Reply to  A. Kneib

Der alte Herr hat Recht: Nach der Aufschlüsselung von Microsoft finden sich im Kernel selbst 42 Patentrechtsverletzungen, 65 weitere in den “grafischen Anwenderoberflächen” (was da gemeint ist, wird nicht völlig klar). Die Open-Office-Produkte werden mit 45 Patentverstößen genannt, E-Mail-Programme mit 15, weitere freie Software soll für 68 Rechtsbrüche verantwortlich sein. Das ist gegenüber älteren Vorstößen in diese Richtung tatsächlich ein Novum: Die einzige Studie, die bisher solche angeblichen Patentverletzungen präzisierte, beschränkte sich auf den Kernel (v2.4 und v2.6) und reklamierte insgesamt 283 Verstöße. 98 der fraglichen Patente gehörten demnach Linux-freundlichen Firmen, darunter IBM (60), Hewlett-Packard (20) sowie Intel (11). Microsoft… Mehr »

Harald Milz
19 Jahre her
Reply to  Jörg Luther

Jörg, der Punkt ist, der alte Herr nahm diese “Studie” mangels Vorkenntnissen als gegeben hin. Da hilft nur aufklären, was das Zeug hält, und immer schön im Zusammenhang mit Studien auf das alte Prinzip “cui bono” hinweisen.

Bislang ist das alles wie üblich unbewiesene Quacksalberei, so lange MS nicht die Patente nennt und die Stellen im Quellcode benennt, die davon betroffen sein sollen.

[1] http://showusthecode.com/

Jörg Luther
19 Jahre her
Reply to  Harald Milz

Die Patente wird Microsoft wohl nie nennen, da das den Interessen der Firma ? dem Verbreiten von Unsicherheit und dem resultierenden Einstreichen von “Lizenz”-Gebühren ? nicht dienlich wäre. Dass das der eigentliche Zweck der Übung ist, hat gestern Bill Hilf, Microsofts General Manager für Plattform-Strategien, noch einmal bestätigt. Er sagte in einem Interview mit IDGNS: “Hinsichtlich unseres geistigen Eigentums war es stets unsere Unternehmensstrategie, von Steve Ballmer über Brad Smith bis zu mir und auch von jedem dazwischen, zu lizenzieren und nicht zu verklagen.” Umso wichtiger ist freilich, im Gespräch mit jedermann die Tatsachen gerade zu rücken. Mir ging es… Mehr »

Benjamin Quest
19 Jahre her
Reply to  Jörg Luther

Und wer kauft Ihnen die Lizenzen ab? Die Dummen. Wie lange bleiben die Dummen dumm? Wenn’s ums Geld geht nicht lange … Das funktioniert nur mir größeren Lizenznehmern, ich kann mir nicht vorstellen, daß MS dann Endusereinzelgespräche führt.

Ich glaube MS versteht es immer noch nicht; da draußen ist etwas, ein gewaltiger frei verfügbarer, täglich wachsender, hochflexibler Code-Pool und mit ihm eine Gesinnung diesem Code die gleiche Freiheit zu geben wie dem Wort.

MS wird glaube ich bis zum Schluß versuchen uns einzelne Wörter und Halbsätze zu verkaufen, während andere bereits Kurse zu Rhetorik und Sprachbildung abieten …

Karsten Tröß
19 Jahre her

Hallo,

was wäre mit dem umgekehrten Versuch?
Kann Torvalds im Namen der LC auch MS verklagen wegen Rufschädigung?
Was würde dabei rauskommen? MS wäre doch vermutlich dann auch gezwungen die Patente zu nennen, oder aber eine offizielle Richtigstellung auszugeben, wenn sie diese Patente denn nicht genau mit Code benennen will?
Da ich keine rechtlichen Kenntnisse habe die Frage an einen RA, ginge das? (Fred?)

Wäre interessant zu wissen wie das Ergebnis wäre :-)

Karsten

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